A 3D render of a futuristic, minimalist office desk with a floating, glowing AI interface. The desk has a few items, including a pen, a notepad, and a laptop. The AI interface has holographic displays showing various work steps such as search, text generation, and social media. The background is a blue and white room with a few plants. The overall image has a high resolution and isometric perspective.

Mehr als eine Antwortmaschine: Chancen und Grenzen von Perplexity.ai

In der Jahresendfolge von #9vor9 hat mich Lars geoutet: Ich bin ein intensiver Nutzer von KI-Tools (während er noch vorsichtiger ist). Zu einem Werkzeug, das ich wirklich täglich nutze, ist Perplexity.ai geworden. Perplexity ist unterdessen die Künstliche Intelligenz, die ich am intensivsten nutze. Durch eine Promotion der Deutschen Telekom kann ich derzeit die Pro-Version nutzen. Wofür setze ich Perplexity.ai ein?

Suchen: Die Antwortmaschine

Perplexity.ai ist mein neues Google (besser als DuckDuckGo), meine bevorzugte Such-, besser Antwortmaschine, die mir meine Anfragen in Klartext beantwortet und auch die benutzten Links anzeigt. In den Smartphone- und Mac-Apps kann ich mir bereits die Antwort vorlesen lassen; in der Web-Version soll das noch kommen.

Die in normaler Sprache gegebene Antwort ist einfach natürlicher und einfacher zu konsumieren. Und ja, das Problem, dass man oft nicht auf die Webseiten, die eigentlichen Quellen, geht, ist da. Diese Zero-Click-Search hat natürlich auch Konsequenzen für die Besitzer und Content-Ersteller, die immer weniger Traffic auf ihren Seiten vermelden. Dies gefährdet die digitalen Geschäftsmodelle vieler Content-Ersteller massiv. Neue Finanzierungsformen wie beispielsweise die Kooperation zwischen Perplexity und der Spiegel-Verlagsgruppe oder RTL Deutschland müssen gefunden werden. Aufhalten wird man die neuen Antwortmaschinen aus meiner Sicht nicht können.

Doch ich habe nicht nur gute Erfahrungen bei meinen Recherchen gemacht. Manchmal scheinen die Werkzeuge auch einen Joint geraucht zu haben und liefern einfach falsche Antworten. Wichtig ist also, dass man sein Hirn weiter eingeschaltet lässt und Fakten prüft. Auch rate ich dazu, einen Blick auf die Quellen zu werfen, die Perplexity oder eine vergleichbare Antwortmaschine heranziehen. Diese werden ja angezeigt, und erst neulich tauchte bei einer meiner Recherchen dort beispielsweise nur Al Jazeera als Quelle auf.

Da hätte ich auch gleich einen Wunsch an die Anbieter der Antwortmaschinen: Gerne würde ich eine Liste der Quellen und Webseiten hinterlegen, denen ich besonders vertraue, quasi also eine Whitelist. Ansätze für ein solches Vorgehen gibt es in den Perplexity-Spaces, spezifische Räume, denen ich Dateien, Links und auch maßgeschneiderte Anweisungen zuordnen kann. Diese Funktionalität gibt es ab der Pro-Version.

Text erstellen & zusammenfassen

Doch ich nutze Perplexity nicht nur für die Suche. Ich lasse mir vom Tool auch Texte erstellen oder zusammenfassen. Wenn wir eine Folge unseres Podcasts aufgenommen haben, lasse ich die Inhalte derzeit über die Mac-App Whisper Transcription transkribieren. Den so erstellten Text speise ich in Perplexity ein und fordere das System auf, daraus einen journalistischen Text zu machen. Und das geht in der Regel schief …

Die literarische Übersetzerin Nicole Denis hat am 5. Januar 2025 in der FAS geschrieben, dass die KI an Zwischentönen, Ironie, Metaphern und fehlender Empathie scheitert. Nun sind meine Texte oder auch unsere Gespräche bei sicherlich weit weg von der Gattung Literatur, aber auch hier sind die Ergebnisse mangelhaft. Wenn ich die Zusammenfassung lese, fehlen mir immer wieder die wichtigsten Kernaussagen, die Gewichtung, die Pointen oder auch die kontroversen Aussagen.

Ja, ich kann die Zusammenfassung anschauen, kann auch einzelne Sätze nehmen, aber für den geplanten Blogbeitrag muss ich selbst ran, selbst formulieren. Die einzige KI, die mich zumindest unter den Kritikern journalistischer Sprache halbwegs überzeugt hat, ist der WSKI-Editor, benannt nach dem Journalisten-Guru Wolf Schneider. Alle anderen Systeme sind bei Texten, die anspruchsvoller sind oder an die man persönlich bestimmte Qualitätskriterien ansetzt, gescheitert. Oder aber die entsprechenden Modelle sind einfach noch nicht gut genug trainiert, haben noch nicht den persönlichen Stil der Autorin oder des Autors adaptiert.

Aber … natürlich kann KI eingesetzt werden, um standardisierte Nachrichten auszuformulieren, vom Quartalsbericht bis zum Fußballspiel aus der Amateurliga. Das wird bereits praktiziert, ist eben aber auch kein anspruchsvolles Texten.

Vorschläge für Social Media, Teaser oder Titelgrafik generieren

Perplexity kommt jedoch bei mir für eine Vielzahl weiterer Aufgaben zum Einsatz und leistet dort nach meinem Geschmack gute Arbeit. Es gibt rund ein Dutzend Prompts, die ich immer wieder einsetze, um meine Arbeit zu erleichtern. Beispielsweise lasse ich Perplexity Vorschläge machen, wie Social-Media-Postings für Threads, Mastodon und Bluesky aussehen können. Dabei greift Perplexity auf den dann schon nahezu fertigen Beitrag zu und liefert durchaus interessante Vorschläge. Auch lasse ich mir verschiedene Versionen des Theaters vorschlagen. Zwar übernehme ich äußerst selten einen Vorschlag zu 100 Prozent, aber Textteile sind immer wieder gut verwertbar.

Genau bei solchen Aufgaben kann Perplexity (beziehungsweise auch eine andere KI) nützliche Anregungen geben. Das Paradebeispiel sind für mich die Vorschläge, wie ein Beitrag illustriert werden soll und wie die Titelgrafik aussehen könnte. Das System schreibt mir detaillierte Prompts, mit denen ich dann eine Bild-KI (in der Regel ideogram.ai oder recraft.ai) füttere. Die Ergebnisse seht ihr hier im Blog.

Themen vorbereiten, Fragenkatalog erstellen, Gesprächsverlauf planen

In den letzten Absätzen habe ich beschrieben, wie ich mit Perplexity und einigen weiteren Tools unseren Podcast nachbearbeite, den dazugehörigen Artikel erstelle und mir Anregungen für Überschrift, Social Media, Teaser oder Titelgrafik geben lasse. Oft kommt Perplexity auch in der Vorbereitung eines Podcast-Themas zum Einsatz.

Steht ein Thema fest, lasse ich mir den Kontext von Perplexity zusammenfassen. Oft füttere ich das System dabei gezielt mit bestimmten Artikeln und Links, lasse Perplexity in der Regel auch im Web suchen, um weitere Informationen zu erhalten. Schon das ist oft sehr nützlich. Der nächste Schritt ist, dass ich mir die wichtigsten oder kontroversesten Fragen zu einem Thema vorschlagen lasse oder Perplexity uns gar eine Struktur für unser Gespräch liefert. Gut, wir haben uns bei bisher nie an diese Vorgabe gehalten, jedoch haben wir aus meiner Sicht durchaus sehr nützliche Anregungen bekommen.

Man muss sich mit KI auseinandersetzen

So weit einige der Gebiete, auf denen ich Perplexity privat vor allem zum Bloggen und zur „Wissensarbeit“ einsetze. Das variiert dann auch je nach Aufgabe. Ich halte es für wichtig, dass ich mich gerade auch als etwas älterer Schreiber mit diesen Technologien auseinandersetze. Sie helfen, man muss sie kennen, um sie wirklich bewerten zu können. Und natürlich bieten sie auch Risiken, wie wir ja vielerorts – zum Beispiel beim Fluten von Social Media mit Falschnachrichten – sehen.

Ich habe auch sicher nur einen Bruchteil der Funktionen von Perplexity und anderen Tools durchdrungen und getestet. Da geht ganz sicher noch viel, viel mehr. Und es gibt natürlich viele Alternativen. Google entwickelt mit Gemini ein ähnliches Werkzeug immer weiter, OpenAI bietet ChatGPT und SearchGPT an, im Job nutze ich CoPilot von Microsoft. Privat habe ich mich bewusst für diesen kleineren Anbieter entschieden, den ich gleich nochmals kurz beschreibe.

Unschuld und Missbrauch: Parallelen zu Social Media

Die Situation Anfang 2025 erinnert mich an alte Social Media-Zeiten. Vor vielen Jahren bin ich, sind viele mit Enthusiasmus auf Social Media gestartet. Twitter war für uns durchaus revolutionär, wir haben Unsinn gemacht und Farmville gespielt, wir haben beobachtet, wie Social Media den Arabischen Frühling befeuert hat, und wir haben in den vergangenen Jahren gesehen, welchen Schaden die Systeme anrichten können, wie manipulativ die Algorithmen sind und wie gefährlich es ist, diese Werkzeuge in den Händen weniger Oligarchen zu sehen, die damit machen, was sie wollen.

Ähnlich verhält es sich wohl auch mit den Large Language Models, den Systemen der Künstlichen Intelligenz. Auch hier bekommen wir schon täglich mit, wie sie ge- und vor allem missbraucht werden. Sie werden nicht mehr verschwinden, ebenso wenig wie Social Media, aber wir müssen versuchen, sie zu kontrollieren und sinnvoll zu nutzen, vor allem auch unabhängige, europäische Alternativen zu den Systemen eines Musk oder eines Altman zu schaffen. Bisher scheint der breite Wille dafür noch zu fehlen. Leider.

Was und wer steckt hinter Perplexity.ai

Perplexity AI, 2022 in San Francisco gegründet, ist eine Lösung zwischen klassischer Suchmaschine und KI-Assistent. In der Suche erstellt Perplexity keine Linklisten, sondern generiert direkte Antworten mit Quellenangaben. Perplexity führt in der Regel bei jeder Anfrage eine Echtzeit-Websuche durch und verarbeitet aktuelle Informationen. Das von Jeff Bezos und Nvidia unterstützte Startup nutzt in der kostenlosen Version eine Kombination aus GPT-3.5 und eigenen Sprachmodellen, während Pro-Nutzer Zugriff auf GPT-4, Claude und andere Modelle erhalten.

Die Zahl der aktiven Nutzern wächst zwar schnell, das Unternehmen steht aber vor erheblichen rechtlichen Herausforderungen. Das Unternehmen wurde jüngst mit 9 Milliarden US $ bewertet. Auch muss noch geklärt werden, wie sich das Unternehmen mittelfristig finanzieren will. Die in diesem Beitrag beschriebene Pro-Version von Perplexity kostet 20 US $ im Monat oder 200 US $ im Jahr. Im Oktober 2025 wird sich für mich die Frage stellen, ob mir der Nutzen von Perplexity.ai pro diese Investition wert ist.

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