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Geiz ist geil oder Genuss pur – Von billigem Wein und teuren Wein …

Bin die Tage über dieses Interview des Hawesko-Vorstandsvorsitzenden Alexander Margaritoff in der Welt gestossen. Demzufolge kauft der Durchschnittsdeutsche Wein für € 2,63. Hmm, das kann nix dolles sein, oder?

Welt am Sonntag: Welchen Wein trinken die Deutschen?

Margaritoff: Den billigsten. Die Deutschen sind beim Weinkauf noch immer Schnäppchenjäger. Italiener und Franzosen gehen in den Laden und verlangen das Beste, die Deutschen fragen nach dem günstigsten Wein. Die Hälfte kauft ihren Wein zudem direkt beim Discounter. Deshalb liegt der Durchschnittspreis für eine Flasche hierzulande auch nur bei 2,63 Euro.

Welt am Sonntag: Ist dieser Drei-Euro-Wein schlechter als Ihre Ware?

Margaritoff: Für Qualität muss man bezahlen. Ein Wein für 2,63 Euro muss nicht schlecht sein, der Unterschied zu einer Flasche für zehn Euro ist aber selbst für Laien spürbar. Je höher es dann geht, desto kleiner werden die Sprünge aber.

via Hawesko : „Die Deutschen trinken den billigsten Wein“ – Nachrichten Geld – DIE WELT.

Ich gebe zu, ich bin etwas gespalten. Die Tage habe ich bei Mario Scheuermann Bernhard Huber gewinnt Spätburgunderpreis 2012 gelesen und natürlich mal nachgeschaut, was denn der Wein so kostet. Bei Belvini fangen sie bei € 19,90 an und geht dann über € 28,90 weiter nach oben, deutlich nach oben. Die deutschen Grossen Gewächs-Rieslinge beginnen meist über den € 30.

Die zitierten Franzosen und Italiener lächeln da müde. Für einen guten Barolo oder Brunello legen sie ohne mit der Wimper zu zucken dies und mehr hin. Von den Preisen vieler Bordeaux oder andere Franzosen will ich gar nicht anfangen. Michael Liebert machte die Tage auf ein Schnäppchen beim Hawesko Weinlet aufmerksam: ein Bordeaux für schlappe € 289 statt der normalen über € 300.

Tja, vor solchen Preisen schrecke ich doch zurück und bevorzuge den gesunden Mittelweg. Ein guter Rotwein darf für mich bis zu € 20 kosten (mit dezenten Ausrutschern nach oben), ein Weisswein sollte bis zu € 15 liegen. Meine (wenn auch beschränkte) Erfahrung sagt mir, dass auch in diesem Segment sehr leckere Weine zu bekommen sind. Und das Wort lecker habe ich hier bewusst benutzt 😉 Leider tendiert man zu Ausrutschern nach oben, je mehr man sich mit dem Thema auseinandersetzt.

Wie sehr Ihr das? Müssen wir à la Italiener oder Franzose mehr Geld in guten Wein (und gutes Essen) investieren oder geht der Mittelweg? Bin auf Eure Meinung gespannt.

P.S. Lesenswert zum Thema Preis und Wein der Beitrag von Dirk Würtz. Er verteidigt durchaus auch teure Preise und spricht von der Wertschätzung derjenigen, die dieses Geld ausgeben. Na ja, man muss es sich leisten können. Und ob es immer Wertschätzung oder auch manchmal Protzerei ist …???

P.P.S. Eine andere Frage ist, ob man (bzw. der eher unbedarfte Weintrinker wie ich) den Unterschied zwischen einem gutem, nicht billigen Wein und einem wirklich teuren Tropfen noch schmeckt. Ich erinnere mich an einige Weine, die ich dank meines damaigen Chefs mit verkosten durfte. Irgendwann habe ich den Qualitäts- beziehungsweise den Preisunterschied zwischen einem guten Roten und einem noch teureren Roten nicht mehr geschmeckt. Aber jeder muss das wohl für sich entscheiden.

Filed under: Essen & Trinken

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... arbeitet in Communications bei Kyndrl Deutschland, dem weltweit führenden Anbieter zum Management kritischer IT-Infrastruktur. Den gelernten Journalisten hat seine Leidenschaft für das Schreiben, Beobachten, Kommentieren und den gepflegten Diskurs nie verlassen. Diese Passion lebt er u.a. in seinem privaten Blog StefanPfeiffer.Blog oder auch als Moderator von Liveformaten wie #9vor9 - Die Digitalthemen der Woche und Podcasts aus. Digitalisierung in Deutschland, die digitale Transformation in der Gesellschaft, in Unternehmen und Verwaltung oder die Zusammenarbeit am modernen Arbeitsplatz sind Themen, die in leidenschaftlich bewegen. Vor Kyndryl hat Pfeiffer in der IBM im Marketing in unterschiedlichen internationalen Rollen gearbeitet. Seine weiteren beruflichen Stationen waren FileNet und die MIS AG. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“. 

4 Comments

  1. Mir geht es darum, ob mir der Wein schmeckt und zu welchem Anlass ich ihn trinken will. Gut gefahren bin ich bisher mit dem Verkostungsangebot von Delinat. Dort kaufe ich überwiegend meine Weine (meist Rotwein) und zahle dafür zwischen 10.- und 20.- Euro. Die Entscheidung für den Kauf hängt davon ab, ob ich den Preis für den Geschmack angemessen finde. Viel schlimmer ist, daß ich etliche Weine gelagert hatte, die ich längst hätte trinken sollen. 🙂 Manche Jahrgänge von Grand Crues sind nicht unbedingt lange lagerbar.

  2. Von 2,63 € hin zu 20 € ist ein gewaltiger Schritt! Wenn man nur 6-8 Euro, den Gegenwert von 2-3 Bier in der Kneipe für eine Flasche Wein, für einen schönen Abend zuhause, bereit ist auszugeben, gibt man dem Winzer die Möglichkeit handwerklich zu arbeiten. Für 10 – 12 Euro hat man oft schon tolle Überraschungen im Glas. Und diese Qualitätsunterschiede kann wirklich jeder schmecken.

  3. Passend zur Preiskdiskussion heute in der FAZ ein Bericht über die Winzergenossenschaft Mosel, dem größten Riesling-Erzeuger Deutschlands.

    Zitat:

    „Die Welt der Moselland-Kunden ist nicht die der den Gault-Millau schwenkenden Weinklimaschrank-Besitzer, sondern das ‚obere Mittelpreissegment‘ im breiten Markt. 90 Prozent der Weine im Einzelhandel werden laut Kirchhoff für weniger als 3 Euro verkauft …“

    Der liebe Vorstandsvorsitzende der Moselgesellschaft Moselland, Werner Kirchhoff, macht da ein schönes Fass auf. Zwischen den Weinsnobs und dem 3-Euro-Segment gibt es nach ihm nicht viel. Na ja, ich sehe das irgendwie anders. Zwischen industrialisierter Massenproduktion nach Einheitsgeschmack und Weinsnobs, Pardon, Weinkennern gibt es nach meiner Meinung nach durchaus eine „Mittelschicht“, die indnviduelleren Wein zu einem angemessenen Preis – siehe oben – trinkt und trinken will.

    P.S. Link liefere ich nach, sobald und falls der Artikel online ist.

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