Der Pokal gehört ihnen Trump als stilisierte Karikatur oben auf dem WM-Pokal, Infantinos runder Kopf als Fußball zu seinen Füßen.

Das WM-Tippspiel: Steht der Sepp oder der Otto im Tor?

Die Tage hat jemand aus meinem Umfeld folgende nahe liegende Idee: Lasst uns doch ein WM-Tippspiel machen. Die großen Spiele in Trumps Amerika sind ja nicht mehr weit weg. Und ich kann es kaum erwarten, wie Infantino wieder Donald Nero Trump huldigt. Grund genug, dass es seit langer Zeit hier im Blog wieder einmal einen, nein sogar zwei Beiträge zum Thema Fußball gibt.

Ein Tippspiel anlässlich dieser WM ist auf jeden Fall nicht mein Ding, „ganz egal was die andern sagen“. (Kleine Huldigung an den gerade 80 Gewordenen.) Für mich ist die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 von Trumps und Infantinos Gnaden schon lange abgehakt — nicht aus Desinteresse am Fußball. Diese WM findet in einem Land statt, das ich nicht mehr wieder erkenne. Es ist reine Geldmacherei, noch konsequenter als zu Blatters Zeiten. Das Thema habe ich schon Anfang des Jahres hier thematisiert. Und natürlich macht der DFB bei all dem fröhlich mit.

Das Turnier, das keiner braucht — außer Trump und Infantino

Die WM 2026 ist – wie ich geschrieben habe – für Donald Trump ein Geschenk in XXL. Nachdem im ersten Jahr seiner Amtszeit elf Millionen Touristen weniger in die USA gereist sind und 50 Milliarden Dollar Einnahmen fehlten, kommt ihm das Turnier wie gerufen — 500 Millionen Ticketanfragen, mit Deutschland ganz vorne bei den Begehrlichkeiten.

Diese WM ist kein Sportturnier mehr. Sie ist ein geopolitisch aufgeladenes Geschäftsmodell mit Ball, und die FIFA unter Gianni Infantino — Trumps gutem Freund — zieht dabei alle Register. Ein WM-Ticket für Deutschland gegen Curaçao kostet auf dem offiziellen FIFA-Weiterverkaufsportal inzwischen 880 Euro, plus 15 Prozent Gebühr. Der Weltverband kassiert mit. Das ist organisierte Abzocke mit Gütesiegel.

In Deutschland hat vor allem St.-Pauli-Präsident und DFB-Vize Oke Göttlich die Debatte über einen möglichen Boykott der WM 2026 angestoßen. Mit Verweis auf Donald Trumps Politik in den USA fragte Göttlich öffentlich, ob ein Turnier in diesem politischen Klima noch mit den vielbeschworenen Werten des Fußballs vereinbar sei – und erklärte, für ihn sei der Zeitpunkt „definitiv gekommen“, konkret über einen Boykott nachzudenken und zu reden.

Ein Aufschrei beim DFB

Und der DFB? DFB-Präsident Bernd Neuendorf wies den Vorstoß brüsk zurück, sprach von einer Debatte „zur Unzeit“, betonte, ein Boykott sei „kein Thema“, und verwies darauf, solche Fragen gehörten in die internen Gremien. Rückendeckung bekam Neuendorf natürlich von DFL-Aufsichtsratschef Hans‑Joachim Watzke, der die Boykott-Diskussion „zum jetzigen Zeitpunkt“ für verfehlt erklärte. Business as usual. Der Dollar muss rollen. Und unser aller Rudi stimmt mit ein. Bringt alles nichts, meint er gewohnt volkstümlich. Die armen Fußballer können doch nichts dafür.

Und auch die Politik stellt sich an die Seite von DFB und DFL: Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein machte nach interner Abstimmung der Bundesregierung klar, dass man Boykott-Pläne nicht unterstütze – „das unterstützen wir nicht“ –, weil der Sport aus ihrer Sicht nicht für außenpolitische Signale gegenüber den USA instrumentalisiert werden dürfe. Und natürlich denken alle nur an die Sportler, denen man diese einmalige Chance nicht nehmen will. Es geht nicht ums Geld. Rein gar nicht. Käse gegessen, Klappe zu. Affe tot.

Der Ball ist rund. Infantinos Kopp auch. Und ich werde nicht tippen und wohl auch sehr selektiv – wenn überhaupt – zuschauen.

Nagelsmann, Neuer und das unwürdigste Schauspiel der Saison

Dabei hätte ich mich gerne abgelenkt. Doch schon liefert der DFB in Person von Julian Nagelsmann das nächste Trauerspiel, diesmal in der Torwartfrage. Die Fußball-Nachricht dieser Woche: Manuel Neuer, 40 Jahre alt, kehrt wohl in die Nationalmannschaft zurück und wird Nummer 1 bei der WM — obwohl er nach der EM 2024 ausdrücklich zurückgetreten war. Obwohl Nagelsmann monatelang gebetsmühlenartig versichert hatte, Oliver Baumann sei seine Nummer eins. Obwohl Baumann die gesamte WM-Qualifikation im Tor stand, verlässlich und ohne Skandal.

Und dann ein Anruf — und Baumann ist Nummer zwei. Der Typ, der nie eine andere Info hatte, sitzt jetzt auf der Bank. Das ist kein Führungsstil. Das ist nicht nur ein Kommunikationsfiasko, wie t-online es treffend nennt. Man mag ja Neuer in einem WM-Turnier haben wollen. Er ist noch immer ein guter Torhüter. Aber die Art und Weise ist inakzeptabel. Baumann wurde verarscht. Glaubwürdigkeit endgültig verloren.

Der Postillon hatte übrigens schon die bessere Lösung parat: Nagelsmann soll doch gleich Sepp Maier (82) reaktivieren. Baumann stünde als Nummer 2 bereit — falls Maier sich verletzt. Ich habe aber den noch bessern Vorschlag! Otto ins Tor. Wenn schon ein rüstiger Torwart-Rentner reaktiviert werden soll, dann doch bitte mein Torwartidol Wolfgang Kleff. Die Älteren wissen noch, warum Sepp Maier keine Dackel mag. Die kläffen nämlich immer so komisch: Kläff-Kläff-Kleff. Der Konkurrenzkampf zwischen Maier und Kleff in den siebziger Jahren … Und schon ist die Brücke zu meinem Herzensverein geschlagen. Mit dem befasse ich mich in Teil 2 meiner Fußball-Bloggerei.

Unvergessen. Der einzig wahre Nero …

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