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Talkshow-Überdruss: Immer die gleichen Gäste, viel Unsachlichkeit, oft Polemik, zu wenig fachliche Diskussion, schwächelnde Moderatoren:innen

Der letzte Satz von Manfred Lindlinger in seinem Beitrag zum Project Debater, einer von IBM entwickelten KI, die mit Menschen debattieren, diskutieren und argumentieren kann, hat mich ins Mark getroffen. Mancher Talkshow würde ein entsprechender Diskussions- und Debattierpartner gut tun, der fundierte Argumente identifizieren und vortragen würde. Das hat gesessen, denn viele, ja die meisten Talkshows gehen mir derzeit sehr auf die Nerven. Natürlich dominiert das Thema Corona bzw. Covid-19. Kein Tag ohne eine entsprechende Talkshow (und deren „Nachbehandlung“ in den Medien). Und ich glaube, auch immer wieder die gleichen Gäste zu sehen. (Dazu kann man gerne die am Ende eingeblendete Statistik checken. Ist zwar nur 2020, aber immerhin.)

Vor allem scheint mir zu oft nur heiße Luft zu kommen. Regierende aus Bund und Ländern, die ihre Wankelmüdigkeit rechtfertigen, oder Politiker, die schon im Wahlkampfmodus auf Stimmenfang sind. Die FDP sticht mir dabei gerade heraus, die ganz offensichtlich der CDU/CSU Wähler:innen mit wirtschaftsfreundlichen Öffnungsparolen abjagen will. Emotional berührt haben mich die Aussage von Herrn Kubicki, der die Diskussion um die Mutante gar lustig findet frei nach dem Motto:

Zwar hat die Partei wenig Konkretes anzubieten, aber aus der Opposition heraus kann man schon mal breitflächig stänkern.

Kubicki beim ARD-Talk in Fahrt: „Diese Mutanten-Diskussion finde ich lustig“ – FOCUS Online

Eine höhere Ansteckung sei nicht nachgewiesen. Dem RKI oder britischen Forschern scheint Herr Kubicki ganz offensichtlich nicht zu glauben. Immerhin Widerspruch vom Grünen (und Arzt) Janosch Dahmen in der Diskussion bei Anne Will. Ein Negativbeispiel, das heraus sticht, mir natürlich besonders auf die Nerven geht, weil ich anderer Meinung bin*, das aber beispielhaft meine Talkshow-Müdigkeit verdeutlicht. Viel Unsachlichkeit, oft Polemik, zu wenig fachliche Diskussion, manchmal schwache Moderatoren:innen. Und das zieht sich durch. Ausnahmen bestätigen die Regel. Michael Radunski kommentiert in der FAZ eine Talkshow mit Maybrit Illner:

Lauterbach mahnte, warnte und forderte neue scharfe Maßnahmen, während Madsen die Zeit für Öffnungskonzepte, Hoffnung und Mut gekommen sieht. Über beide Sichtweisen lässt sich diskutieren. Man mag zu ihren jeweiligen Forderungen stehen, wie man will. Aber sowohl Lauterbach wie auch Madsen vertreten zumindest eine klare Haltung, für die sie jeweils auch Argumente ins Feld führten. Und nur so ergibt eine Talkshow einen Sinn.

TV-Kritik Maybrit Illner: Osterruhe und Versagen der Corona-Politik

Mehr Argumente – der Link zurück zu Project Debater und mancher Talkshow würden fundierte Meinungen gut tun – , gerne lebhafte Diskussion, vor allem weniger Schaumschläger und standhafte, kritische Talk Master. Aber das sind sicher fromme Wünsche – passend zur Vorosterzeit. Vielleicht sollte ich einfach abends wegzappen, wenn man mal wieder eine derartige Runde aufpoppt. Wahrscheinlich die klügere Variante, auch wenn ich eigentlich jemand bin, der eine faire und harte Debatte liebt und für wichtig erachtet.

* Ich bin auf der Seite eines Christian Drosten, einer Melanie Brinkmann und eines Karl Lauterbachs, die nach meiner Beobachtung und Einschätzung fundierte Empfehlungen aufgrund der Datenlage geben, denen aber immer wieder nur partiell gefolgt wird. Nur zu schnell werden die Maßnahmen wieder zurück genommen mit verheerenden Folgen, wie es beispielsweise auch Gunter Dueck beschreibt. Notbremsen werden gelockert, doch – wie auch Karl Lauterbach aufgrund der Datenlage und seiner Fachkompetenz vermutet – der Lockdown wird kommen, nur dann noch härter, weil viele Politiker jetzt wieder windelweich einknicken.

Hier nun zum Abschluss die angekündigte Übersicht der Talkshow-Gäste von ARD und ZDF in 2020:

(Stefan Pfeiffer)

* Das verwendete Foto von der Talkshow stammt von ARD Audio, der Fotodatenbank für Journalisten der ARD. Alle Rechte liegen bei der ARD.

Filed under: Journalismus & Öffentlichkeit, Netzpolitik & die große Politik

About the Author

Veröffentlicht von

Stefan Pfeiffer ist seit 2007 bei der IBM in verschiedenen Marketingpositionen tätig. Nie hat den gelernten Journalisten seine Leidenschaft für das Schreiben verlassen, die er vor allem in seinem persönlichen Blog StefanPfeiffer.Blog (ehemals DigitalNaiv) auslebt. Daneben ist er immer mehr als Moderator von Livevideostreams und Podcasts aktiv. Seine inhaltliche Leidenschaft im IT-Umfeld gilt dem Digital Workplace und generell der digitalen Transformatiom. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“.

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