The text is changed to "Blogwochen". A vintage desk is illuminated by a warm light from a brass lamp, casting long shadows across the wooden surface. A classic typewriter sits prominently, surrounded by scattered papers bearing the words "Demokratie, " "Aufklärung, " and "Respekt. " Behind the typewriter, a laptop screen displays the phrase "Die Stimme der Vernunft" and several lines of text, evoking a sense of intellectual pursuit and historical context.

Bloggen als Haltung: Eintreten für Demokratie, Aufklärung und Respekt

Nachtrag am 10. Mai 2025: Diesen Blogbeitrag habe ich am 9. Mai geschrieben, da mir klar geworden ist, dass ich wieder viel mehr über politische und historische Themen schreibe. Wenige Stunden später habe ich in der Tagesschau die Nachricht gehört, dass Margot Friedländer gestorben ist. Ihr Leitsatz war „Seid Menschen“ Wir dürfen uns unsere nicht durch unmenschliche Radikale kaputt machen lassen!

Eigentlich wollte ich gar nicht mitmachen bei der Frage „Was treibt mich eigentlich an, immer weiter zu bloggen?“ und „Blogger:innen und ihre Motivation – Was uns antreibt“ im Rahmen der #Blogwoche2025 von Nur ein Blog, Dirks Logbuch und Benedikt.io. Das hatte ich doch erst kürzlich im Rahmen diverser Beiträge und Gespräche bei mit Thomas, Annette oder Thomas niedergeschrieben und diskutiert. Da habe ich mich zu Motiven wie Selbsttherapie, Aufklärung über Risiken im Netz, öffentlichem lautem Denken oder der Lust an der Diskussion geäußert. Was gibt es also noch zu sagen? Warum noch ein Beitrag von mir zum Thema?

Da ist bei mir dann plötzlich der Groschen gefallen, dass es ein weiteres Motiv gibt und wohl schon immer gab, das jetzt wieder ganz stark nach vorne getreten ist: sachliche politische Aufklärung und Verteidigung unserer Demokratie. Das hört sich sehr großspuriger an, war aber eigentlich schon immer eines meiner stärksten Motive. Es war vielleicht auch das ursprüngliche Motiv, warum ich Journalist werden wollte und früh angefangen habe, zu schreiben.

Der Traum vom politischen Journalisten

Das fing mit der Schülerzeitung an und führte weiter zur Arbeit als freier Wald- und Wiesenjournalist für unsere lokale Zeitung hin zum Studium des Fachjournalismus und zu freien Mitarbeitern in der Neue Medien-Redaktion der FAZ, die damals Fernsehnachrichten, Radioreportagen und aktuelle News auf BTX, auf Bildschirmtext produzierten. Zu meinen Studienfächern gehörten neben Fachjournalismus an der Universität Gießen auch Geschichte und Politikwissenschaft, was ich als logische Ergänzung angesehen habe.

Die Studienschwerpunkte waren schnell gewählt: amerikanische Geschichte des 20. Jahrhunderts, die Weimarer Republik, der moderne Antisemitismus, die Zeit des Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit mit dem Kalten Krieg und der Entstehung der Bundesrepublik. Liberal denkende Professoren wie Helmut Berding oder der Amerika-Experte Hans-Jürgen Schröder haben mich maßgeblich geprägt.

Dem Mammon des PC-Zeitalters verfallen

Ich bin dann der Verlockung des Mammon und der aufkommenden PC- und Software-Welt erlegen und in Public Relations, Marketing und Kommunikation für IT-Unternehmen verschiedenster Größen gelandet. Die letzten rund 30 Jahre habe ich mit oder direkt für US-amerikanische Firmen aus der Branche gearbeitet. Während der gesamten Zeit habe ich immer geschrieben, für Zeitschriften und Magazine, E-Mail-Newsletter, den Internetauftritt des eigenen Unternehmens, Videos und Podcasts produziert und moderiert.

Der erste Beitrag dieses Blogs datiert aus 2009, als mich mein damaliger Kollege Thorsten Zoerner motiviert hat, mit Posterous einen eigenen Notizblock zu starten. Seitdem gibt es den Blog, zuerst als digitalnaiv.com, dann als Stefanpfeiffer.blog. Die Themen meiner Beiträge sind vielfältig, oft natürlich auch durch meine verschiedenen Jobs und Schwerpunkte geprägt. Lange Jahre haben die Themen Bürokommunikation, Digital Workplace, Knowledge Management, Kollaboration, Social Media und Home Office den Blog dominiert.

Meine Renaissance politischer Themen

Seit einiger Zeit gibt es eine thematische Renaissance der politischen Themen, und die Gründe dafür sind offensichtlich: der erneute Aufstieg rechtsextremen Gedankenguts in Deutschland, der Aufstieg einer gesichert rechtsextremen Partei zu nicht vorstellbaren Wahlergebnissen, die Ent-Vernünftigung der Diskussion und des Verhaltens in den sozialen Medien, aber auch im Alltag, eine Verrohung der Sprache und des Umgangs sowie der fehlende Respekt vor anderen Individuen. Das I-Tüpfelchen war sicher die erneute Wahl von Donald Trump und das Abdriften der USA in eine Autarkie.

All das beobachte ich mit großer Besorgnis und auch mit Abscheu. Und natürlich ziehe ich unwillkürlich Parallelen zur Weimarer Republik und dem Aufstieg des Nationalsozialismus. Das kann man doch alles nicht vergleichen, musste ich mir in den sozialen Medien gerade kürzlich wieder anhören, als ich einen FAZ-Beitrag teilte, in dem berichtet wird, dass es 1930 auch einen Versuch gab, die NSDAP zu verbieten, dies aber abgewehrt wurde, da Brüning glaubte, sie politisch stellen zu können. Hat ja damals hervorragend geklappt … Und heute? Wer sich mit Weimar und den Untaten und Folgen des Nationalsozialismus beschäftigt hat, kann heute nicht schweigen.

Propaganda und Lügen: Viele Mechanismen sind gleich wie in dunklen deutschen Zeiten

Ja, das Zeitalter der asozialen Medien ist nicht mit dem Volksempfänger von damals zu vergleichen. Wir haben wieder einen Strukturwandel der Öffentlichkeit. Doch die AfD und ihre Kompagnons nutzen sprachlich und mit ihren Lügen und Fake News ganz ähnliche Mechanismen, wie sie von einem Goebbels und seinen Helfershelfern angewandt wurden. Es geht nicht um einen Eins-zu-eins-Vergleich, es geht aber darum, die oben erwähnten Mechanismen und Lügen offenzulegen und anzuprangern.

Dieses Blog, dieser Blog wird die Welt nicht retten, aber es ist für mich ein Platz, um für Demokratie und Respekt einzutreten und doch die ein oder andere Person zu erreichen und auch Weggefährten zu finden. 1933 (und vorher) haben sich die Demokratinnen und Demokraten viel zu wenig gewehrt und ihren Mund nicht aufgemacht. Das können und sollten wir uns heute nicht wieder leisten. Wieder so ein Vergleich – zu dem ich auch stehe, gerade als Baby Boomer, der im Wohlstand der Bundesrepublik aufgewachsen ist.

Wir müssen uns wehren – auch durch ein Blog

Ja, es scheint, dass wir viele nicht mehr mit Fakten und einer sachlichen Diskussion erreichen können. Ich schüttele nur immer wieder mein Haupt, welche queren Hirngespinste und Verschwörungstheorien in den Köpfen herumschwirren, wie tief das Schamlevel gesunken ist und wie hoch die Bereitschaft zur Gewalt gegen Andersaussehende und Andersdenkende mittlerweile ist. Wenn ich manches Un-Gedankengut höre, schaudert es mich nur.

Als jemand, der an Vernunft, Logik und Empathie glaubt, ist es nur zu oft zum Verzweifeln. Hannes Ringlstetter hat einmal in einer seiner Talkshows gesagt, in Deutschland gibt es 20 Prozent Idioten, die man mit Vernunft nicht erreichen kann. Er hat wahrscheinlich recht; wahrscheinlich sind es sogar mehr. Umso mehr gilt es, auch mit noch so bescheidenen Mitteln für Fakten, die Wahrheit, Respekt, Toleranz, ein friedliches, demokratisches Miteinander und Aufklärung ein- und aufzutreten. Ich weiß, das ist idealistisch, aber ich stehe dazu. Langer Blogbeitrag, kurzer Sinn: Das ist ein, vielleicht der maßgebliche Grund, warum ich weiter blogge.

Fediverse Reactions

Comments

2 Antworten zu „Bloggen als Haltung: Eintreten für Demokratie, Aufklärung und Respekt”.

  1. Unsere Lebensgeschichten sind zwar unterschiedlich, aber die Gedanken, die du hier geteilt hast, könnten genauso gut auch von mir sein. Es ist toll, dass es Leute gibt, die diesen Standpunkt vertreten, auch unter uns Bloggern. Ich sage das nicht, um jemanden zu beleidigen, aber ich weiß, dass es manche nicht so sehen werden bzw. die Themen stinklangweilig und potenziell gefährlich finden.  

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  2. […] Bloggen als Haltung: Eintreten für Demokratie, Aufklärung und Respekt – StefanPfeiffer.Blog […]

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