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Theodor im Fußball-Tor – Von Haargel und Herrschern des Strafraums (Mein Kommentar zum FAZ-Artikel)

Heute lohnt sich die FAZ für mich mal wieder. Nach dem Kruse-Verriss motiviert mich der Artikel von Michael Horeni (noch nicht online) zu einer weiteren Stellungnahme. Diesmal geht es um Fußball und meine Lieblingsposition: den Torhüter. Logisch, habe ja selber über 20 Jahre im Tor gestanden (mehr schlecht als recht). Die FAZ stellt heraus, um wieviel umfassender heute ein Tormann agieren muß: vom Strafraum-Gefangenen zum Spielbeschleuniger. Na ja, ich habe da eine partiell andere Sicht. Ich vermisse erst einmal den Strafraumbeherrscher, den Torhüter, der im 16 Meter-Raum insbesondere die Flanken abfängt. Den gibt es aus meiner Sicht schon lange nicht mehr. Sind denn wirklich heute die Bälle so anders? Hüstel, also sorry, da hab ich so meine Zweifel alles auf die Flatterkugeln zu schieben.

 

Jens Lehmann war vielleicht noch derjenige, der am ehesten an dieses Ideal  des Strafraum beherrschenden Torwarts herankam. Dann aber lange keiner, der mir einfällt.  Da muß ich dann ganz weit zurückgehen, zu Sepp Maier und zu Toni Schumacher. Das waren für mich 2 Weltklasse-Torhüter, nicht nur wegen der Refexe, sondern vor allem wegen der Strafraumbeherrschung – und zwar der 16 Meter, nicht nur der 5 Meter. Heute scheitern die meisten Goalis doch schon daran, die Bälle im besagten 5-Meter-Raum runter zu pflücken, Schaut Euch doch nur die Szenen der letzten Bundesliga-Spieltage an. Gerade die berühmte Ehrmann-Schule fällt mir da auf. Auf der Linie hui, halbhohe Bälle showman-haftig für die Kulisse abwehrend und im Strafraum nur pfui. Dazu massenhaft Gel im Haar, sonnebank-gebräunt, Fitnessstudio-gestählt und papagei-farbigste Torwart-Shirts tragend. Sorry, mich schaudert. Gerry Ehrmann, der ja nun wirkliche einige Bundesliga-Torleute rausgebracht hat, mag mir verzeihen, aber das sind einfach nicht meine Torwart-Tpyen und -Charaktere.

 

Und nun wird so darauf abgehoben, daß Torhüter gute Fußballer sein müssen und das Spiel eröffnen. Kann sein, daß ich senil bin, aber wiederum kommen mir Bilder von Toni Schumacher in den Sinn, der mit weiten Abwürfen schnelle Angriffe einzuleiten versuchte. Also ist das wirklich so neu? Ich glaube nicht, aber ein mitdenkender und mitspielender Torhüter ist sicherlich ein Riesengewinn. Gut, Torhüter müssen heute vielleicht schneller und häufiger raus, weil es den klassischen Libero alter Prägung, der hinter der Abwehr spielte, nicht mehr gibt. Sie müssen also noch mehr mitspielen, doch bei Mannschaften, die auf abseits spielen, mußten sie das auch schon länger. Was macht also den Weltklasse-Torhüter aus? Gute Reflexe, Strafraumbeherrschung, schnelle Spieleröffnung und die Aura. Und letztere ist nicht unwichtig. Ich erinnere mich an meinen Vorgänger in den unteren Regionen des hessischen Fußballs. Der war bekannt und gefürchtet von den anderen Mannschaften. An den traute sich kein Gegner ran. Ein Oliver Kahn der damaligen Zeit in der A-Klasse. Solchen Respekt muß man sich verdienen (und er sollte sicher nicht in Attentate à la Schumacher gegen Battiston enden). Diese Ausstrahlung ist aber auch extrem wichtig und macht vielleicht den entscheidenden Unterschied aus.

 

Wer ist also meine Nummer 1 für die WM in Südafrika: Ich würde Manuel Neuer eine Chance geben, gerade auch wegen seiner Leistungen bei den U21 im vergangenen Jahr. Da hat er aus meiner Sicht hervorragend gespielt. Das überragend verkneife ich mir noch. Butt macht mir zu oft unerklärliche, vor allem leichtsinnige Schnitzer und zu Wiese (Zitat FAZ: Tim Wiese ist der letzte Nachfahre der Kahn-Linie) habe ich ja indirekt schon was gesagt. Und daneben halte ich es mit Theo Lingen (leider in dem YouTube-Video nur tonmässig):

Filed under: Buntes & Vermischtes

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... arbeitet in Communications bei Kyndrl Deutschland, dem weltweit führenden Anbieter zum Management kritischer IT-Infrastruktur. Den gelernten Journalisten hat seine Leidenschaft für das Schreiben, Beobachten, Kommentieren und den gepflegten Diskurs nie verlassen. Diese Passion lebt er u.a. in seinem privaten Blog StefanPfeiffer.Blog oder auch als Moderator von Liveformaten wie #9vor9 - Die Digitalthemen der Woche und Podcasts aus. Digitalisierung in Deutschland, die digitale Transformation in der Gesellschaft, in Unternehmen und Verwaltung oder die Zusammenarbeit am modernen Arbeitsplatz sind Themen, die in leidenschaftlich bewegen. Vor Kyndryl hat Pfeiffer in der IBM im Marketing in unterschiedlichen internationalen Rollen gearbeitet. Seine weiteren beruflichen Stationen waren FileNet und die MIS AG. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“. 

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