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Privatheit 2.0: Jeder muß lernen, seine Privatsphäre zu definieren (und zu schützen) – sueddeutsche.de

Deshalb ist der Widerstand gegen Google Street View zutiefst bürgerlich. Es geht hier in erster Linie gar nicht um juristische Bedenken, sondern um den Angriff auf den „Geheimniszustand“, der für die bürgerliche Privatsphäre wesentlich ist. Der Bürger will selbst bestimmen, was von seiner Existenz öffentlich wird; vielleicht die Hausfassade, aber nicht der Garten; vielleicht die Ehefrau, aber nicht die Kinder. Deshalb baut man Zäune, pflanzt Hecken, und Gardinen stellen sicher, dass man durch die Fenster hinaus-, aber nicht hineinsehen kann. Nur ein kindischer anti-bürgerlicher Affekt kann das „spießig“ finden.

Was mit der Unterscheidung von privat und öffentlich auf dem Spiel steht, ist die Idee der bürgerlichen Freiheit. Privatheit ist bürgerlich; heute muss sie eigens erarbeitet werden. Privatheit ist eine Aufgabe. Und vielleicht wird man über die bürgerliche Identität im Zeitalter des Internet bald sagen können: Jeder bemerkenswerte Mensch arbeitet gegen sein eigenes Profil. Privatheit ist die Standardeinstellung, die der Bürger im Umgang mit den Medien bewusst wählen muss.

Das ist natürlich eine unzeitgemäße Strategie, denn in der Welt der Netzwerke sind privat / öffentlich und persönlich / geschäftlich keine plausiblen Unterscheidungen mehr. … Denn Individualität zeigt sich heute darin, dass jeder selbst definieren darf, wo seine schützenswerte Privatsphäre beginnt. Privatheit 2.0 ist eigenrichtig.

Ein sehr interessanter, lesenswerter Artikel in der Süddeutschen. Ja, nicht nur der „Spießbürger“ muß die Wahl haben, welche Informationen er/sie über sich preis gibt. Wir müssen alle lernen und lehren, wie wir mit Privatheit umgehen in Zeiten des allgegenwärtigen „Profilers“.

Posted from Digital naiv – Stefan63’s Blog

Filed under: Datenschutz & Datensicherheit, Soziale Medien & "das Netz"

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... arbeitet in Communications bei Kyndrl Deutschland, dem weltweit führenden Anbieter zum Management kritischer IT-Infrastruktur. Den gelernten Journalisten hat seine Leidenschaft für das Schreiben, Beobachten, Kommentieren und den gepflegten Diskurs nie verlassen. Diese Passion lebt er u.a. in seinem privaten Blog StefanPfeiffer.Blog oder auch als Moderator von Liveformaten wie #9vor9 - Die Digitalthemen der Woche und Podcasts aus. Digitalisierung in Deutschland, die digitale Transformation in der Gesellschaft, in Unternehmen und Verwaltung oder die Zusammenarbeit am modernen Arbeitsplatz sind Themen, die in leidenschaftlich bewegen. Vor Kyndryl hat Pfeiffer in der IBM im Marketing in unterschiedlichen internationalen Rollen gearbeitet. Seine weiteren beruflichen Stationen waren FileNet und die MIS AG. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“. 

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