Ich bin nicht so oft bei Blogparaden dabei, aber das Thema „Brief, E-Mail, Chat – Wie kommunizierst du schriftlich?“ finde ich durchaus interessant, halt #relevant. Vor allem ist mir einmal wieder klar geworden, dass ich mittlerweile so gut wie nie per Hand schreibe. Ich hatte schon immer eine Sauklaue, aber das hat sich wohl noch dadurch gesteigert, dass ich maximal Geburtstagskarten oder Hochzeits- und andere Karten unterschreibe.
Da sticht meine älteste Freundin Sabine positiv heraus, die zu verschiedenen Anlässen immer uns handschriftlich Karten schreibt. Irgendwie schön, aber auch, weil wir ihre Schrift lesen können. Bei mir wäre es eher peinlich, wenn jemand anrufen und fragen müsste, was ich denn da geschrieben habe.
Auch deshalb gehöre ich seit vielen, vielen Jahren zur Gattung der Tastaturmenschen. Und ich tippe viel, beruflich, aber auch privat (nicht nur als Blogger).
Teams und Outlook im Beruf
Mein derzeitiger Job ist … Kommunikation. Ich bin für die interne Kommunikation meines Unternehmens in Deutschland verantwortlich. Das führt natürlich dazu, dass ich beruflich viel kommuniziere, etwas mehr mehr per Messenger, etwas weniger per Mail, gar nicht handschriftlich. Die Nachrichten per Microsoft Teams sind in der Regel spontaner, kürzer, aber auch hier gibt es Ausnahmen, beispielsweise wenn ich unserem Team im offiziellen deutschen Kanal Themen „verkünde“.
Wenn es so intern wichtige Themen oder Terminerinnerungen gibt, dann werden diese per Outlook an alle verschickt, da die Kolleginnen und Kollegen E-Mail wohl wohl eher lesen und diese offizieller nehmen. Habe ich dafür Belege? Nein, es sind eher Indizien und unser „Feeling“ im Comms-Team, das dem so ist. Kommunikation mit Externen erfolgt in aller Regel per E-Mail.
E-Mail: Noch immer der größte gemeinsame Nenner
E-Mail ist generell der größte gemeinsame Nenner, beruflich und privat. Über E-Mail erreiche ich heutzutage alle, intern und extern. Demgegenüber können Messenger derzeit ohne spezielle Software nicht untereinander kommunizieren. Microsoft Team und Slack verstehen sich ebensowenig wie WhatsApp und Signal.
Mit einem gewissen Schmunzeln muss ich an die Zeit zurück denken, wo auch ich im IBM Blue Blog oder auch hier über ein Leben außerhalb des E-Mail-Posteingangs geschrieben habe, angelehnt an meinen damaligen geschätzten Kollegen Luis Suarez. Hier ein Artikel von 2013, einer von vielen zu diesem Thema in meinem Blog. Wir haben davon geträumt, dass man gerade im Beruf Informationen freiwillig teilt, statt sie per E-Mail zu versenden. Ein Traum, der sich noch immer nicht verwirklicht hat. Stattdessen ist zur Zahl der E-Mails eine noch größere Flut an Nachrichten in Microsoft Teams, aber auch privat in Messengern dazu gekommen.
E-Mails in die USA: Der Ton macht die Musik
Noch eine Anmerkung zur beruflichen Kommunikation: Erwähnenswert ist sicher, dass die Art, Nachrichten zu formulieren, durchaus je nach Nationalität der Adressaten unterschiedlich ist. Die US-amerikanischen Kolleginnen und Kollegen erwarten eine etwas höflichere, manche sagen „kultiviertere“ Konversation, zu der freundliche Floskeln gehören. Die direkte deutsche Art, die auch mir zu eigen ist, kommt dort oft als unhöflich an.
Und natürlich darf auch in diesem Artikel das Thema Künstliche Intelligenz nicht fehlen. Diese hilft dann in Form von Microsoft CoPilot gelegentlich dabei, eine Mail politisch und kulturell korrekt zu formulieren. Und ja, ich habe – wie Milena Merten im Handelsblatt schreibt – durchaus den Eindruck, dass durch CoPilot und entsprechende Tools kommunikativer KI-Einheitsbrei generiert wird. Ein schönes Thema wären auch die seit Corona gängigen Video-Calls, die die früheren Telefonkonferenzen abgelöst haben. Aber das ist nicht Thema dieser Blogparade.
Privat: Weniger E-Mails, mehr Kurznachrichten
Doch nun zum Privaten. Offizielle Kommunikation mit Behörden oder „Lieferanten“ und Dienstleistern erfolgt natürlich per E-Mail. Das letzte Fax habe ich vor zwei oder drei Jahren geschickt. Für fast alle anderen, vor allem private Zwecke kommen unterdessen Messenger zum Einsatz. In meinem engeren Bekanntenkreis konnte ich viele überzeugen, mit mir über Signal zu chatten, ein Tool, das von viel Experten als datenschutzfreundliche Lösung empfohlen wird.
Jedoch stoße ich mit Signal an Grenzen, selbst bei Freunden, die in der IT tätig sind oder sich damit auskennen und die trotzdem WhatsApp nutzen wollen. Gut, im engeren Freundeskreis ist es nur ein Paar, das einfach nicht von WhatsApp weg geht. Doch im weiteren Umfeld, zum Beispiel in meinem Tennisverein, komme ich leider nicht um WhatsApp herum.
Da laufen dann auch die Gruppenchats, die mir schon mal auf die Nerven gehen, weil fortwährend oft auch sinnbefreite Nachrichten oder einfach zu viele Leute in einer Gruppe sind. Der Bitkom – wer sonst – hat dazu eine Umfrage gemacht, nach der Deutschen Mitglied in fünf Gruppenchats, aber davon nur drei lesen. Gruppenchats sind aber demnach für viele ein praktisches Werkzeug, um Termine abzustimmen, Informationen auszutauschen oder einfach in Kontakt zu bleiben.
WhatsApp: Man hat ja nichts zu verbergen
Zurück zu Signal oder WhatsApp: Im Verein habe ich das Fass datenschutzfreundliches Signal versus WhatsApp aus dem Hause der Datenkrake Meta gar nicht erst aufgemacht, auch weil oft das grundlegende Bewusstsein fehlt, welche Macht der Meta-Konzern mit dem Konglomerat von WhatsApp, Instagram und Facebook hat und wie er unsere aller Daten monetarisiert. Aber man hat ja nichts zu verbergen. Von digitaler Souveränität muss ich da erst gar nicht anfangen und würde wohl bei der großen Mehrheit nur verständnislose Blicke ernten.
Wahrscheinlich müssen die Leute wohl selbst ganz persönlich schlechte Erfahrungen machen, bevor hier ein Umdenken stattfindet. So schreibe ich halt weiter im hier Blog und auf sozialen Kanälen, dass es doch besser wäre, Signal oder eine entsprechende Alternative, einen deutschen E-Mail-Provider statt Google oder Microsoft zu nutzen. Steter Tropfen … Wirklich überzeugen kann ich aber meist nur im direkten Gespräch im kleinen Kreis. Immerhin. Leider.


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