Ticker zum Ende der Cebit: Besucherschwund, befürchtete Verluste, loyale Aussteller von Ende überrascht, Kommentare vieler „Experten“ und … von Peter Altmaier

Welch eine Überraschung: Laut einem Bericht der Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) wird die IT-Messe CEBIT schon 2019 eingestellt. Aus wirtschaftlichen Gründen sei keine andere Entscheidung möglich.

Der lange Niedergang der Cebit findet ein abruptes Ende: Die Deutsche Messe AG will die traditionsreiche IT-Veranstaltung einstellen. Schon die für Mitte Juni 2019 angekündigte Ausstellung werde nicht mehr stattfinden, heißt es in einer Hausmitteilung des Vorstandes vom Mittwoch, die der HAZ vorliegt: „Die Sicherung der wirtschaftlichen Stabilität unseres Unternehmens lässt leider keinen anderen Schritt zu.“ Das hat auch personelle Konsequenzen: Cebit-Chef Oliver Frese scheidet zum Jahresende aus.

über Die Cebit in Hannover wird eingestellt – Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ)

Noch vor einigen Wochen – am 2. November – hatte ich hier die Pläne von Messe-Chef Oliver Frese kommentiert. Da habe ich noch die Pläne für 2019 zitiert. Zwar scheinen die großen Aussteller Sympathie für das Konzept gezeigt haben, wollten wohl aber laut HAZ wegen des Rückgangs von Fachbesuchern „erheblich weniger investieren“.

Irgendwie schade. Das ist nun „meine zweite Leitmesse“ – nach der DMS EXPO – , die ihr Leben aushaucht. Offensichtlich erschien dem Vorstand der Hannover Messe der Spagat zwischen Business und Festival, zwischen Unterhaltung und Fachdiskussion zumindest kurzfristig wirtschaftlich nicht erfolgversprechend. Und das ist dann leider auch das Ende unseres neuen Live-Formats IBM Livestudio@CEBIT. Mal schauen, ob und wie wir die gewonnenen Erfahrungen weiter verwerten und treiben können.

Tja, wird es eine IT Messe in Deutschland geben? Oder haben sich klassische Messen komplett überlebt? Oder fährt der Zug Richtung Fachmesse statt breiter Publikumsveranstaltung?

Eure Kommentare und Meinung sind gefragt. Ich werde weitere Infos – sobald verfügbar – hier hinzufügen.


28.11.2018 – 13:55 – Teile wandern rüber zur erfolgreichen Industriemesse, so die Messe News. Vielleicht ist das dann der Ort für unser Livestudio?

Die industrienahen Digitalthemen der CEBIT werden in der HANNOVER MESSE weitergeführt, für die übrigen Themenfelder der CEBIT sollen inhaltlich spitze Fachveranstaltungen entwickelt werden, die sich gezielt an Entscheider ausgewählter Branchen richten, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Hannover mit.

über Messe sortiert Digitalthemen neu – Messe-News – Deutsche Messe

Hatten wir doch schon anders herum? Ist nicht die Cebit aus der Hannover Messe hervor gegangen?

CEBIT_-_Europas_führendes_Digital-Event.png


28.11.2018 – 21:11 – Carsten Knop von der FAZ kommentiert:

Die Cebit stirbt, weil nicht rechtzeitig genug erkannt worden ist, wie schnell sich die Zeiten auch in der digitalen Welt wandeln können. Der letzte Versuch, die Cebit in diesem Jahr zu einem Festival umzubauen, folgte der richtigen Einschätzung. Aber er kam um Jahre zu spät. Das müssen auch die Aussteller und Unternehmen wissen, die der Cebit in den vergangenen Jahren den Rücken gekehrt haben. Wenn sie selbst in ihren Strukturen und Geschäftsmodellen nicht schnell genug auf den digitalen Wandel reagieren, wird ihr Schicksal dem der Cebit folgen.

über IT-Standort Deutschland ist um eine weitere Ikone ärmer


28.11.2018 – 10:55 – Ohne Moos, nix los. Ohne Leads, keine Investition in ein Event. Manchmal ist es so einfach. Und Sascha Lobo bringt es auf den Punkt:

Allerdings gab es einen Feind der digitalen Transformation der Cebit.

Und der bestand nicht aus anderen Messen, Festivals oder gar den Mitarbeitern. Natürlich haben Misserfolge oft ebensoviele Väter wie Erfolge, sie sind bloß leiser. Und es gibt sicherlich viele verschiedene Gründe für den Niedergang der Cebit. Aber dieser Feind ist meiner Einschätzung nach hauptverantwortlich für das Ende der Cebit. Der Feind war eine Droge, und ich schreibe diesen Artikel, weil es die gleiche Droge ist, die in Deutschland noch viele, viele Unternehmen der digitalen Transformation, der Digitalisierung ausweichen lassen und so in den Ruin treiben wird:

Umsatz. …

Die wichtigste Digitalveranstaltung in Deutschland hat die eigene digitale Transformation nicht geschafft, was für ein trauriges, aber auch passendes Zeichen. Und die Verantwortung dafür trug keine einzelne Person, nicht die Gesellschafter, nicht die verschiedenen Vorstände und schon gar nicht die Mitarbeiter. Sondern die urdeutsche Überzeugung, dass die wirtschaftlichen Erfolgsrezepte von gestern und heute – auch morgen noch funktionieren werden. Die Haltung, dass im Zweifel eher Sparsamkeit der Kaufleute Tugend sei, und zwar statt Investition.

Quelle: Warum die Cebit eingestellt wurde – saschalobo.com

Bei den meist Herren der Hannover Messe stand meist Quadratmeterumsatz im Fokus. Fläche verkaufen. Doch auch ich kenne diese Diskussion nur zu gut. Wieviele Leads schreiben wir? Wieviel Pipeline generieren wir durch das Event? Und im Endeffekt: Wieviel Umsatz Y haben wir beim Investment X gemacht? Das ist auch eine oder DIE Metrix des digitalen Zeitalters.


28.11.2018 – gegen 22-23 Uhr: Mein Kommentar in einer Facebook-Diskussion rund um Cebit und republica in einem Thread, in dem Johannes Ceh provokativ fragt, ob die South-by-Southwest die Cebit gekillt hat. Vielleicht hat eine republica vor Jahren die Richtung gezeigt?:

Stefan Pfeiffer Und es gibt schon ein Digitales Leitfestival, die republica …. oder wie seht ihr das Andreas ? Dein 2 Cents Gunnar?
 Andreas Gebhard Stefan Pfeiffer Ich frage mich ob ich sagen soll war nie gleiche Gewichtsklasse oder gleiche Liga. re:publica wurde immer getragen durch eine total gemischte Community. Meine Idee davon ist eine Plattform zu sein wo unterschiedlich Dinge passieren. Aber leiten tun wir nicht sondern unterstützen.
Andreas Gebhard vielleicht ist dieser Unterschied eben auch ein Schlüssel im Sinne der Zukunftsfähigkeit?
Stefan Pfeiffer Andreas Gebhard #Stimmt – Unterschiedliche Konzepte und Zusammenarbeit war halbherzig …. bei dem einen Versuch … Danke für Deinen Kommentar … mal gucken, ob ich noch meine Cebit Memoiren runter schreibe … und da gehört das hin … als ich mein Unternehmen immer wieder überzeugte, sich auf der republica zu engagieren, war der Plattform- und Community-Gedanke für mich wesentlich … Passt halt nicht in die gängigen Metrix-Systeme (Gunnar) … und es kostet jedes Mal viel Kraft den ROI einer republica zu diskutieren

Facebook.Threat – https://www.facebook.com/goldhecht/posts/1015681219483439


29.11.2018 – 09-00 Uhr – Gabor Steingart kommentiert in seinem Morning Briefing:

Es steht Messe drauf, aber es steckt Politik drin. Das Ende der Cebit ist Teil eines großen Versagens. Eigentümerin der Cebit ist die Deutsche Messe AG, eine hundertprozentige Staatsfirma, die der Stadt Hannover und dem Land Niedersachsen gehört. Und die war unfähig, den Markenkern der Cebit in die neue Zeit zu transformieren. Stellt euch vor, das Digitalzeitalter klopft an die Tür und niemand ist zu Hause.

über Gabor Steingart. Das Morning Briefing.

Dazu passend oder unpassend Peter Altmaier zur Eröffnung der Cebit 2018:

Wo wir überall reden über die größte Herausforderung unserer Generation wäre es eine Dummheit sondergleichen, wenn wir die Cebit nicht bewahren.

über Altmaier: „Dummheit sondergleichen, wenn wir die Cebit nicht bewahren“


29.11.2018 – 9:25 – Kurzer Gedanke und mein Kommentar am und zum Morgen: Die Cebit hat sich lange Jahre in Quadratmetern und Besucherzahlen gesuhlt, besser darin geschlafen und dabei Trends verschlafen. Mit Glück und mit Konzepten haben ein Mobile World Congress, eine DMEXCO (Marketing und Digitalagenturen), eine republica (Festival der Digitalavantgarde oder derer, die es zu sein glauben), vielleicht sogar eine South by Southwest (Festival der Digitalen in den USA) Themen besetzt, die etwas Weitsicht in die Cebit hätten wandern können. Zug abgefahren. Habe es auch nochmals separat kommentiert.


29.11.2018 – 10:35 – Einen sehr lesenswerten Kommentar – passt zu meinem Statement – hat Heinz-Paul Bonn geschrieben, im Gernot-Hassknecht-Stil:

Doch bevor ich mich im besten Gernot-Hassknecht-Stil darüber aufrege, dass wir es wieder geschafft haben, eine IT-Ikone wie die CEBIT, immerhin einst Weltmesse der Informationswirtschaft, den anderen hervorragenden, aber ungenutzten IT-Erfindungen aus Deutschland hinterher zu werfen, möchte ich einer wichtigen Pflicht nachkommen:

… [In Folge Lob des Cebit-Teams]

Dies ist gottseidank nur ein Nachruf auf die CEBIT. Aber wenn wir so weitermachen, werden wir auch einen Nachruf auf den IT-Standort Deutschland schreiben müssen.

Ruhe nicht in Frieden, liebe CEBIT.

über bonnblog.eu | Ein Blick auf die IT-Wirtschaft

Und ja, es gab auch mal eine Systems und eine Orgatec.


29.11.2018 – 10:56 – Natürlich darf Mit-Tatortreiniger Gunnar Sohn nicht fehlen:

Bunter, offener, kontroverser und digitaler muss es zugehen – ohne IT-Prozess-Schwafelei. In diesem Jahr beim Cebit Business-Festival sah man einen radikalen Wechsel in die richtige Richtung. Jetzt den Stecker zu ziehen, ist peinlich und falsch.

über Wir waren die Tatortreiniger auf der letzten #Cebit-Totenmesse – also @digitalnaiv und icke – ichsagmal.com


29.11.2018 – 11:42 – Jetzt hat auch mein Freund und Weggefährte Dr. Ulrich Kampffmeyer kommentiert. Er hat natürlich seine Infomation Management-Brille auf und das ist ja auch gut so:

Natürlich könne man nicht mit Las Vegas, Austin oder Barcelona konkurrieren. Hätte man aber gekonnt, wenn man vor 10 Jahren die Zeichen der Zeit erkannt hätte. Nun ist es vorbei. Die Spass-CEBIT vom letzten Jahr konnte auch keine Wende bringen. …

Information Management und Information Governance sind die wichtigsten Aufgaben unserer aktuellen ITK – aber niemand will es wissen. Wir sind zu 100% von der Richtigkeit und Verfügbarkeit von Information abhängig. Ohne elektronische Information ist kein Unternehmen, keine Verwaltung, keine Organisation mehr lebensfähig. Diese Basics, das Information Management, sind das Kerngeschäft unserer Branche (gewesen?).

über CEBIT ade | PROJECT CONSULT Unternehmensberatung Dr. Ulrich Kampffmeyer GmbH

Uli hat einen Neustart nach DMS Expo und jetzt Cebit mit der der DCXexpo in Berlin versucht. Konnte da leider nicht teilnehmen.


 

 

 

 


29.11.2018 – gegen 16 Uhr – Eben per E-Mail von der Hannover Messe bekommen:

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Die CEBIT in Hannover wird abgesagt. Neue inhaltlich spitze Fachmessen für die digitale Wirtschaft sollen vorbereitet werden.

Die industrienahen Digitalthemen der CEBIT werden in die HANNOVER MESSE integriert.

über Traurig, aber wahr: Die CEBIT in Hannover wird abgesagt


29.11.2018 – 19:39 – Kein Verlust für den IT-Standort Deutschland meint Spiegel-Redakteur Patrick Beuth. Da bin ich mir wie Heinz-Baul Bonn nicht so sicher:

Der Schaden dürfte aber regional begrenzt sein, auf Hannover und seine Umgebung. Über den IT-Standort Deutschland insgesamt sagt das Ende der Cebit hingegen ziemlich genau nichts aus. Die Grundlagenforscher im Bereich des maschinellen Lernens, die Robotikspezialisten, die Hidden Champions des Landes und auch deutsche Start-ups brauchen die Cebit nicht. Die digitale Wirtschaft kennt keine Grenzen.

Quelle: Cebit wird eingestellt: Die Messe ist gelesen – SPIEGEL ONLINE


29.11.2018 – 19:44 – Und nochmals der SPIEGEL: Matthias Kremp berichtet von alten C64-Schülerbesuchen und weint der Cebit nicht viele Tränen nach:

Klar, der Termin im Sommer war klug gewählt, weit weg von CES in Las Vegas, Mobile World Congress in Barcelona und der Ifa in Berlin, und außerdem vergleichsweise wettersicher. Der Versuch, die alte Messe mit ein paar abendlichen Konzerten und Chill-out-Areas hip zu machen, war nett anzusehen, aber letztlich doch bloß alter Wein in neuen Schläuchen. Spannendes, Neuheiten gar, gab es auch auf der neuen, der letzten Cebit, nicht zu sehen.

Quelle: Cebit-Aus: Ein Rückblick auf 32 Jahre Computermesse in Hannover – SPIEGEL ONLINE

Cebit-Aus__Ein_Rückblick_auf_32_Jahre_Computermesse_in_Hannover_-_SPIEGEL_ONLINE.png


29.11.2018 – 19:54 – Und jetzt noch Thomas Knüwer, der einen ausführlichen Rückblick verfasst hat. Seine Bewertung:

Parallel zum Niedergang der Cebit wuchsen aber neue Formate zu beachtlicher Größe, die ortstechnisch auf Messegeländen oder messeähnlichen Flächen stattfinden, zum Beispiel die Online Marketing Rockstars in Hamburg oder der Web Summit in Lissabon. Da wäre also etwas gegangen. Doch wurden diese neuen Mitbewerber von Menschen gegründet, die Teil der Digitalbranche waren – und das ist die Deutsche Messe nie geworden. …

War die SXSW damals noch eine US-geprägte Veranstaltung, so hat sich dies seitdem drastisch geändert: Sie ist zu einem globalen Treffpunkt geworden und jetzt tatsächlich das, was die Cebit Ende der 90er war.

… Fast scheint es, die Verantwortlichen haben über viel zu lange Zeit nicht geglaubt, dass passieren könnte, was heute verkündet wurde: Das Aus der einst größten Messe in Deutschland.

über Die Cebit: Chronik eines absehbaren Todes – Indiskretion Ehrensache


29.11.2018 – 20:17 – Pikant. Der Bericht der Wirtschaftswoche zum Ende der Cebit. Demzufolge ahnten loyale Aussteller nichts vom geplanten Ende der Messe. Michael Kroker und Thomas Kuhn berichten:

Noch am Montag ahnten selbst wichtige Partner nichts

Das plötzliche Aus für die Messe, die einmal mit 800.000 Besuchern das wichtigste und größte Digitalevent der Welt war, erwischt die Verantwortlichen in deutschen und internationalen Tech-Konzernen größtenteils völlig überraschend. Noch am Montag dieser Woche hätten Branchengrößen wie SAP-Vorstandsmitglied Michael Kleinemeier oder IBM-Deutschland-Chef Matthias Hartmann bei einer Tagung des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI) den neuen Kurs der Digitalmesse unterstützt und die Teilnahme ihrer Unternehmen bei der kommenden Auflage bekräftigt, berichten Teilnehmer.

über Cebit: Das Aus der IT-Messe und die Tage vor dem Ende

 

 


29.11.2918 – 21:14 – Und jetzt noch ein Kommentar von Karsten Lohmeyer:

Eine Messe ist ein Wirtschaftsbetrieb, und selbst die einstmals stolze CEBIT ist nicht vor dem finanziellen Aus gefeit. Die schicken und sexy Aussteller, die die Messe jetzt mit ihrem neuen Konzept wieder gebraucht hätte, blieben offensichtlich lieber in Barcelona, Berlin, Las Vegas und Austin und buchten offensichtlich (noch) nicht in Hannover. Und die anderen, die nach dem B2B-Massaker der 2000er geblieben waren, fremdelten mit dem neuen Konzept und jammerten – zurecht – öffentlich über zu wenige Fachbesucher.

über CEBIT-Aus: Der Mut wurde nicht belohnt | LEAD


30.11.2018 – 13: 35 – Ist die Cebit gar gänzlich überflüssig, Ifa, dmexco, Gamescon und re:publica sind genug, so Santiago Campillo-Lundbeck.

Die Ifa hat sich zum jährlichen Globalereignis für die digitalisierte Konsumelektronik entwickelt, die Gamescom ist als jährlicher Wallfahrtsort für die Fans der digitalen Unterhaltungsbranche europaweit ohne Konkurrenz, bei der Dmexco drückt sich die globale Elite der digitalen Kommunikation die Klinke in die Hand und mit der Re:Publica hat Deutschland sogar ein jährliches Großevent, auf der die gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung verhandelt werden. …

Dass die Cebit letztlich den Anschluss an die Gesamtentwicklung verlor, hat auch viel damit zu tun, dass sie zu lange gedanklich in ihrer alten Welt der digitalen Büromaschinen blieb und den Anschluss an die Rituale einer jungen Generation von Entscheidern verlor.

über Digitalisierung quo vadis?: Warum das Cebit-Aus keine schlechte Nachricht für Deutschland ist

Da passt dann ja auch das Gespräch mit Andreas Gebhard von der re:publica, das Gunnar Sohn und ich heute geführt haben – mit der Denksportaufgabe darüber nachzudenken, was man nach Ende der Cebit auf einer re:publica zum Thema Digitalisierung und IT sinnvoll organisieren könnte:


2.12.2018 – Sehr pointiert ist Georg Schnurer zum Ende der Cebit auf heise online und er blickt dabei auf begangene Fehler zurück:

Erst mit Business-Wahn, dann mit Event-Kasperei hat sich die CeBIT abgeschafft. Dabei hätte sie wieder der Markplatz der IT werden können …

Dann, 1996, stieg der Erfolg der CeBIT-Ausrichterin, der Messe AG, anscheinend zu Kopfe: Sie wollte die CeBIT mehr Richtung Business orientieren und gleichzeitig eine zweite Messe, die CeBIT Home, etablieren. …

Das Konzept ging grandios in die Hose: Die CeBIT Home wurde nach dem zweiten Mal, 1998, eingestellt. Doch die Ausgrenzung von Spiel und Spaß hatte Nebenwirkungen: Die verprellten Unternehmen hatten sich längst andere Messen gesucht, auf denen sie ungestört von Schlipsträgern ihre Geschäfte abwickeln konnten. …

Integration, liebe Messe AG, nicht Ausgrenzung wäre der Weg gewesen. Heißt sie doch willkommen, die vielen neuen und alten Spielarten der IT.

über Kommentar: Die CeBIT starb am Selbstmord auf Raten | heise online


Meine ehemaliger Kollege, der geschätzte Gunter Dueck, hat sich auch nochmals trefflich zur Cebit oder besser zu IT-Messen geäußert und trifft meine Meinung. Da muss ich ihn quasi zitieren:

Messen haben sich gewandelt – da werden keine Visionen vorgestellt, denn die Controller wollen den Aufwand für die Messe begründet wissen… dabei wäre doch so viel für das gemeinsame Business getan, wenn man der Allgemeinheit neue Träume einflößte?

Stattdessen lassen die IT-Firmen die Menschen lieber in der derzeitigen Digitalisierungsangst. Haben sie die vielleicht selbst? Gibt es keine Visionen? Keine von IT-Firmen, meine ich? Oder wacht sie noch einmal auf, die CEBIT?

über DD332: Planmäßig verendet: Flache schwarze Messe CEBIT (Dezember 2018) – Omnisophie


7.12.2018 – August-Wilhelm Scheer, Urgestein der deutschen ITK-Szene, hat dann auch noch das Ende der Cebit kommentiert und ich stimme weitgehend zu, wobei der Aspekt Treffpunkt zwischen Politik und Wirtschaft für mich kein entscheidender Grund für eine Cebit ist. Da gibt es den Digitalgipfel u.a. Anlässe.

Was haben wir nun verloren? Wir haben eine Plattform verloren, auf der sich Anbieter und Anwender zu strategischen Gesprächen gefunden haben. Wir haben uns öffentlich gegenüber der Welt als bedeutender Anbieter auf dem Gebiet der Digitalisierung aufgegeben. Die CeBIT war auch Treffpunkt zwischen Politik und Wirtschaft. Bundeskanzlerin, Bundesminister und Ministerpräsidenten der Länder suchten die Gespräche.

über Kommentar: Prof. Dr. Scheer kritisiert Ende der CeBIT – cio.de

(Stefan Pfeiffer)

6 Kommentare zu „Ticker zum Ende der Cebit: Besucherschwund, befürchtete Verluste, loyale Aussteller von Ende überrascht, Kommentare vieler „Experten“ und … von Peter Altmaier

  1. Als „Veteran“ mit über 25 Messe-Teilnahmen als Aussteller macht mich diese Entscheidung traurig. Aber sie wundert mich nicht. Ich war schon 2017 im Vorfeld der damals angekündigten Neuausrichtung/Terminverlegung sehr skeptisch und habe mich auch von den schnellen Hurra-Meldungen nach der CeBIT18 nicht einlullen lassen. Nach den abermaligen starken Rückgang der Fachbesucherzahlen war der Schritt wohl unvermeidlich.

  2. Die re:publica kann sicherlich nicht die Cebit ersetzen. Aber sie kann sehr wohl mehr Netzökonomie wagen und versuchen, Business-Themen noch stärker aufzunehmen und coole Firmen nach Berlin locken. Vielleicht stellt dann einer einen Dienst wie Periscope vor als Premiere oder so. In Austin funktioniert das ja auch.

  3. Meine Sicht auf den Abschied … CEBIT ade – was heißt dies für die Information-Management-Branche? | @DrUKff | PROJECT CONSULT #CEBIT #DMSEXPO #Systems #DCXexpo #ECM #IIM #EIM #ContentServices #DigitalWorkplace #BPM #Archivierung #InformationManagement #InfoGov http://bit.ly/CEBITade

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