Ich bin und bleibe wohl ein Fußball-Nostalgiker

Heute ist Champions League-Finale. Und gestern hat Michael Ashelm in der FAZ einen Kommentar über Fußball-Nostalgiker geschrieben. Und ja, ich bin wohl ein solcher Fußball-Nostalgiker. Ich mag es nicht, dass die Bayern seit Jahren in Serie Meister werden. Ich habe nicht besonders viel Sympathie für Rote Bullen und Herrn Windhorsts Millionen. Ich bin seitdem ich denken kann Fohlen-Fan, geprägt von den siebziger Jahren, in denen meine Borussia den reichen Bayern finanziell hinterher hechelte, aber sportlich Paroli bieten konnte. Die einen hatten das Olympiastadion, die anderen den Bökelberg. Die einen hatten Netzer, die anderen Beckenbauer.

Doch ich verurteile ausdrücklich die Hasskommentare gegen Dietmar Hopp (den ich auch im Vergleich zu anderen Investoren etwas anders einschätze). Generell sind solche Hasskommentare nicht angebracht. Ach ja, ich bin kein Mitglied einer Fanvereinigung. Nur ein simpler Mönchengladbach-Fan, der mit der Entwicklung der Borussia in den vergangenen Jahre sehr zufrieden ist.

Doch was hat Ashelm unter anderem geschrieben?

Das Feld darf nicht denen überlassen werden, die sich als Bewahrer einer Fußballkultur geben, in Wahrheit aber nur ihre egoistischen Ziele verfolgen – ob auf den Tribünen oder in der Vereinsgeschäftsstelle. … Damit die Bundesliga stark genug aus der Krise kommt, muss sie aufgeschlossen sein, offen auf die Kraft des Marktes setzen, an Wachstum glauben und neue Lust auf Wettbewerb mit der starken Konkurrenz in Europa entfalten. Wer sich vom internationalen Geschäft abkoppelt und auf irgendeinen deutschen Weg setzen will, hat verloren. Gartenzwerg-Mentalität führt ins Abseits. England, Mutterland des Investorenfußballs, hat über die vergangenen zehn Spielzeiten der Premier League fünf verschiedene Meister gesehen – in dieser Saison erstmals seit langem den FC Liverpool. Dessen Besitzer kommt aus Amerika. In der Bundesliga, Hort der Vereinsmeierei, gewannen in derselben Zeit achtmal die Bayern und zweimal Dortmund.

Kommentar: Abpfiff für verbrämte Fußball-Nostalgiker

Ein Plädoyer für die Kraft des Marktes und damit auch für ausländische Investoren wie in anderen europäischen Ligen. Ein Plädoyer damit auch für die Transfersummen, die in England, Spanien, Italien oder auch bei PSG ausgegeben werden. Big Business. Doch so wunderbar und heil, wie Ashelm es suggeriert, ist die Fußballwelt in besagten Ländern sicher nicht. Auch dort gibt es riesige Unterschiede und Probleme. Das lässt er leider unerwähnt.

Vielleicht ist der Weg unausweichlich. Trotzdem. Ich bleibe Fußball-Nostalgiker und schätze mein kleines gallisches Dorf, wohl wissentlich, dass die Meisterschale oder gar ein internationaler Titel für die Fohlen in ganz weiter Ferne liegt.

Nachtrag am/vom 24. August, 8:35: Noch schnell am Morgen nach dem Münchener Sieg ein Auszug aus dem Kommentar von Jörg Wolfrum auf Kicker.de nachgeschoben:

Der Fußball ist seit Jahrzehnten ein Business, hat (weite) Teile seiner Romantik längst verloren. Immer mehr Vereine werden abgehängt. Wo liegt der moralische Unterschied zwischen 222 Millionen Euro Ablöse für einen Neymar oder 50 Millionen Euro Jahressalär netto für Lionel Messi? Es geht um die Herkunft des Geldes, das aus ethischen Gründen abgelehnt werden sollte. Und es geht, natürlich, um die Verwendung. …

Und die Schere geht immer weiter auseinander.

Es geht um die Herkunft des Geldes, denn ein Geschäft ist der Fußball längst – kicker

(Stefan Pfeiffer)

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