Paid Content, freier Journalismus, das Internet-Manifest und wovon leben

Als jemand, der Journalismus studiert hat, zweitweise von Zeilengeld lebte und sich im Studium mit der Entstehung und dem Strukturwandel der modernen Öffentlichkeit befasste, beobachte ich die derzeitige Diskussion um Paid Content, dem Internet-Manifest und der Alles-ist-im-Internet-frei-Diskussion sehr zwiegespalten. Ich bin einerseits überzeugt, dass die originäre Philiosophie und das Designkriterium des Internets die freie Verfügbarkeit von Information und – spätestens seit Twitter – die schrankenlose Möglichkeit zur Kommunikation ist. Das Internet oder besser das WWW bietet neue, nicht gekannte Möglichkeiten, sich zu informieren und zu kommunizieren. Ja, es gibt auch einfachere Möglichkeiten zur Agitation und Meinungsmache wie auch zur Perversion, siehe Kinderpornos. Ich hoffe und glaube, dass die Community Manipulationsversuche und Exzesse stoppen kann und hoffentlich stoppen wird. Eine Randbemerkung: Zu meinen Studienzeiten hatten wir BILD-ende Diskussionen, ob die Presse angesichts des Boulevards verkommt – Wallraff, ich hör Dir trappsen.

Sorgen macht mir aber die Flatrate-Kultur unter folgenden Aspekten. Ich sehe, wie die Redaktionen Personal abbauen. Ich sehe, dass viele geschätzte Kollegen plötzlich frei arbeiten – und dabei finanziell überleben müssen. Ich sehe in vielen Publikationen – gerade auch in meinem Fokusgebiet IT – einen Qualitätsverlust in der Berichterstattung und den Trend zu Advertorials, gekauften Artikeln. Ich sehe aber auch gerade durch die Blogosphere neue, qualitativ, hochwertige Seiten, über die man sich informieren kann. Durch das Web ist dies sehr, sehr einfach möglich. Ich bin und bleibe zwiegespalten. Journalisten müssen (gut) leben können. Der Beruf und das, was Journalisten leisten können, kann und sollte nicht verkommen, weil man nicht mehr davon leben kann.

Stefan Pfeiffer

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