Eselsohr zu den Protesten: Bauern und Konsumenten müssen sich ändern, beide Seiten …

Eigentlich nicht so mein Thema, aber den Kommentar von Julia Löhr auf FAZ.NET (leider wieder hinter der Bezahlschranke) zu den Bauernprotesten finde ich einfach zu wichtig, um ihn nicht zu „eselsohren“. Warum? Einerseits hat mich die Aggression, die bei den Interviews vor den Protesten von Bauern und dann später von „Städtern“ zu spüren war, erschreckt. Auch hier schaukeln sich Emotionen wieder extrem hoch und wohl nicht zu Unrecht schreibt Julia Löhr, dass die Landwirtschaft nach der Flüchtlingsfrage und der Diskussion um den Verbrennungsmotor die nächste Frage sein könnte, wo sich die Gesellschaft wieder einmal spaltet und wo Nepper und Schlepper wieder mit platten Parolen auf Fang gehen könnten.

Julia Löhr bemerkt dann auch, dass viele schön reden, schön reden über Blühstreifen, „mehr Platz für Schweine und Hühner in den Ställen“ oder gegen Pestizide. Wenn es jedoch an den Geldbeutel geht, sehen wir Deutschen nicht mehr so gut aus. Wohl nur „fünf Prozent des Lebensmittelumsatzes in Deutschland entfallen auf Bio-Produkte. In den skandinavischen Ländern, in der Schweiz und in Österreich ist der Anteil fast doppelt so hoch.“

Und was mir dann Mut gemacht hat – und was ich auf einer FAZ nicht so erwartet habe -, ist die Aufforderung von Julia Löhr sich auf beiden Seiten zu ändern, auf Seiten der Bauern und der Konsumenten. Sie bricht eine Lanze für „die jüngeren Landwirte, die erkannt haben, dass es so nicht weitergehen kann“, Experimente starten und die Reformen auf vielerlei Gebieten (jenseits des traditionellen Bauernverbands). Ihr Plädoyer: „Jetzt müssten die EU-Agrarsubventionen so gestaltet werden, dass diese neue Generation von Landwirten davon stärker profitiert.“ Schön wäre es, wenn sich Vernunft trotz aller notwendigen sachlichen Auseinandersetzung durchsetzen würde. Danke für den Kommentar.

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