
Die, die mich näher kennen, wissen, dass ich ein eher positiver, lebensfroher Typ bin, der gerne mit Freundinnen und Freunden zusammen ist und das Leben genießt. Gerade sind es nicht nur gefühlt privat und in der Gesellschaft eher schwere Zeiten, melancholisch stimmen.
Besondere Sorgen macht mir, dass wohl viele junge Menschen den braunen Neppern, Schleppern und Bauernfängern ins Netz gehen. Das hatten wir in Deutschland schon einmal und es hat in der Katastrophe für Deutschland und Europa geendet. Viele derjenigen, die an die Nazis wählten und an sie glaubten, haben das mit ihrem eigenen Leben bezahlt. Das ist wahrscheinlich vielen der heutigen jungen Leute nicht gegenwärtig.
Warum nur wählen sie AfD?
Zu viele von Ihnen wählen die AfD, eine gesichert rechtsextreme, antidemokratische Partei, in der viele Nazis aktiv sind. Auch weil die Stimmung unter den jungen Leuten schlecht ist:
Die Mehrheit der jungen Menschen hat das Vertrauen in ihre künftige finanzielle Stabilität verloren. Nur noch 49 Prozent der 16- bis 25-Jährigen glauben, dass sie einen gleichwertigen oder besseren Lebensstandard als ihre Eltern erreichen können – der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung. Immer mehr Jugendliche sich auf der Suche nach einfachen Antworten Extremisten zuwenden:
Jugendliche in Deutschland: Schufa-Studie belegt alarmierenden Pessimismus – Florian Harms – T-Online
Beängstigend, aber verständlich. Ukraine-Krieg, Nahost-Konflikt, Migration, katastrophale Unwetter, Klimawandel, bröckelnde Infrastrukturen, unsichere Rente, Corona, die Liste der Bedrohungen und Unsicherheiten ist lang. Die Zukunftsaussichten sind angesichts vieler Krisen nicht gerade rosig. Zumindest gefühlt nicht. Im Artikel von Florian Harms steht auch das:
Die Grünen sind weg vom Fenster, heute lockt die AfD.
Jugendliche in Deutschland: Schufa-Studie belegt alarmierenden Pessimismus – Florian Harms – T-Online
Klimawandel ist out, Ablehnung gegenüber Migranten ist in. Was früher die Juden waren, sind heute … Sorry, ich bin … Und ja, es gibt Probleme mit Migranten, aber mit Hass und Hau-Ruck-Aktionen wird man den Herausforderungen nicht gerecht. Fast möchte man schreiben natürlich springen besonders junge Männer, Männer insgesamt auf die AfD-Sprüche und Protzereien eines Herrn Krah und ähnlicher Typen ab. Die Frauen sind da Gottseidank etwas differenzierter.
Die Grünen und die FDP sind bei vielen Jungen out
Und sorry: Die Grünen haben auch einfach vieles verbockt, weil sie viele Leute nicht abgeholt haben. Kommunikation außerhalb der eigenen Blase ist nicht ihre Stärke. Dazu kommt ein gutes Stück Verbohrtheit und zu viel „Sendungsbewusstsein“ sowie Beratungsresistenz. Mit Schützenhilfe der Springer-Presse, von Söder und Konsorten, mutieren die Grünen derzeit zu einem Feindbild. Sehr schade, aber die Übersetzung vernünftiger Ideen an viele, viele gerade junge Leute gelingt derzeit nicht mehr. Werden sie nochmals die Kurve kriegen?
Die Aufgabe: Die Jungen für die Demokratie zurück gewinnen
Ach ja, da gab es ja auch mal die FDP, die bei jungen Leuten vor nicht allzu langer Zeit durchaus beliebt war. Bei den ostdeutschen Landtagswahlen landete sie jeweils bei etwa einem Prozent. Leider sehe ich generell keine Konzepte und Strategien der etablierten Parteien, die Jugend zurückzuholen. Dabei müssten sie den Schuss, den Kanonenschlag doch gehört haben. August Modersohn versucht in der Zeit (€) Mut zu machen: „Wer einmal AfD wählt, tut das nicht für immer“, heißt der Titel des Beitrags, der mit „Noch ist die Jugend nicht von gestern“ schließt. Hoffentlich.
Nachtrag vom 1. Oktober: Scheinbar fast zeitgleich hat Carla Siepmann auf Netzpolitik.org eine kluge Kolumne unter dem Titel TikTok ist schuld, oder? Warum ist die AfD gerade bei jungen Wähler:innen so erfolgreich? geschrieben. Sehr lesenswert. Sie legt dar, dass nicht die sozialen Medien, nicht TikTok schuld sind, sondern die Politikerinnen und Politiker, die zwar die Stimmen der Jungen haben wollen, aber sich gefühlt und oft real nicht um deren Belange kümmern.
Es musste ein positives Titelbild her und ich habe mit Hilfe von perplexity.ai und ideogram.ai herum experimentiert. Die Aufgabe bleibt: Wie überzeugen wir die Jungen, die für AfD oder BSW gestimmt haben, von der Demokratie? Wie bekommen wir es hin, dass sie wieder positiver in die Zukunft blicken und anpacken? Das ist die eigentliche Aufgabe für die Politikerinnen und Politiker jenseits von billigem Populismus, Selbstdarstellung und Egoismen. Der Prompt lautete: A photo of hands of various skin tones coming together in the middle to form a circle. Over the hands, a speech bubble with the words „Zusammenhalt – Zukunft – Demokratie“ (Unity – Future – Democracy in German) floats in bright colors.


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