Fehlende Kritikfähigkeit „der“ Journaille: Zu viel des Lobes über geplante neue Facebook-Newsfeed


Man kann eigentlich nur erstaunt sein, wie positiv die geplanten Änderungen im Facebook-Newsfeed seien. Zuckerberg gebe den Anwendern mehr soziales Netzwerk und weniger Werbung und Meinung.

Facebook hat Medien und Unternehmen zumindest teilweise von sich abhängig gemacht. 2018 könnte das Jahr sein, in dem sich alle Seiten wieder voneinander lösen und auf die eigenen Stärken besinnen. …

Wenn sich Nachrichtenseiten in Zukunft weniger an ihrer Performance in sozialen Netzwerken orientieren müssen, können sie nach neuen, innovativen Wegen suchen, die Leser mit gutem Journalismus zu erreichen. Wenn Werbetreibende merken, dass Clickbait nicht mehr ankommt, rücken im besten Fall die Produkte wieder in den Vordergrund. Und wenn Facebook sich von der Idee verabschiedet, der weltgrößte Meinungsmultiplikator sein zu wollen, kann es wieder das machen, was es schon immer am besten konnte: ein soziales Netzwerk sein. Es ist besser so.

via Facebook: Lass uns doch einfach wieder Freunde sein! | ZEIT ONLINE

Mir auch die Sichtweise des ZEIT-Reporters deutlich zu blauäugig. Wird Facebook wirklich seine sprudelnde Einnahmequelle so aufgeben oder nur disversifizieren:

Facebook trieb diese Entwicklung aktiv voran. Es köderte die Medien und Unternehmen mit dem Versprechen von mehr Reichweite und neuen Vermarktungsmöglichkeiten, von personalisierter Werbung und mehr Aufmerksamkeit – und die folgten den Rufen nur zu gerne. Likes, Shares und Follower wurden zur Währung einer neuen Aufmerksamkeitsökonomie, aus Inhalten wurde Content, und Geschäftsmodelle stiegen und fielen mit den Entscheidungen des Netzwerks. Medien und Unternehmen wurden zur Laborratten des Newsfeed-Algorithmus.

via Facebook: Lass uns doch einfach wieder Freunde sein! | ZEIT ONLINE

Und natürlich bleibt – weniger Werbung im Newsfeed hin oder her – auch die Macht über die persönlichen Daten der Anwender: 

„Es kann nicht sein, dass ein Privatunternehmen ein Monopol über unsere persönlichen Daten besitzt und sie einfach weiterverkaufen kann.“

Die gibt Herr Zuckerberg nicht so einfach auf. Mir wäre etwas mehr Kritikfähigkeit und Distanz gerade der sogenannten kritischen Journaille sehr angebracht. Ja, vielleicht wird die Newsfeed wieder „entwerbter“. Ja, aber Facebook ist trotzdem ein Monopolist unserer Daten. Und das bleibt anprangernswert.

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