Die Illustration zeigt eine diagonale, rot verschwimmende Übergangszone zwischen zwei Zuständen: links eine dichte, hellgraue Welt aus Überwachung, Datenabfluss und gebrochenen Sicherheitsmechanismen. Rechts öffnet sich ein größerer, grüner Raum, in dem ein Laptop von vernetzten, autonomen KI-Agentenarmen und einem zentralen „Gehirn“-Knoten gesteuert wird. In der Mitte verbindet das stilisierte Claude-Logo beide Seiten und markiert die ambivalente Schnittstelle zwischen Risiko und kontrollierter Automatisierung.

Claude von Anthropic testen: Stark im Alltag, Vorsicht bei KI-Agenten

Ich bin und bleibe neugierig, also habe ich mir nach Perplexity, ChatGPT, Gemini und Le Chat Claude von Anthropic angeschaut. In zahlreichen Beiträgen habe ich viel Gutes über die Tools und das Unternehmen gehört. Einer der wenigen KI-Anbieter, der in den USA die Eier hat, sich gegen die ungehinderte Nutzung von KI durch das Pentagon und die Trump-Administration zu wehren. Und ein US-KI-Anbieter, der sich nach der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) richtet. Hört sich gut an.

Claude im Browser: Der erste Eindruck zählt

Also Claude im Browser aufgerufen, einige Tage später Claude Cowork lokal auf meinem Mac installiert. Schon im Browser macht Claude einen guten Eindruck bei einer der Standardaufgaben, die ein LLM bei mir erledigen soll: Analysiere ein Transkript unseres Podcasts #9vor9 und erstelle mir daraus einen Vorschlag für einen Blogbeitrag in meinem typischen Stil. Arbeite Zitate ein, wenn diese verifiziert sind. Claude liefert mir hier gute Ergebnisse (auf Augenhöhe mit Le Chat), während ich mit ChatGPT immer noch hadere. Das Tool von OpenAI will einfach nicht mit Fließtext in Blöcken arbeiten, so wie es typisch für mein Blog ist.

Ich habe dann auch weitere meiner Prompts in Claude als Skills angelegt – unterdessen eine typische Vorgehensweise, wenn ich solche Tools ausprobiere. So kann ich sehen bei welchem Prompt, welche KI welches Ergebnis liefert und das bewerten. Claude macht einen durchgängig guten Eindruck und die Skill-Methodik stellt sicher, dass Aufgaben im Kontext abrufbar sind (zum Beispiel erstelle ein Titelbild in meinem Stil für den Blogbeitrag). Die Aufgabe, einen Blogbeitrag auf Vollständigkeit zu prüfen, d.h. sind eine gute Überschrift, Zwischenüberschriften, Hashtags, Kategoriezuordnung, Message für Social Media, Teaser und Titelbild da, erledigt Claude mit Bravour und macht auch gleich Vorschläge, wenn etwas fehlt oder vielleicht falsch zugeordnet ist, ergänzt beispielsweise passende Tags.

Eine wirklich hilfreiche Arbeitserleichterung. Auch die simple Anweisung prüfe den gesamten Text auf Tipp- und Rechtschreibfehler erledigt Claude zuverlässig, zeigt mir Fehler an und fragt, ob es diese gleich beseitigen soll. Sehr komfortabel. Vorbildlich und hilfreich. Da kann sich WordPress mit seinen eigenen KI-Funktionen mehr als eine Scheibe abschneiden.

Claude Cowork: Wenn die KI deinen Mac übernimmt

Claude hat also in der ersten Woche in den Basics, die ich mit allen LLMs durchprobiert habe und probiere, überzeugt. Dann habe ich mich durchgerungen, Claude Cowork auf meinem Mac zu installieren, wodurch ich lokal auf meinem Mac Aufgaben ausführen lassen kann. Warum durchgerungen? Das war dann auch eine neue, beeindruckende Erfahrung. Ich habe mit einer einfachen Aufgabe angefangen: Säubere meinen Download-Ordner, suche Bilddubletten heraus und belasse nur die letzte Version im Ordner. Das hat Claude überzeugend erledigt.

Also habe ich weiter experimentiert und Claude als sogenannten MCP für WordPress.com, wo mein Blog gehostet ist, aktiviert. Hier bin ich schnell über die üblichen Aufgaben rund um Texterstellung hinaus gegangen. So sollte Claude Cowork die Kategorien und Tags auf stefanpfeiffer.blog überarbeiten und optimieren, etwas, was immer zu kurz kommt, weil es bisher manuelle Arbeit war. Und siehe da, Claude Cowork hilft dabei beeindruckend und erledigt viele Aufgaben schnell und zuverlässig. So ist die Anzahl meiner Tags nicht nur deutlich geschrumpft, es wurden auch ähnliche Begriffe konsolidiert.

Was ist im Grunde besonders an Claude und Claude CoWork? Der eigene Rechner – derzeit nur ein Mac – mit all seinen Daten und Dokumenten, verschiedene Apps, die man nutzt – von PayPal über den AWS Marketplace bis zu den Google Tools wie dem Kalender – kann mit der Claude KI integriert genutzt werden. Das Neue und Besondere an CoWork ist, dass Prozesse automatisiert und wiederkehrend ablaufen sollen, ohne dass man aktiv dabei sein muss: lokale Dateien lesen und schreiben, Ordner verwalten, zeitgesteuerte Abläufe — der Rechner arbeitet unabhängig von uns Aufgaben ab. Ich übergebe dabei wenn nötig die Steuerung von Maus und Tastatur an Claude, dass dann autark an meinem MacBook arbeitet – ohne mein Zutun. Die Aufgaben, die CoWork bearbeitet, können in Theorie und Praxis beliebig komplex werden: die komplette Reisebuchung inklusive aller finanziellen Transaktionen und notwendigen Passdaten.

Vollzugriff auf meine Daten? Komfort hat seinen Preis

Vielleicht kann Claude sogar die jährliche Steuererklärung vorbereiten, wenn ich Claude auf meine Daten Zugriff gebe, meine Lohnzettel, Rechnungen in meiner Mail, Spenden, Spesen auf meiner Festplatte oder in meiner Mail. Die Daten können gesammelt, analysiert und zusammengeführt werden, ohne dass ich selbst etwas tun muss – außer halt Claude Zugriff auf meine Daten zu geben. Genau da liegt die Krux.

Denn weiß ich wirklich, was mit meinen Daten geschieht? KI-Chatbots und -Agenten haben in den vergangenen Monaten zunehmend Anweisungen umgangen, Menschen getäuscht und Sicherheitsvorkehrungen umgangen. Eine Studie zeigt einen Anstieg betrügerischen Verhaltens um das Fünffache zwischen Oktober 2025 und März 2026. Wissenschaftler befürchten, dass sich dieses Verhalten auf zukünftige KI-Modelle ausweiten könnte, die Führungsentscheidungen treffen. Studie, die dem englischen Guardian vorliegt.

Also: Trotz aller Möglichkeiten mit Hilfe von Claude, lästige Routineaufgaben abzuwickeln, die ich sehr ungerne erledige: Ich werde Claude und keinem anderen Tool derzeit Zugriff auf alle meine Dokumente und Daten weder auf meinem Rechner noch in der Cloud geben. Eine KI, die auf mein Konto Zugriff hat? Da graut mir und es gibt noch viele andere Daten auch über Freunde und Bekannte, die eine KI nichts angehen. Derzeit sehe ich noch keine KI, die mir so vertrauenswürdig erscheint, dass ich ihr diese Daten übergeben würde.

QuitGPT und der Pentagon-Streit: Anthropics Aufstieg zur „ethischen Alternative“

Warum ist Anthropic überhaupt genau jetzt verstärkt ins Scheinwerferlicht gerückt? Ein Grund sind sicher die beeindruckenden Fähigkeiten auf dem lokalen Rechner, die KI-Agenten und die hohe Qualität bei den Antworten und der Formulierung von Texten. Ein anderer Grund ist wieder einmal Donald Trump. Also die Trump Administration.

Der Konflikt zwischen Anthropic und dem Pentagon eskalierte Ende Februar 2026, als sich das KI-Unternehmen unter CEO Dario Amodei weigerte, einen 200-Millionen-Dollar-Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium zu unterzeichnen, da die Technologie nicht für tödliche autonome Operationen oder Massenüberwachung eingesetzt werden sollte. Als direkte Reaktion stufte das Pentagon Anthropic offiziell als „Risiko für die nationale Lieferkette“ ein – eine drastische Maßnahme, die üblicherweise gegen Firmen aus rivalisierenden Staaten wie China verhängt wird.

Während Anthropic auf seine ethischen Prinzipien beharrte, nutzte der Konkurrent OpenAI die Situation, lockerte seine bisherigen Verbote für militärische Nutzung und schloss im Februar 2026 einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium ab. Dieser Schritt löste jedoch eine massive Gegenbewegung unter dem Schlagwort „QuitGPT“ aus: Über vier Millionen Nutzer kündigten ihre Abos bei OpenAI, während die Downloads für Anthropics Chatbot Claude sprunghaft anstiegen und diesen in den USA an die Spitze der App-Charts katapultierten, da das Unternehmen nun weithin als die „ethische Alternative“ wahrgenommen wurde. Diese Welle ist unterdessen etwas abgeflaut, hat aber zu anderen Nebeneffekten geführt.

Token-Limits und Kostenfallen: Die Kehrseite des Hypes

Der Hype um Claude fordert seinen Tribut: Seit Anfang 2026 haben sich die Nutzerzahlen verdreifacht, was die Infrastruktur regelmäßig in die Knie zwingt und zu Ausfällen führt. Um die Last zu bewältigen, hat Anthropic die Daumenschrauben angezogen: Besonders in den europäischen Stoßzeiten zwischen 14 und 20 Uhr werden die 5-Stunden-Sitzungslimits deutlich schneller verbraucht, was die Arbeit vieler Nutzer empfindlich stören kann – auch meine Arbeit.

Zur technischen Hürde gesellt sich eine versteckte Kostenfalle: Wer Claude intensiv für komplexe Aufgaben wie die WordPress-Anbindung oder MCP-Connectors nutzt, erreicht durch den enormen „Token-Verbrauch“ dieser Funktionen oft in kürzester Zeit sein wöchentliches Limit. Und dann kostet es extra … Ich war (und bin) von Claude und seinen Möglichkeiten beeindruckt. Diese Begeisterung wurde genau an dieser Stelle deutlich gedämpft: Ich kann nicht weiter arbeiten, nur wenn ich nochmals mehr zahle.

DSGVO-konform? Für Blogger nur auf dem Papier

Und dann ist da noch die Sache mit dem Datenschutz. Anthropic ist der US-amerikanische Anbieter, der damit argumentiert, der Datenschutzgrundverordnung DSGVO gerecht zu werden. Jedoch können persönliche Konten, einschließlich der kostenpflichtigen Pro-Version, derzeit nicht DSGVO-konform betrieben werden. Für die Anthropic Free- und Pro-Accounts, die als reine Verbraucherprodukte eingestuft hat, wird kein sogenannter Auftragsverarbeitungsvertrag angeboten – selbst die hochpreisige „Max“-Variante für 100 Dollar bietet keine entsprechende Absicherung.

Eine DSGVO-konforme Nutzung ist erst ab dem „Team-Plan“ möglich, der jedoch eine Mindestabnahme für fünf Personen erfordert und somit eine bezahlbare Lösung für Solo-Selbstständige vermissen lässt. Einzelunternehmer und Blogger können auch mit Claude in die Datenschutz-Problematik hineinlaufen, da die Eingabe von Kundendaten, E-Mail-Adressen oder sensiblen Kommentaren ohne die notwendige Vertragsgrundlage einen Datenschutzverstoß darstellt. Vielleicht ist das für mich nur ein Randthema, weil ich Claude eh nicht auf diese Daten loslassen möchte. Und ich möchte auch nochmals betonen: Die anderen US-Anbieter bieten diesbezüglich keine Alternativen an.

Besser, aber kein Gut-Konzern: Wer wirklich hinter Anthropic steckt

Anthropic ist mir erst einmal sympathisch, aber … Hinter Anthropic — dem Unternehmen, das Claude entwickelt — steht ein bemerkenswert breites Investorenfeld: Amazon hat bis zu vier Milliarden Dollar investiert und ist damit einer der größten externen Geldgeber, Google hält rund 14 bis 15 Prozent der Anteile, und auch Microsoft und Nvidia sind seit November 2025 mit bis zu 15 Milliarden Dollar an Bord — dazu kommen Staatsfonds wie der Qatar Investment Authority, der singapurische GIC und das Abu Dhabi-Vehikel MGX, sowie klassische VC-Größen wie Sequoia Capital, Founders Fund und General Catalyst.

An der Spitze steht CEO Dario Amodei, der das Unternehmen 2021 gemeinsam mit seiner Schwester Daniela gründete, nachdem er als Forschungsdirektor OpenAI verlassen hatte — explizit weil er das Microsoft-Großinvestment dort ablehnte und einen stärkeren Fokus auf KI-Sicherheit anstrebte; Anfang 2026 wird Anthropic mit 380 Milliarden Dollar bewertet, nachdem das Unternehmen insgesamt 67,3 Milliarden Dollar eingesammelt hat.

Fazit: Ein nützliches Werkzeug — kein Heilsversprechen

Dieser Beitrag war ein langer Ritt — vom persönlichen Alltagstest über den Konflikt mit dem Pentagon bis hin zu Investorenstruktur und DSGVO-Realität. Und das Fazit fällt entsprechend differenziert aus. Machen wir uns nichts vor: Anthropic ist kein Gut-Konzern. Wer Amazon, Google, Microsoft, Nvidia und arabische Staatsfonds auf der Investorenliste hat und Geschäfte mit dem US-Verteidigungsministerium macht, kann sich nicht ernsthaft als ethische Alternative vermarkten — auch wenn das Pentagon-Narrativ für Schlagzeilen gesorgt hat. Vielleicht ist Anthropic etwas weniger schlimm als die anderen US-KI-Giganten, auch beim Thema DSGVO, aber das ist eine niedrige Messlatte.

Was mich persönlich überzeugt hat, ist das Werkzeug selbst: Claude leistet beim Texte erstellen, analysieren und korrigieren zuverlässig gute Arbeit, die Integration mit WordPress.com funktioniert beeindruckend gut — von der Textproduktion über den Redaktionsplan bis zur Pflege von Kategorien und Tags. Und ja, mir fallen durchaus viele Agenten-Szenarien ein, die mir lästige Routinearbeiten abnehmen könnten. Aber hier werde ich größte Sorgfalt walten lassen: Claude Cowork bekommt keinen Vollzugriff auf meine Daten, und ich werde meinen Rechner auch nicht fernsteuern lassen. Dafür bin ich schlicht noch zu misstrauisch — und das halte ich für eine gesunde Haltung.

In den kommenden Wochen werde ich weiter mit Claude arbeiten. Ob das Tool für einen einzelnen Blogger wirklich die richtige Wahl ist, steht für mich noch nicht fest. Es ist wohl eher für Teams geeignet, Funktional: vielleicht ja. Vom Preis her, spätestens wenn die Token-Limits und Session-Beschränkungen zuschlagen: eher fraglich. Die Antwort darauf werde ich euch erst einmal schuldig bleiben.


PS: Nicht angeschaut habe ich mir Claude for Chrome — schlicht deshalb, weil ich seit Jahren keinen Chrome-Browser nutze. Da scheint es interessante Optionen zu geben, relevante Quellen zu sammeln und zu einem Dokument oder Blogbeitrag zu konsolidieren. Und noch eine Lücke in meinem Test: Claude Code, das Werkzeug für Entwicklerinnen und Entwickler, habe ich mir erst gar nicht angeschaut — Programmieren ist (zumindest derzeit und wahrscheinlich nie) meine Welt.

Hintergrundpräsentation

Hier noch eine Hintergrundpräsentation, die auf Basis meiner Quellen erstellt wurde:

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