Das Bild zeigt eine geteilte Szene: Links saugt eine vampirartige KI-Figur einem Menschen sichtbar Energie ab, während rechts ein humanoider Roboter souverän einen Tennisball am Netz returniert. Die linke Seite wirkt fragmentiert und chaotisch, während die rechte Seite klar strukturiert und kontrolliert erscheint. Die Illustration stellt so den Kontrast zwischen menschlicher Erschöpfung und maschineller Effizienz pointiert und leicht humorvoll dar.

Der KI-Vampir auf der Arbeit – der KI-Roboter auf dem Tennisplatz

Für Euch kuratiert: Schon wieder bin ich auf einige Artikel rund um KI gestoßen, die ich für erwähnenswert und kommentierenswert halte. Da geht es um den neuen Kollegen im Büro, der wie ein Vampir unsere Hirn aussaugt. Warum eigentlich den Kollegen und nicht die Kollegin? Judith Peters schwärmt davon, wie genial die KI Claude von Anthropic fürs Bloggen ist. André Mensch vom französischen Anbieter Mistral war im Interview mit dem Deutschlandfunk. Und schließlich spielt die KI jetzt auch Tennis, wahrscheinlich sogar deutlich besser als ich. Das trifft ins Herz.

  1. Der Vampir: Wenn KI unser Hirn einfriert
  2. Bloggen: Wenn den ach so perfekten Texten die Kanten fehlen
  3. Mistral: Warum wir eine europäische Alternative brauchen
  4. Humanoide Roboter: Wenn der Tennispartner plötzlich ein Algorithmus ist

Der Vampir: Wenn KI unser Hirn einfriert

Sowohl Marcus Schuler in der FAZ wie auch Jens Polomski in seinem KI-Newsletter widmen sich einem Thema, das uns alle stresst oder stressen könnte, denn … der neue Kollege im Büro ist ein Vampir. Er arbeitet schneller als alle anderen, braucht keinen Schlaf und produziert unermüdlich neue Texte, Bilder und neuen Code. Doch wie bei Vampiren üblich, hat auch dieser einen Preis: Er ernährt sich von menschlicher Energie.

Ich merke das auch selbst, beispielsweise wenn ich durch ChatGPT die Titelbilder für meine Blogbeiträge erstellen lasse. Oft finde ich kein Ende, weil das aus meiner Sicht noch immer nicht „perfekt“ ist. Also noch eine Iteration und noch eine Iteration. Dem Thema widmet sich Jens im Newsletter und stellt Regeln auf, wie man „Brain Fry“, mentaler Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und Entscheidungsüberlastung vermeiden kann.

Ihr ahnt, um was es geht: Generative KI.

Früher verbrachten Entwickler Stunden damit, ein Problem zu durchdenken und
eine Lösung zu bauen. Heute spuckt die KI in Minuten Vorschläge aus – und der 
Mensch wird zum Gutachter am Fließband. Prompt schreiben, Output lesen, 
beurteilen, korrigieren, neu prompten – eine Endlosschleife aus Prüfen, Bewerten 
und Entscheiden. Das stresst. Nicht nur Entwickler.

Er zitiert eine Studie von BCG und der University of California in Riverside, die ein interessantes Paradox zeigt: Wird KI gezielt für Routineaufgaben eingesetzt, sinkt das Burnout-Risiko um etwa 15 %. Gleichzeitig berichten rund 14 % der Nutzer von besagtem „Brain Fry“. Der Auslöser ist dabei meist nicht die KI selbst, sondern ihre Nutzung: ständiger Wechsel zwischen Tools, permanentes Prüfen von KI-Ergebnissen und der Druck, mit dem unerschöpflichen Output der Maschinen Schritt zu halten. Die KI kennt keine Pausen. Der Mensch braucht sie. Der Vampir wird nicht müde. Der Mensch schon. Wir müssen uns und der KI Grenzen setzen.

Übrigens haben laut Search Engine Journal Marketer den höchsten „AI brain fry“ aller Berufe. Ein Pokal🏆, den wir eigentlich nicht haben wollen.


Bloggen: Wenn den ach so perfekten Texten die Kanten fehlen

Gerade enthusiastisch ist der Artikel von Judith Peters über den Einsatz von KI – konkret Claude – als Schreib- und Denkassistent für Blogger und Bloggerinnen. Sie beschreibt „10 geniale Wege“, wie wir KI nutzen können und sollten, von der Themenfindung bis zum Texten, SEO und GEO optimieren und Social-Media-Teaser formulieren.

Viele der Dinge, die sie beschreibt, habe ich auch „gepromptet“ – in ChatGPT und in Perplexity. Und die entsprechenden Spaces oder GPTs sind in der Tat sehr nützlich, aber „genial“? Ich habe sie bewusst „Redaktionsassistenten“ getauft. KI ist ein Werkzeug, kein Zaubertrick. Der Unterschied entsteht nicht durch „geniale Wege“, sondern durch den eigenen Anspruch an Texte. Persönlichkeit, Brüche, eigene Sprache – all das lässt sich nicht wirklich automatisieren und braucht zumindest Nacharbeit.

Vielleicht wird in einer Welt voller glattgebügelter KI-Texte der unperfekte, eigenwillige Ton plötzlich zum Differenzierungsmerkmal? Wer komplett auf KI setzt, verliert am Ende an Wiedererkennbarkeit. Die Zukunft des Bloggens und Schreibens generell gehört nicht den besten Prompts, sondern denjenigen, die KI bewusst nutzen und sie gleichzeitig begrenzen – und sich den letzten, entscheidenden Schritt selbst vorbehalten.


Mistral: Warum wir eine europäische Alternative brauchen

Im Deutschlandfunk bin ich auf einen Artikel über und ein Interview mit dem Mistral-Mitgründer Arthur Mensch gestoßen. Mistral scheint der einzig verbliebene halbwegs ernsthafte Wettbewerber zu den großen US-amerikanischen KI-Anbietern zu sein. Seit geraumer Zeit verfolge ich, was rund um das Unternehmen passiert, und nutze auch regelmäßig Le Chat, das ChatGPT des französischen Herstellers. Le Chat ist so etwas wie das Schaufenster: ein Beweis, dass europäische KI nicht nur im Backend existiert.

Mensch macht im Interview sehr deutlich, dass der eigentliche Hebel von KI nicht im Consumer-Spielzeug liegt, sondern in Unternehmen. Mistral positioniert sich bewusst nicht als ChatGPT-Klon, sondern als Anbieter von KI für den produktiven Einsatz: Systeme, die tief in Unternehmensdaten, Prozesse und Tools integriert sind, eine europäische Gegenmacht zu US-Techgiganten wie Google oder OpenAI. Das Rezept: Open-Source-Modelle, die Unternehmen selbst hosten und anpassen können – ohne Daten an US-Clouds zu verlieren.

Europa, so Mensch, muss aufhören, sich als technologischen Zwerg zu sehen, und stattdessen öffentliche Nachfrage schaffen – also gezielt in europäische KI investieren, statt US-Lösungen zu kaufen. Wenn nur zwei oder drei KI-Anbieter bestimmen, welche Inhalte Nutzer:innen erhalten, wird KI zum Werkzeug politischer Einflussnahme – besonders in Wahlkampfzeiten.

Seine Forderung ist klar: Europäische Verwaltungen und Unternehmen sollten gezielt in Anbieter wie Mistral investieren, um ein eigenes Ökosystem aufzubauen. Meine Forderung und Meinung: Mistral selbst muss Le Chat stärker in den Markt bringen, um auch Endanwendern bekannter zu werden. Ja, das fordert natürlich Investitionen. Schon länger haben Lars und ich Mistral und Le Chat auf unserer Themenliste bei #9vor9. Ich denke, es wird jetzt wirklich Zeit, das Unternehmen und seine Angebote einmal vorzustellen.


Humanoide Roboter: Wenn der Tennispartner plötzlich ein Algorithmus ist

Und schließlich zu meinem letzten Thema der Woche: Fünf Stunden Amateurtennis, ein paar wackelige Vorhandschläge und ein Haufen unkoordinierter Seitwärtsbewegungen – und schon steht der Roboter am Netz und spielt Ballwechsel wie ein Hobbyspieler nach dem dritten Bier. Chinesische Forscher haben bewiesen, dass ein humanoider Roboter mit den Bewegungsdaten von fünf Freizeit-Tenniscracks mehr anfangen kann als so mancher Mensch mit jahrelangem Training.

Die Forscher haben nicht nur bewiesen, dass der Unitree G1 Roboter Tennis spielen kann, sondern dass er es mit unseren Fehlern lernt. Er bewegt sich halbwegs natürlich und hat eine 96-prozentige Erfolgsquote bei Vorhandschlägen. Was bedeutet das für uns Tennisspieler? Wenn selbst ein Roboter mit fünf Stunden Amateur-Tennis mehr erreicht als so manche teure Trainerstunde, wird dann bald der lokale Tennislehrer durch einen Algorithmus ersetzt? Von der Ballmaschine zum humanoiden Tennis-Roboter, der uns trainiert?

Wenn beim nächsten Mal mein Ball mal wieder im Netz landet, habe ich zumindest einen Trost. Irgendwo lernt gerade ein Roboter aus genau diesem Fehlschlag. Und in der Zwischenzeit werde ich die Trainerstunden und Matches mit meinen Tennispartnerinnen und -partnern beim TCB in Bessungen weiter in meiner ganzen Unperfektion genießen – ganz besonders das Après-Tennis. In diesem Spiel, Satz und Sieg. Hier geht es zum Artikel von Marcus Schwarze in der FAZ (leider hinter der Bezahlschranke).

Fediverse-Reaktionen

Comments

Kommentar verfassen

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Regelmäßig informiert bleiben?
StefanPfeiffer.Blog

Jetzt abonnieren, um informiert zu bleiben und alle Beiträge im Zugriff zu haben.

Fortfahren