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Sascha Lobo über Offenheit im Netz und wie sie ausgenutzt wird – SPIEGEL ONLINE

Ich bin ja nicht so der Fan unser aller Irokesen, aber dieser Beitrag trifft es, besonders natürlich das Statement zum angeblichen Gutkonzern:

Offenheit aber bedeutet umfassende, also bidirektionale Vernetzung, und die ist gut für die Nutzer, weil damit eine Vielfalt von Angeboten entsteht. Um jede vielgenutzte, offene Plattform herum bildet sich ein digitales Ökosystem, das wiederum die Plattform attraktiver macht und so zu ihrem Erfolg beiträgt. … Solange ein Internetunternehmen klein ist, nützt ihm Offenheit. Wenn es durch eben diese Offenheit groß geworden ist, lässt es sich geschlossen und durchkontrollierbar ungleich besser vermarkten. Twitter ist ein ärgerlich prototypisches Beispiel für diese Entwicklung. Der Dienst begann als weitgehend offene Plattform mit einer Vielzahl bunter Schnittstellen, die dazu führten, dass jeder Nutzer Twitter ziemlich genau so verwenden konnte, wie es ihm passte. Ohne Zweifel trug das entscheidend zum Erfolg bei. Inzwischen schließt Twitter die Pforten, kappt die Vernetzung zu anderen Anbietern und zwingt seine Nutzer dorthin, wo es Twitter mehr Geld bringt: auf die eigene Plattform, in eine präzise festgelegte, App-hafte Nutzungssituation. …

Durch die digitale Vernetzung fallen viele technikbedingte Mauern. Aber die großen, digitalen Unternehmen bauen neue, künstliche Mauern. Viele Nutzer sind davon zwar genervt – aber so wird die Herde dort gehalten, wo die Anbieter sie gern hätten: im Walled Garden, wo jeder das Gras frisst, das der Herr des Gartens zu eigenen Bedingungen verkauft. Wenn von erfolgreichen Internetfirmen die Rede ist, fällt oft der Name Apple. Aber Apple benutzt das offene Internet nur fürs Marketing. Das Geld wird in und mit hermetisch geschlossenen, digitalen Welten verdient: Apples Erfolg erscheint jedem Netzunternehmer als Werbung für die Geschlossenheit und gegen das offene Internet. Selbst Google, jahrelang Prediger der Offenheit, bewegt sich – seit die Marktbeherrschung durch schiere Größe nicht mehr ausreicht – in entgegengesetzter Richtung. Schnittstellen werden geschlossen oder kostenpflichtig gemacht, offene Dienste eingestellt und das neu geschaffene, soziale Netzwerk Google+ hat von Beginn an so viele funktionierende Verbindungen zur Außenwelt wie der Hausmeister eines nordkoreanischen Atombunkers.

via Sasha Lobo über Offenheit im Netz und wie sie ausgenutzt wird – SPIEGEL ONLINE.

Filed under: Soziale Medien & "das Netz"

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... arbeitet in Communications bei Kyndrl Deutschland, dem weltweit führenden Anbieter zum Management kritischer IT-Infrastruktur. Den gelernten Journalisten hat seine Leidenschaft für das Schreiben, Beobachten, Kommentieren und den gepflegten Diskurs nie verlassen. Diese Passion lebt er u.a. in seinem privaten Blog StefanPfeiffer.Blog oder auch als Moderator von Liveformaten wie #9vor9 - Die Digitalthemen der Woche und Podcasts aus. Digitalisierung in Deutschland, die digitale Transformation in der Gesellschaft, in Unternehmen und Verwaltung oder die Zusammenarbeit am modernen Arbeitsplatz sind Themen, die in leidenschaftlich bewegen. Vor Kyndryl hat Pfeiffer in der IBM im Marketing in unterschiedlichen internationalen Rollen gearbeitet. Seine weiteren beruflichen Stationen waren FileNet und die MIS AG. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“. 

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