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Löschung bei Abwesenheit: Daimler stoppt die E-Mail-Flut – Handelsblatt

Der Autobauer Daimler will seinen Mitarbeiter zu einer erholsameren Freizeit verhelfen. Beschäftigte können bald während ihres Urlaubs die Löschung ihrer dienstlichen E-Mails veranlassen – das gilt auch für Manager.

Stuttgart – Keine Dienst-E-Mails mehr im Urlaub: Mitarbeiter des Autobauers Daimler können E-Mails während ihrer Abwesenheit bald automatisch löschen lassen. Der Betriebsrat habe die Regelung zusammen mit der Unternehmensleitung verabschiedet, teilte Daimler am Freitag in Stuttgart mit. Start soll Anfang 2013 sein.

via Löschung bei Abwesenheit: Daimler stoppt die E-Mail-Flut – Industrie – Unternehmen – Handelsblatt.

Da stellt sich mir die Frage, ob man hier wirklich an der Wurzel des Übels ansetzt oder nur rumdoktort. Mir erschliesst sich zumindest nicht, was es bringen soll, die während des Urlaubs eingegangen E-Mails zu löschen.

Erstmal: Im Urlaub sollte man keine beruflichen E-Mails lesen und ich glaube auch nicht, dass der Daimler das derzeit verlangt.

Zweitens: Zwar nervt es, wenn man nach dem Urlaub viele E-Mails abarbeiten muss, jedoch habe ich oft das Gefühl, dass man durch das Lesen der Mails wieder auf den Stand der Dinge kommt. Es kostet zwar Zeit, aber ist vielleicht diese Investition wert.

Und schließlich: Ob hier der Betriebsrat wirklich seiner Aufgabe zur Verteidigung der Rechte der Arbeitnehmer gerecht wird, wage ich zu bezweifeln. Statt solche Verbote durchzusetzen, sollten sie konstruktiv daran arbeiten, die Arbeitswelt sozialer zu gestalten. Und unter sozialer verstehe ich bestimmt andere Dinge als der klassische Betriebsrat. Ja, für mich gehört dazu, die neue soziale Mentalität des Teilens, die gerade die junge Generation in die Unternehmen treibt, positiv (und nicht typisch betriebsratlerisch ablehnend) aufzunehmen und im Sinne der Arbeitnehmer zu gestalten, nicht zu verbieten. Shareconomy kann vielleicht Spass machen und muss nicht böse neue Welt sein. Aber es werden wohl lieber die „Klassenkämpfe“ von gestern gefochten. Schade.

Schade auch, dass das Handelsblatt nicht widerstehen kann, marktschreierisch zu postulieren: „Daimler stoppt die E-Mail-Flut„. Schon diese Überschrift ist Quatsch. Durch diese Massnahme wird man auch beim Daimler keine E-Mail-Flut stoppen. Und die Bildunterschrift ist auch nicht besser: „Mit dem Notebook am Strand: Daimler-Mitarbeiter müssen künftig im Urlaub keine Dienst-Emails mehr lesen. Quelle: dpa“. Klar, alle Arbeitnehmer sitzen im Urlaub nur am Strand und bearbeiten ihre Mails. Man soll die Problematik nicht negieren, dass Mitarbeiter in ihrer Freizeit oder im Urlaub E-Mails lesen, aber man sollte bitte die E-Mail auch im Posteingang lassen.

Ob der klassische Betriebsart sich mal Luis Suarez und seine Art angesehen hat, die E-Mail-Flut zu reduzieren? Oder das Handelsblatt?

Ich bin nicht ganz bei Luis, aber es ist ein konstruktiver Ansatz, das Thema E-Mail-Flut anzugehen. Und ja, man muss dann trotzdem (oder gerade) das Thema Always On angehen und eine Balance für die Arbeitnehmer finden, wann und wie lange sie online sind.

Filed under: Digitaler Arbeitsplatz, Kommunikation & Zusammenarbeit

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... arbeitet in Communications bei Kyndrl Deutschland, dem weltweit führenden Anbieter zum Management kritischer IT-Infrastruktur. Den gelernten Journalisten hat seine Leidenschaft für das Schreiben, Beobachten, Kommentieren und den gepflegten Diskurs nie verlassen. Diese Passion lebt er u.a. in seinem privaten Blog StefanPfeiffer.Blog oder auch als Moderator von Liveformaten wie #9vor9 - Die Digitalthemen der Woche und Podcasts aus. Digitalisierung in Deutschland, die digitale Transformation in der Gesellschaft, in Unternehmen und Verwaltung oder die Zusammenarbeit am modernen Arbeitsplatz sind Themen, die in leidenschaftlich bewegen. Vor Kyndryl hat Pfeiffer in der IBM im Marketing in unterschiedlichen internationalen Rollen gearbeitet. Seine weiteren beruflichen Stationen waren FileNet und die MIS AG. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“. 

4 Comments

  1. xandl11

    Klingt für mich völlig unsinnig. Wer sich sowas einfallen lässt, denkt sicher nicht in Zusammenhängen.

  2. Die Gegenmaßnahmen wirken eher hilflos und überholt. Luis Suarez aber auch andere Unternehmen sind da schon einen großen Schritt weiter.

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