Der Ukraine-Krieg, das Internet, Cyberangriffe und die kritischen Infrastrukturen – Mein Digitaler Jahresrückblick – Teil 1

Eigentlich müssten wir – der Lars und ich – bei unserem kleinen Podcast noch einen Jahresrückblick senden, aber wahrscheinlich wird das in diesem Jahr nichts mehr. Deshalb hier mein Rückblick zu den Digitalthemen des Jahres. Für mich hat der russische Angriff auf die Ukraine auch im Digitalen das Jahr gekennzeichnet, denn Krieg wird heute digital geführt und das unter ganz verschiedenen Aspekten.

Netzzugang überlebenswichtig für den Widerstand in der Ukraine

Für die ukrainischen Soldaten und den Widerstand generell spielt der Internetzugang eine ungemein wichtige Rolle. So werden Informationen von Aufklärungsdrohnen über das Netz schnellstens an die eigene Artillerie weitergegeben, die dann umgehen die Ziele zu zerstören versucht. Experten sprechen von einem Echtzeitkrieg, der mithilfe von Kommunikationssatelliten möglich geworden ist.

Das Internet wird vielfältig ausgewertet und genutzt und „die funktionierende digitale Vernetzung trägt erheblich zur ukrainischen Gegenwehr bei“, wie Sascha Lobo in seinem Beitrag auf Spiegel Online ausführt. Beispielsweise konnten Staus bei Google Maps angezeigt werden, weil Google misst, wie viele Android-Smartphones auf den Straßen unterwegs sind. Und so wurden russische Angriffsrouten identifiziert. Oder aber eine Corona-App wurde umgebaut, damit die Ukrainerinnen und Ukrainer melden können, wo sie russischen Fahrzeuge gesichtet haben. Es gibt eine Vielzahl weiter Beispiele, wie das Netz für den Widerstand genutzt wird bis hin zum Fluss von Informationen in die ganze Welt über den Krieg und die Gräueltaten.

Dezentrale Netze bewähren sich in der Ukraine

Dabei kann die Ukraine auf eine hohe Zahl an Internet-Providern, die oft voneinander unabhängige Infrastrukturen betreiben, zurückgreifen. In besonderer Weise trägt auch das Starlink-Satellitensystem von Elon Musk dazu bei, dass das Internet genutzt werden kann. Tausende sogenannter Starlink-Terminals sind unterdessen im Einsatz. Und natürlich verbreitet Mr. Musk in üblicher Manier Chaos, in dem er zuerst ankündigt, die Kosten für den Betrieb seines Satelliten-Internetdienstes in der Ukraine nicht mehr zu bezahlen – um dann wieder zurück zu rudern. Aber Starlink funkt und hilft dabei, den Widerstand am Laufen zu halten.

Besonders bemerkenswert ist, dass das ukrainische Netz trotz der Cyberangriffe der Russen weitgehend stabil funktioniert. Und da sind wir bei meinem zweiten Digitalthema des Jahres 2022. In 2022 wurde allen deutlich vor Augen geführt, wie anfällig unsere Unternehmen, Behörden und insbesondere das, was wir als kritische Infrastruktur(en) bezeichnen, sind. Nahezu ständig erschienen Meldungen, welche Ziele attackiert wurden, von Windrädern zu Krankenhäusern oder dpa. Der Branchenverband Bitkom beziffert den Gesamtschaden durch Cyberangriffe auf 202,7 Milliarden Euro. Das zeigt, wie anfällig unsere Strukturen in Zeiten sind, in denen alle am Netz hängen, ob durch E-Mail oder durch andere direkte TCP-Verbindungen. Und es zeigt auch, dass menschliche Fehler, das Klicken auf einen Link oder einen Anhang oft dazu geführt hat, dass Systeme infiziert wurden. Die Ausbildung und Sensibilisierung der Internet-Nutzerinnen und IT-Nutzer im Bereich Cybersecurity wird immer wichtiger.

Deutschlands kritische Infrastruktur muss besser geschützt werden

Auch in der Politik scheint nun endlich das Bewusstsein gewachsen zu sein, dass unsere kritischen Infrastrukturen besser geschützt werden müssen, denn die Bedrohungen sind vielfältig von Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines über durchtrennte Glasfaserkabel bis zur Ahrtal-Flut und einem möglichen Strom-Blackout. Unsere Abhängigkeiten in den Lieferketten für Chips, Arzneien, Gas und viele andere lebensnotwendige Module unseres industriellen und täglichen Lebens wurden nur allzu deutlich. Dies sind wichtige Aufgaben, Herkulesaufgaben und Herausforderungen, die jetzt umgehend angegangen werden müssen und sie reichen weit über die digitalen Aspekte hinaus. Doch es wurde auch deutlich, dass viele Digitalisierungsthemen nicht mehr aufgeschoben werden können.

Das dritte Digitalthema, das mich 2022 besonders umtreibt, sind die Konsequenzen der Twitter-Übernahme durch Elon Musk. Dazu mehr in Teil 2 meines digitalen Jahresrückblicks.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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