Die Causa Kaeser: Das Ende des Social CEO? Das Ende von Haltung zeigen?

Christian Henne hat sich in einem Beitrag mit dem Thema Siemens und Friday for Futures unter dem Aspekt „Was kann man draus lernen“ beleuchtet. Viele interessante Aspekte, die man kontrovers diskutieren kann und muss. Ich wage es, einen Effekt der Causa Siemens-Kaeser vorauszusagen, der mir nicht passt: Viele Unternehmen, besser die Kommunikationsabteilungen und CEOs werden noch vorsichtiger, in sozialen Medien selbst aktiv zu werden, den Social CEO ablehnen. Wieder einmal Wasser auf die Mühlen derjenigen, die vor Social Media warnen, kontrollieren und dort nur offiziöse Nachrichten und Werbebotschaften absondern wollen und werden.

Wie schreibt Christian so schön:

Wer hier mehr verspricht, als er halten kann, geht ins kommunikative Risiko. Offensive oder Rückzug? Was bedeutet dies nun für Unternehmen und Marken? Keine Haltung mehr? Doch! Aber alle müssen verstehen, dass sich die junge und sehr kritische Generation gerade in Umweltfragen nicht blenden lässt. Haltung als Marketing wird nicht reichen.

Siemens und Fridays for Future: Blaupause für Unternehmen weltweit

Die Causa Kaeser ist jedoch meiner Meinung nach kein Indiz oder gar Beweis dafür, nicht als CEO oder Führungskraft eines Unternehmen im Netz aktiv zu sein. Im Gegenteil. Sie zeigt einmal mehr, dass viele in Unternehmen und in der Unternehmenskommunikation noch immer nicht die Mechanismen, Chancen, aber eben auch Risiken der sozialen Medien verstanden haben. Ja, man kann in sozialen Medien daneben liegen und einen Shitstorm ernten. Dieser Shitstorm allerdings war – so denke ich – zumindest in diesem Umfang vermeidbar.

Christian spricht von einer Blaupause. Ich hoffe nicht, dass es eine Blaupause für „herum eiern“ und keine Haltung zeigen ist. Gerade in diesen Zeiten – und das geht weiter über das wichtige Thema Klimawandel hinaus – ist klare Kante und Haltung auch von Unternehmensführern unverzichtbar und dringend notwendig.

[Weitere Zitate und Anmerkungen zum Thema in den Kommentaren, u.a. Falk Hedemann, Gabor Steingart, Wolfgang Bscheid]

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Roger Mosley auf Pixabay

8 Kommentare zu „Die Causa Kaeser: Das Ende des Social CEO? Das Ende von Haltung zeigen?

  1. Falk Hedemann hat den Interessenkonflikt, den Siemens und sein CEO Kaeser hatten/haben:

    „Dabei halten sie sich an Verträge, um ihre wirtschaftliche Glaubwürdigkeit nicht aufs Spiel zu setzen. Das ging auf Kosten der ökologischen Glaubwürdigkeit! Beides zu retten, war schlicht nicht möglich.“

    Nur hätte man diesen Konflikt wesentlich besser erklären und kommunizieren können, finde ich.

    1. Der unlösbare Konflikt hätte besser kommuniziert werden müssen! Das hätte die Diskussion zwar nicht aufgehalten, aber viel weniger Raum für Interpretationen von außen gelassen. Das ist der Punkt, den ich hier wirklich nicht verstehe.

      1. #Genau das meine ich. Ich glaube, dass man bei offener und authentischer Kommunikation zwar Kritik, aber keinen solchen Shitstorm erlebt hätte.

        Mutmaßung, aber basierend auf gewisser Erfahrung ….

  2. Nach langer Zeit wieder einmal ein Zitat von Gabor Steingart zu Joe Kaeser und der neuen Situation, wie Unternehmen heute ihr Handeln vor „der Gesellschaft“ rechtfertigen müssen. Zu Kaeser:

    „… kommunikativ stolpert er mit seinen Tweets durchs digitale Neuland. Er findet seit Tagen nicht den richtigen Ton, um den Dialog mit einer unruhig gewordenen Gesellschaft noch führen zu können.“

    „Geschäftsmodelle müssen heute der Gesellschaft zur Ratifizierung vorgelegt werden, nicht mehr nur dem Aufsichtsrat.“

    „Muss ein Konzern heute nicht nur Aufträge akquirieren, sondern auch Aufträge ablehnen? Wenn es Manager gibt, die sich um „Business to Consumer“ und “Business to Business“ kümmern, braucht es nicht auch jemanden, der etwas von „Business to Society“ versteht?“

    Aus dem Morning Briefing vom 14.Januar 2020 – https://news.gaborsteingart.com/online.php?u=fvuBXUY3055

  3. Wolfgang Bscheid hat auf LinkedIn den Themenkomplex Social CEO oder der Notwendigkeit des „Cheffe“ als Markenbotschafter in einem Beitrag aufgegriffen. Hier einige Kernaussagen:

    „Etliche Folgen, die das Phänomen des (teil)öffentlichen CEOs bzw. Managers mit sich bringt, sind vielfach noch gar nicht zu Ende gedacht.“

    „Das bedeutet aber, dass Unternehmen ihrem Spitzenpersonal mehr Spielraum in der Kommunikation geben müssen als früher. In der hochbeschleunigten Medienwelt ist es nicht mehr möglich, jeden Post des CEOs vor der Veröffentlichung durch Abstimmungsschleifen zu schicken. “

    https://www.linkedin.com/pulse/jetzt-wirds-pers%C3%B6nlich-wolfgang-bscheid/

  4. Eine weitere Ergänzung aus Gabor Steingarts Morning Briefing:

    Luisa Neubauer zu Ihrem Treffen mit Joe Kaeser:

    „Der hat mir erstmal sehr lange erzählt, was bei Siemens gerade passiert, und ich hatte noch kein Wort gesagt.“

    Steingart resumiert:

    „Zuhören ist die höchste Kulturtechnik der bürgerlichen Zivilisation. Und Zuhören nicht nur sich selbst. So gesehen gehören die Aussagen über das Kommunikationsverhalten des Firmenchefs eigentlich in die Personalakte.“

    https://news.gaborsteingart.com/online.php?u=fvuBXUY3081

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