Die minimalistische Illustration zeigt einen nahezu leeren, weiß-grauen Himmel, durch den drei leicht unregelmäßige weiße Kondensstreifen mit dunkler Kontur auf einen gemeinsamen Punkt zulaufen. An diesem abrupten Schnitt markiert ein kleiner roter Punkt die einzige farbliche Akzentuierung, ein weiterer Kondensstreifen läuft konträr, während „9/11“ oben links und das dezente SPF-Logo unten rechts die Komposition typografisch rahmen. Die reduzierte, ruhige Bildsprache verzichtet bewusst auf Flugzeuge, Gebäude und weitere Details und erzeugt so eine zurückhaltende, symbolische Erinnerung an den 11. September.

9/11 – 25 Jahre danach

Heute vor 25 Jahren, am 9. September 2001, war ich zum Marketingtreffen in Costa Mesa. Daran musste ich diese Woche wieder denken, als ich den Podcast „Ok, America“ der Zeit hörte, der in fünf Folgen das Geschehen unter dem Titel „Hat 9/11 Donald Trump erst ermöglicht?“ aufarbeitet. Mir lief es während der ersten Folge eiskalt über den Rücken, in der Rieke Havertz und Klaus Brinkbäumer das Geschehen schildern. Die Bilder kommen wieder vor mein inneres Auge und ich will und kann sie hier nicht noch einmal schildern. Zum Thema gibt es bessere Quellen und Bilder.

Am Tag vor 9/11 war ich mit der Lufthansa von Frankfurt aus nach Los Angeles LAX geflogen. Dort hatte ich wie immer einen Mietwagen genommen und ab ging es die rund 40 Meilen nach Süden. Es dauerte abhängig vom Verkehr eine knappe Stunde auf den kalifornischen Highways, bis man Orange County erreicht hatte. Zusammen mit meinen italienischen Kolleginnen wohnte ich – glaube ich – im Hilton Orange County, rund 3,5 Meilen weg vom Hauptquartier meines damaligen Arbeitgebers FileNet auf dem 3565 Harbor Boulevard.

Es war sehr früh am Morgen in Kalifornien, als mein Telefon klingelte. Meine Mutter rief an. Mach mal den Fernseher an. Und ich sah es: Flugzeuge flogen in das World Trade Center. Ich glaube, niemand wird diese Bilder jemals vergessen. Wir waren alle geschockt, paralysiert. Der ganze Tag war ein entsetzlicher Alptraum. Ich verbrachte die kommenden Tage meist mit Graziella und ihrem Team, auch mit Ulrich. Das geplante Marketingtreffen fiel ins Wasser.

Vor Ort herrschte eine seltsame Stimmung – was nicht verwunderlich war. Im Gedächtnis geblieben ist mir, wie schnell überall noch mehr US-amerikanische Fahnen gehisst wurden. Und gefühlt wehten an jedem Auto Stars and Stripes. Wir verbrachten die Tage wie in Trance.

Die Tage waren geprägt durch Sorge um Kolleginnen und Kollegen. Unser CMO Martyn Christian war in Washington und wollte von dort nach LAX fliegen. Lange Zeit wussten wir nicht, wie es ihm ging. American Airlines Flight 77 (AA77) von Washington nach LAX war die Maschine, die am 11. September 2001 um 9:37 Uhr Ortszeit in das Pentagon einschlug. Gott sei Dank wurde bald klar, dass er nicht in dem Flieger war. Er ist dann quer durch die USA mit dem Auto nach Costa Mesa gefahren.

Meine Kollegen Ludger und Benedict flogen einen Tag nach mir los und waren am 11. September in der Luft. Sie wurden von der Flugüberwachung über Kanada heruntergeholt und landeten in der kanadischen Wildnis. Der gesamte Flugverkehr wurde gesperrt. Die beiden verbrachten einige Tage in Skiorten, mussten sich Zahnbürsten und andere Utensilien von den freundlichen Kanadiern leihen. Ich erinnere mich noch an die Unsicherheit und die Sorge um die beiden.

Die USA habe ich nach etwa einer Woche mit der wohl ersten Lufthansa-Maschine verlassen, die wieder von Los Angeles losfliegen durfte. Es war meine regulär geplante Maschine. Ich sollte wegen der verschärften Sicherheitskontrollen vier bis fünf Stunden vorher am Flughafen sein. Auf dem Weg zum Flugzeug wurde ich nur zweimal sehr lasch kontrolliert. Ein ungutes Gefühl. Selbstverständlich waren arabisch aussehende Mitpassagiere an Bord, die man plötzlich mit ganz anderen Augen ansah. Ein ungutes, aber unberechtigtes schlechtes Gefühl schlich sich ein. Ich landete normal in Frankfurt und war froh, bei meiner Frau und Familie zu sein.

Mit 9/11 endete die Zeit des unbeschwerten Reisens in die USA. Vor 9/11 hatte ich eine Karte, mit der ich als Mitarbeiter eines US-Unternehmens, der regelmäßig in die USA fliegt, die lästigen Einreisekontrollen umgehen und durch eine Schleuse nahezu direkt den Flughafen verlassen konnte. Das war schnell Geschichte.

Das ist meine persönliche Erinnerung an 9/11 und an die schönen Zeiten, die ich mit Kolleginnen und Kollegen in Costa Mesa, aber auch vielen anderen Orten in den USA verbringen durfte. Ich war auch danach noch oft in den Staaten, aber es war gefühlt nicht mehr dasselbe. Seit Trump bin ich nicht mehr dort gewesen und will auch nicht mehr hin, solange er an der Macht ist.

Wer sich an 9/11 erinnern oder sich informieren will, dem seien die Dokumentation des ZDF und der Tagesanbruch von Florian Harms empfohlen, in dem er 9/11 und die verheerenden Folgen bis zum Irak-Krieg, ja bis heute behandelt. 9/11 war eine Zeitenwende, die uns in gewissem Sinne auch Trump eingebrockt hat.

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