Die (Lokal)Zeitung: Früh muss sie dann sein und wie gewohnt auf Papier. Noch.

Von doch noch sehr vielen Freunden und Bekannten höre ich, dass sie morgens beim Frühstück die Zeitung lesen, die gedruckte Zeitung. Bei uns hat diese Praxis bis auf samtags, wo ich wirklich noch traditionell nach meinem Gang zum Bäcker die Zeitung im Fachgeschäft hole (man merke: Mann muss zum Bäcker gehen!), ausgedient. Dann ist es auch nicht mehr ganz so früh, denn …

Zeitung lesen beim Frühstück hat Tradition …

… der „gemeine Deutsche“ (bleibe hier mal bewusst maskulin) will seine Zeitung vor 8 Uhr in seinem Briefkasten haben. Das ist ein Ergebnis einer Studie, die im Auftrag der ZMG (Zeitungsmarktforschung Gesellschaft der deutschen Zeitungen) 2019 durchgeführt wurde und über die Horizont berichtet: „Würde die Zeitung erst nach 8 Uhr zugestellt, hätte das einen massiven Verlust der bestehenden Abonnenten zur Folge.“

… und bei Älternen auf Papier

Doch nicht nur die Zeit spielt eine Rolle: Laut Artikel können sich Drei Viertel der jetzigen Abonnenten der Print-Ausgabe nicht vorstellen, „ihre“ Zeitung als E-Paper zu lesen. Und das scheint auch, vielleicht vor allem eine Altersfrage zu sein: „Von den über 50-Jährigen sagen nur 22 Prozent, sie könnten sich grundsätzlich vorstellen, das E-Paper einer Tageszeitung zu lesen.“ Zwar steigt die Akzeptanz für E-Paper generell, aber gerade Ältere trennen sich nur schwer vom Papier.

Das notwendige „richtige“ Gerät zum Lesen

Sicher ein Stück Gewohnheit, aber vergessen wir nicht, dass auch eine entsprechenden Reader, ein Tablet oder großes Smartphone braucht, um die elektronische Zeitung zu lesen. Das hat nicht unbedingt jeder und manch einer will eben nicht auf einem vermeintlich zu kleinen Bildschirm lesen. Den Lesern also im Rahmen des Abonnements einen Reader zur Verfügung stellen? Die bieten ja sogar in der Vergrößerung der Schrift bessere Möglichkeiten gerade für Ältere. Könnte eine Möglichkeit sein, doch noch scheint es so, dass man gerade im Bereich Lokalzeitung trotz aller Herausforderungen, diese „just in time“ morgens in den Briefkasten zu bringen, auf die gedruckte Ausgabe nicht verzichten kann.

Lokalzeitung zur Integration und Bindung

Und die Lokalzeitung mit den Informationen und Nachrichten aus dem Ort und dem Kreis ist in vielen Gebieten für viele Bürger ein Stück Integration und Lebensqualität. Sie kann meiner Meinung nach gerade auch auf lokaler Ebene eine wichtige Rolle gegen Extremismus und für Demokratie spielen. Gunnar Sohn hat sich dazu ja vielfältig geäußert. Hier muss und sollte man aber auch durchaus über neue Wege und Formate nachdenken. Gestern habe ich doch noch über Blogs geschrieben?

Der Trend geht natürlich Richtung E-Paper, aber das gehört dann sicher weiter gedacht. Dann geht es vielleicht mehr nur um Texte, sondern auch um Ton., Video oder interaktive Formate, an die Leserinnen und Leser herangeführt werden müssen. Doch das geschieht ja schon automatisch durch die tägliche Nutzung des Smartphones. Und das benutzen auch Ältere immer mehr, wenn auch mit Fokus auf traditionelle Funktionalität … wie telefonieren. Soll man ja auch damit können. E-Paper, die dann vielleicht E-News heißen mag, wird sich mittelfristig durchsetzen und ganz normal werden. Hoffentlich geht dabei nicht der beschriebene lokale Aspekt verloren.

Wie machen wir es? Meist am Schirm und nur am Samstag die Print-Ausgabe

Meine Frau ist die Nutzerin des Smartphones. Auf ihrem iPhone XR liest sie fast alles und ist auch mit der Größe des Schirms zufrieden. Eine Freundin, die am Wochenende zu Besuch war, fremdelt da ein wenig und zieht „richtige“ Reader wie den Tolino vor, die bei Sonne einfach besser sind. Und um auf das angesprochene Szenario Zeitung beim Frühstück zurück zu kommen: Auch ich nutze morgens beim Frühstück mein iPhone und parallel läuft das ARD und ZDF Frühstücksfernsehen. Später am Tag und auch abends verlagert sich das Lesen dann auf den Schirm meines MacBooks.

Nachrichten und Informationen nicht mehr nur über traditionelle Medien

Lokale Nachrichten spielen bei uns kaum eine Rolle, aber wir haben bewusst ein Abonnement für eine E-Paper. Für mich als zugegebenermaßen Nachrichtenjunkie gibt es aber viele andere relevante Quellen, die ich checke und die nicht nur klassische Medien auf neuen Kanälen repräsentieren: eine Liste meiner Twitter-Favoriten, die ich erstellt habe und aktuell halte, meinen RSS Reader, ja, auch einige Newsletter und natürlich als zentrale Seite Fohlen Hautnah mit dem Pressespiegel zur Fohlenelf … Und wie schon erwähnt gibt es am Samstag, manchmal auch am Sonntag die gedruckte Frankfurter Allgemeine.

Und ja, ich hoffe und zähle auch auf den Erfolg der Crowd Funding.-Initiative rund um Buzzard. Hier sol ich dann über eine App jeden Tag eine Übersicht über die wichtigsten Nachrichtenthemen und Debatten des Tages bekommen quer über die Medienwelt.

Wie macht Ihr es? Seid Ihr schon voll auf E-Paper beziehungsweise Nachrichtenkonsum über „die Schirme“ oder noch auf Papier?

P.S. Warum denke ich jetzt drüber nach, ob meine „Blockbeiträge“ nicht auch vor 8 Uhr erscheinen müssten? Früh aufstehen oder lange tippen. Nee, dann doch nicht.

(Stefan Pfeiffer)

5 Kommentare zu „Die (Lokal)Zeitung: Früh muss sie dann sein und wie gewohnt auf Papier. Noch.

  1. Ich bin eine dieser über 50-jährigen, die die gedruckte Zeitung vor 8 Uhr im Briefkasten haben möchte. Der Grund ist, dass ich gerne durch die Zeitung blättere und dabei Artikel finde, die ich auf einem kleinen Tablet sicher übersehen würde. So lese ich oftmals Artikel, die ich mir bewusst nie gesucht hätte. Auf einem Tablet würde ich das so nie machen, sondern selektiv Artikel suchen. Außerdem habe ich keine Lust ständig zu scrollen, von oben nach unten und nach rechts und links. Daher fühle ich mich besser informiert durch eine gedruckte Zeitung – ist für mich übersichtlicher, führt mich leichter zu allen Artikeln.

    1. Hallo Cordula,
      danke für den Kommentar. Es zeigt, wie unterschiedlich Personen Medien nutzen. Genau das, was Du beschreibst, mache ich auf den „Readern“. Da springe ich dann links und rechts.
      Aber sind nun mal Gewohnheiten verschieden.
      Schöne Woche
      Stefan
      P.S. Und Du weißt, altersmäßig gehöre ich auch dazu, aber so was von …

  2. Gibt es in dem Zusammenhang einen Multi-Channel User? Wenn ja, dann bin ich das. Informationen zu Bundes-/Landespolitik, weltweite und überregionale Themen usw. ziehe ich aus dem Netz (Online Portale diverser Zeitungen, Social Media etc.). Ich schreibe bewußt „ziehe“, weil mich die Online-Quellen, die am Anfang allesamt ihren Content kostenfrei zur Verfügung gestellt haben, dazu erzogen haben, dass ich keine Lust habe, dafür zu zahlen (schizophren, ich weiss … und mit den vielen „Plus“-Artikeln, die immer mehr kommen, wohl auf nicht länger haltbar). Für lokale Nachrichten (Stadt & Region) lese ich die Printausgabe der Schwäbischen Zeitung mit Lindauer Lokalteil. Im Gegensatz zu Online, wo ich konkreten Content picke, lasse ich mich bei Print gerne treiben und blättere alles durch, was dazu führt, dass ich auch Content lese, den ich Online wohl nicht angeklickt hätte.

    1. Hi Jo,

      danke für den Kommentar: Klar, wir sind alle Multichannel-User, denke ich. Wir hören Radio, sehen fern, lesen auf Papier oder am Bildschirm. Und wie Du an Dir selbst beobachtest, gibt es lokale Nachrichten immer noch am besten in der Lokalzeitung, egal, ob die gedruckt oder online ist. Musste ich selbst bemerken, denn ich konnte und kann den Infos im „Darmstädter Echo“ zum Projekt „Digitalstadt Darmstadt“ nur noch eingeschränkt folgen. Die Artikel sind jetzt meist hinter der Bezahlschranke des Echos. Da sieht es mit Alternativen düster aus. Auch mit Alternativen, wie berichtet wird.

      Und dass wir online nicht zahlen wollen, ist eine Nutzererfahrung der letzten Jahre oder Jahrzehnte. Wir haben in uns aufgesogen, dass im Netz alles frei ist, was ja so nicht stimmt, vielleicht nie gestimmt hat. Google und Co bezahlen wir mit unseren Daten, die sie an Werbekunden verscherbeln.

      Ich bin übrigens durchaus bereit, für gute Inhalte zu zahlen. Nur werde ich sicher nicht bei allen Publikationen ein oft teures Plus-Abonnement abschließen. Die traditionellen Medienhäuser und Verlage haben die Zeichen der Zeit einfach nicht erkannt oder ignorieren sie und setzen weiter auf Abos und Bezahlschranken. Modelle wie Blendle, wo man einzelne Artikel erwerben konnte, sind leider gescheitert. Dazu war (und bin ich) bereit. Deshalb unterstütze ich jetzt auch das Buzzard-Projekt, das ich im Beitrag verklinkt habe.

      Für Qualität zahle ich durchaus wie beim Social Media Watchblog und unterstütze netzpolitk.org auch wegen der guten Inhalte, um nur zwei Beispiele zu nennen.

      Ich lasse mich unterdessen halt online treiben, aber da hat jede (siehe Cordula) oder Dich seine Präferenzen.

Schreibe eine Antwort zu Stefan Pfeiffer Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.