On the far left, two iconic, reduced human silhouettes inspired by Willy Brandt and Helmut Schmidt appear oversized and cropped by the frame, their heads and shoulders filling the left third of the image. They are flat, angular, geometric, without facial detail, calm and authoritative. Behind, around, and partially overlapping them, media symbols are very large and layered, some cut off by the image edges: a 1970s television, radio, magazine cover, protest placards, microphones. Interwoven densely among them are contemporary, unbranded social media symbols—speech bubbles, play buttons, feed blocks, network nodes—scaled large and pressing into the composition, clearly signaling the present. Green accents (#1FA463, #2ECC71) are meaningful but controlled, embedded in these symbols. At the center, a towering red SPD rose (#C4161C, strictly limited in color coverage but visually dominant) erupts from the timeline. The rose is tall and forceful, with petals, stem, and leaves extending into multiple thirds of the frame, some elements cropped by the top and bottom edges. Petals fall in larger shapes, cutting through the composition diagonally and occupying real visual mass. Beneath the rose, the timeline fractures violently, cracks spreading wide and deep across the slab. The SPD wordmark runs oversized along the timeline, initially bold and intact, then aggressively fragmented as it moves rightward. Letters break apart, tilt, and partially fall into the cracks, some cropped by the lower edge of the frame. On the right side, the image remains dense and cropped: the Bundestag appears large, broken, and partially out of frame. Empty modern media frames and screens are oversized, hollow, and layered, filling space while signaling absence and erosion. The timeline thins but still occupies physical space as it fades into pale grey #F2F2F2. Green accents are faint but persistent, acting as residual structure rather than optimism.

Aufgewachsen mit Brandt und Schmidt: Ein Baby Boomer blickt auf die SPD von heute

Die Tage habe ich einen Beitrag geschrieben, warum ich glaube, dass wir die SPD weiter brauchen – trotz des aktuell traurigen Zustands der Sozialdemokraten. Manche (auch ich selbst) fragen sich: Bin ich ein Nostalgiker, ein Träumer, ein der-angeblich-guten-alten-Zeit-Nachhängler, von gestern? Man könnte sicherlich noch despektierlichere Bezeichnungen finden.

Gerade schaue ich in der Glotze Urban Priols Jahresrückblick 2025 und er sagt (sinngemäß): „SPD, was soll ich zu diesem Spurenelement noch sagen? Ich habe noch nicht mal die Namen der ganzen Minister drauf, so blass wie die sind.“ Da ist viel Wahres dran. Vielleicht hänge ich wirklich einer SPD und vor allem Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten nach, die es schon lange nicht mehr gibt.

Kniefall & Guillaume-Affäre

Vage erinnere ich mich an die siebziger Jahre, an eine Aufbruchstimmung, an den Bundeskanzler Willy Brandt, an den Kniefall in Warschau und an den Beginn der Entspannungspolitik. Ja, auch an die Guillaume-Affäre, den Rücktritt Brandts und den Einzug von Helmut Schmidt ins Bonner Kanzleramt und den berühmten Bungalow. Ich war jung; als Jahrgang 1963 habe ich vor allem in den frühen siebziger Jahren nicht wirklich alles intellektuell mitbekommen.

Mogadischu, NATO-Doppelbeschluss und Loki im Bungalow

Schon besser und klarer sind mir der ewig rauchende Helmut Schmidt und seine Frau Loki im Gedächtnis, das sicherlich verklärte Bild vom Macher, dem viele Deutsche in der BRD vertrauten. Mir fallen die RAF-Anschläge ein, die Befreiung der Geiseln in Mogadischu, Wischnewski, an den Nachrüstungsbeschluss der NATO, Pershing 2 und SS-20, Ronald Reagan, Massenproteste (an denen auch ich mitgemacht habe), an AKW-Proteste, den „Verrat“ Genschers und den eigentlich von wenigen erwarteten Einzug des dicken Helmut aus der Pfalz in das von ihm angestrebte Kanzleramt und den von ihm ungeliebten, bereits erwähnten Kanzlerbungalow. Da blieb er dann ganz lange, bevor er nach Berlin umzog.

Die sich an den 2. Weltkrieg erinnern, sind nicht mehr

Lange ist es her, es gab auch damals viele Probleme und ich mag Brandt, Schmidt und andere Sozis dieser Zeit, von Annemarie Renger über Herbert Wehner bis Egon Bahr, im Nachhinein in besserem Licht in Erinnerung haben, als es vielleicht richtig wäre. Trotzdem bleibt in mir ein Bild von Politikern, die eine tiefe persönliche Erfahrung und damit Verantwortung für unsere Demokratie mit sich trugen: Brandt, der immigrieren musste, Schmidt, der als Soldat den 2. Weltkrieg hautnah erlebte. Beide geprägt von der NS-Zeit und sich bewusst, wie wertvoll Frieden, Freiheit und Demokratie sind.

Sozialdemokratie nach dem Fall der Mauer

Ich schaue mir die Sozialdemokratie heute an (nur um die geht es ja hier) und vermisse (wie in den anderen demokratischen Parteien) solche Persönlichkeiten. Klar, aktive Politikerinnen und Politiker mit den Erfahrungen des 2. Weltkriegs gibt es nicht mehr oder kaum noch. Solche, die den Fall der Mauer, das Verschwinden der von der UdSSR kontrollierten DDR und ein vereintes Deutschland erlebt haben, gibt es dagegen immer noch.

Ich gehöre dazu. Niemals habe ich während meines Geschichtsstudiums geglaubt, ein wiedervereintes Deutschland zu erleben. Die Erfahrungen des Ost-West-Konflikts haben mich auch in den siebziger und frühen achtziger Jahren geprägt, und ich habe das Spiegel-Titelbild mit dem sozialistischen Zungenkuss, Pardon, Bruderkuss zwischen Honecker und Breschnew noch immer vor Augen. Doch auch die, die diese Zeiten bewusst erlebt und vielleicht politisch mitgestaltet haben, werden so wie ich älter und nähern sich der Rente.

Schröder damals und heute

Wenn er schon über die Sozis schreibt, warum schreibt er nicht von einem Gerhard Schröder, dem SPD-Kanzler, der die Agenda 2010 auf den Weg gebracht hat? Das erklärt sich aus dem selbstherrlichen und selbstverliebten Verhalten Schröders nach seiner Niederlage in der Bundestagswahl und seiner Nähe zu Putin hoffentlich von selbst. Er ist für mich der Prototyp eines Politikers, der komplett von sich überzeugt ist, selbstverliebt und nicht in der Lage, sich selbst zu hinterfragen. Kennen wir ja leider nicht nur in Deutschland und Europa. Und nein, ich werde die Egomanie eines Schröder nicht mit der eines Trump vergleichen. Das ist unangemessen.

Scholz ist an Kommunikation (und Lindner) gescheitert

Ich springe in unsere Gegenwart oder jüngste Vergangenheit. Und natürlich muss ich auf den Scholzomaten, den letzten (bewusst gewählten Wort) Bundeskanzler Olaf Scholz eingehen. Zur Aufgabe eines Kanzlers (oder seines Sprechers oder seines Umfelds) gehört es, mit den Wählerinnen und Wählern aktiv und verständlich zu kommunizieren, die Politik seiner Regierung zu erklären und auch, wo nötig, zu verteidigen. Das mussten auch ein Brandt und Schmidt tun, die sich ebenfalls massiven Widerständen gegenüber sahen.

Politik ist und war Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern, heute im Zeitalter der unsozialen Medien mehr denn je. Vor allem an seiner schlechten Kommunikation ist Scholz aus meiner Sicht krachend gescheitert. (Und natürlich am Ego von Herrn Lindner, dessen Partei bei gar nichts mehr mit der FDP einer Hildegard Hamm-Brücher, eines Gerhart Baum oder Burkhard Hirsch zu tun hat.)

Was ist mit Klingbeil los?

Zurück zur SPD und ihrem Personal heute: Mit einem gewissen Vergnügen habe ich der Rede von Lars Klingbeil bei der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst 2025 gelauscht. Nun ist die große Politik vielleicht keine Karnevalsveranstaltung, der Bundestag nicht Ort einer Büttenrede, aber ich vermisse den in Aachen gezeigten Esprit, die Spritzigkeit und die kommunikativen Fähigkeiten heute in seiner täglichen Arbeit. Und ja, der Orden hat nichts zu sagen, denn auch ein heutzutage oft ins Fettnäpfchen tretender Sauerländer hat den Orden bekommen … Warum muss ich jetzt nur an MASZ und fliegende Zwerge denken?

Lars Klingbeil ist Parteivorsitzender und Finanzminister, die Bürde beider Ämter und der offizielle Politikersprech haben ihn vielleicht übermannt oder entmannt. Und es kann nicht alles in der Sozialdemokratie an ihm hängen. Aber es bleibt meine Feststellung, dass die brillanten, glaubhaften, rhetorisch zumindest guten Politikerinnen und Politiker in der SPD fehlen – oder diese nicht zu hören sind. Das könnte für die Partei und die Sozialdemokratie existenzgefährdend sein.

Koalition versus eigenes Profil

Zurzeit flirten zu viele CDU’ler mehr oder weniger offen mit der AfD, weil auch sie dem Irrglauben aufsitzen, Rechtsradikale in einer Regierung einhegen zu können. An einer solchen Fehleinschätzung bürgerlicher Politiker ist schon eine deutsche Demokratie nach 1933 zugrunde gegangen. Bei den jetzigen Mehrheitsverhältnissen gibt es deshalb keine Alternative zur jetzigen Koalition. Trotzdem muss die Sozialdemokratie ein wahrnehmbares eigenes Profil pflegen und kommunizieren – auch wenn das manchem Christdemokraten nicht gefallen mag.

Klingbeil hat bei der Regierungsbildung aussortiert, runderneuert und neue Gesichter in die Ministerien gebracht. Nachvollziehbar, aber die kommunikativen Fähigkeiten eines Karl Lauterbach und das sozialpolitische Profil eines Hubertus Heil fehlen der Partei in der öffentlichen Wahrnehmung. Zum jetzt vielgelobten Kevin Kühnert habe ich eine eher diffuse Meinung …

Sozialdemokraten:“Weiter so“ geht nicht, sonst seid ihr weg

Ich komme zum Ende: „Fachkräftemangel haben wir in der Politik auch, und es geht trotzdem immer weiter“, sagt der schon zitierte Urban Priol in seinem Jahresrückblick. Genau das „es geht trotzdem weiter“, ich füge noch „wie bisher“ hinzu, könnte jedoch der Sozialdemokratie zum Verhängnis werden. Ich glaube, dass sich in der SPD kommunikativ, wahrscheinlich auch personell etwa ändern muss. Sonst steht die Partei, die den Weg der Deutschen zur Demokratie über mehr als ein Jahrhundert geprägt hat, die immer das soziale Gewissen und Vertreter der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer war vor dem Aus. Das fände nicht nur ich persönlich schade. Das wäre existenzbedrohend für unsere Gesellschaft und Demokratie.

Ja, vielleicht trauere ich einem Relikt nach, das sich überholt hat. Und es mag die Meinung eines älteren, weißen Mannes, eines wie die SPD gealterten Baby Boomers in seinem kleinen, privaten Blog sein. Der Beitrag musste aber raus. Danke fürs Lesen.

Disclaimer – Nachwort

Zur Einordnung: Zwar bin ich einem 600-Seelendorf namens Bissenberg aufgewachsen, das immer eine Sozi-Hochburg mit deutlich über 50 Prozent Stimmen war. Doch bin und war ich nie Mitglied der SPD (und auch sonst keiner Partei). Zu Beginn meiner beruflichen Karriere, als ich im Lokaljournalismus tätig war, hat das meinem Verständnis von unabhängigem Journalismus widersprochen. Zudem sehe ich einige Positionen und viele politische Verhaltensweisen der SPD sehr kritisch. Dazu gehört beispielsweise die ganze Konstellation in Niedersachsen mit dem VW-Konzern, wo dadurch doch sehr automobilindustrie-lastig agiert wird.

Oder auch die fehlende oder falsche Digitalpolitik. Wie kann man als SPD nur wie in Niedersachsen auf Microsoft setzen? Die Liste lässt sich fortsetzen. Trotzdem gehören die Sozialdemokraten, wie sie einmal waren, zum demokratischen Fundament unserer Republik. Vielleicht nehmen sie diese Rolle ja endlich einmal wieder ein (obwohl ich sehr skeptisch bin).

Und ja, ich respektiere auch die Grünen, auch wenn ich mit deren fundamentalistischen Flügel nie etwas anfangen kann.

So weit also mein sozialliberal-grün-versifftes Outing. Das wird es dann auch erst einmal sein, mit meiner Vergangenheitsbewältigung und Gegenwartsfrustation.


Posted

in

by

Comments

Kommentar verfassen

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Regelmäßig informiert bleiben?
StefanPfeiffer.Blog

Jetzt abonnieren, um informiert zu bleiben und alle Beiträge im Zugriff zu haben.

Fortfahren