Meine Auswahl an aktuellen Themen rund um Digitalisierung, Digitale Souveränität, IT und künstliche Intelligenz:
- Souveränität-Washing
- EU-Parlament verabschiedet Bericht zur digitalen Souveränität
- Das beste LLM-Modell für mich ganz persönlich?
- Bezahlen mit Wero
- Kurz notiert

Souveränität-Washing
Mit viel Tamtam hat Amazon gerade die Amazon Web Services European Sovereign Cloud gelauncht, wie man so schön neudeutsch sagt. Die Presse inklusive Fernsehen hat das Thema in der Breite aufgegriffen und so Werbung für AWS gemacht, ohne auf die weiter bestehenden Risiken hinzuweisen. Risiken, die übrigens für alle sogenannten „souveränen Cloud“-Angebote der Hyperscaler gelten, also ebenso für Microsoft und Google.
Europäisches Personal hin. Standort in Europa her, Präsident Trump und das US-Government haben trotzdem durch den Cloud Act und Executive Orders des Präsidenten das Recht, Zugriff auf die Daten zu fordern, ja zu erzwingen. Dies wurde gerade auch durch einen Microsoft-Sprecher bestätigt. Hier das entsprechende Zitat aus einem sehenswerten Beitrag des ARD Mittagsmagazins zum Thema digitale Souveränität (ab Minute 27:22), u.a. mit der IT-Dezernentin Laura Sophie Dornheim der Stadt München. Laut ARD wurde vom Pressesprecher von Microsoft folgendes Statement abgegeben.

So viel zum Thema Souveräne Cloud und Souveränität-Washing … Niemand sollte daran zweifeln, dass sowohl Jeff Bezos als auch Sathya Nadella oder Sundar Pichai sowie die anderen Big-Tech-CEOs umgehend und in devoter Gehorsamkeit den Forderungen von Trump nachkommen würden.
Der Kotau der Tech-Bosse vor Trump im Weißen Haus sollte noch allen klar vor Augen sein. Gerade auch einem Herrn Söder, der in Bayern zusammen mit seinem Finanzminister eine Rahmenvereinbarung mit Microsoft mit Gewalt durchzudrücken versucht: „Der Finanzminister genießt das volle Vertrauen, und wir werden diesen Prozess fortsetzen.“ Eine solche Entscheidung ist besonders in diesen Zeiten, wo wir täglich die Exzesse und Gesetzesübertretungen von Trump und seinem Team beobachten müssen, unverantwortlich. Auch Digitalminister Karsten Wildberger und BSI-Chefin Claudia Plattner sollten mit ihren Aussagen zur Amazon-Cloud eher zurückhaltend sein und endlich europäische Initiativen, Produkte und Lösungen wesentlich stärker unterstützen.
EU-Parlament verabschiedet Bericht zur digitalen Souveränität
Das EU-Parlament hat einen Bericht zur digitalen Souveränität verabschiedet, in dem es fordert, die Abhängigkeit von US-Tech-Riesen wie Microsoft, Google oder AWS deutlich zu verringern. Stattdessen soll Europa eigene Cloud-, KI- und Open-Source-Infrastrukturen stärken und bei öffentlicher Beschaffung „European Tech First“ setzen. Digitaler Befreiungsschlag titelt heise. Aber Papier ist geduldig. Wird endlich auch gehandelt? Daran werden die EU und die Parlamentarier sich messen lassen müssen. Immerhin handelt der Internationale Strafgerichtshof und löst sich zugunsten der Open-Source-Lösung openDesk des Zentrums für Digitale Souveränität (ZenDiS) von Microsoft.
900 US-BigTech-Lobbyisten in Brüssel
Doch zur Erinnerung: Laut Lobby Control geben die US-Tech-Riesen jährlich rund 150 Millionen Euro für Lobbyarbeit in Brüssel aus. Sie beschäftigen fast 900 Vollzeit-Lobbyisten – mehr, als es Europaabgeordnete gibt. Und deren Einsatz scheint sich auszuzahlen: Von der Leyen und ihre Die EU-Kommission wollen Omnibus fahren und Regulierung von KI und den Datenschutz lockern.
Das beste LLM-Modell für mich ganz persönlich?
Die Tage war ich mit meinem Freund Jannis beim Mittagessen. Er ist ein großer Fan von ChatGPT und hat mir vorgeschwärmt, was seine Plus-Version von ChatGPT alles über ihn weiß und ihm deshalb besonders gut zu Diensten ist. Wohl wahr. Passend dazu der Kommentar von Alexander Wulfers in der FAS vom 24. Januar 2026:
Der Wettbewerb ist hart.
Doch die KI-Unternehmen arbeiten eifrig daran, die Wechselwilligkeit der Kunden zu dämpfen. Je mehr mein Chatbot über mich weiß, je individueller seine Antworten auf mich abgestimmt sind, desto schwieriger wird der schnelle Wechsel. Der Wettbewerbsvorteil von ChatGPT liegt dann nicht mehr darin, dass es auf dem besten Modell aufbaut (da sind die Unterschiede längst sehr klein geworden), sondern dass es das beste Modell für mich persönlich ist.
Als Kunde gibt es dann irgendwann kein Entkommen
Eine sicher bedenkenswerte Analyse. Und nein, lieber Jannis, ich fange jetzt nicht mit dem Thema Datenschutz an. Da werden wir uns schon bei WhatsApp nicht einig.
Bezahlen mit Wero
Ein angenehmes Tech-Erlebnis hatte ich diesen Mittwoch. Wir saßen beim After-Tennis zusammen und ich habe erstmals – Asche auf mein Haupt – Wero genutzt. Zwar habe ich öfter darüber gelesen, auch Infos geteilt und Wero in meiner Sparkassen-App freigeschaltet, aber ich hatte es nie genutzt, auch weil es mir online bisher noch nie zum Bezahlen angeboten wurde.
Also habe ich am Mittwoch gelernt: Ich brauche keine gesonderte App, sondern transferiere Geld direkt aus meiner Sparkassen-App, indem ich die E-Mail oder Mobilnummer des Empfängers eingebe. Das geht ratzfatz. Jan hatte in Sekunden meine Überweisung für meinen Anteil an der Hallengebühr. Das hat mich überzeugt, und ich werde Wero, wo immer möglich, nutzen.
Paypal ist bei mir mittlerweile auf der roten Liste gelandet und wird nicht mehr benutzt. Ich hoffe nur, dass Wero sowohl im stationären Handel als auch online endlich mehr als Option zum Bezahlen angeboten wird. In diesem Beitrag des NDR sind weitere Informationen zu Wero zu finden. Und hier findet man eine Liste der Banken, die Wero derzeit unterstützen.

Kurz notiert
Larry Ellison & TikTok
In den USA ist der TikTok-Deal durch, und Larry Ellison, Oracle-Gründer, Milliardär und Trump-Unterstützer, baut sein Medienimperium weiter aus. Hier habe ich vor einiger Zeit über Ellison geschrieben. Angela Göpfert von der ARD-Finanzredaktion analysiert die Situation in diesem Artikel.
Palantir-Chef: KI wird Einwanderung unnötig machen
Künstliche Intelligenz wird nach Einschätzung des amerikanischen Software-Anbieters Palantir breit angelegte Einwanderung zur Stützung der Wirtschaft und des Arbeitsmarkts westlicher Industrienationen unnötig machen, meint Firmenchef Alex Karp beim Weltwirtschaftsforum in Davos.
Werbung in ChatGPT
Jetzt ist es (in den USA) so weit: OpenAI schaltet Werbung in ChatGPT. Die dringend notwendigen Einnahmen fließen in den KI-Ausbau. US-Kunden mit einem kostenlosen oder dem „Go“-Abo – das ich derzeit nutze – werden ab kommender Woche Werbeanzeigen in ChatGPT sehen. Mal schauen, wann Europa dran ist.
Eric Schmidt fordert europäische Investitionen in OpenSource-basierte KI
Ausgerechnet der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt fordert Europa zum Handeln auf: Ohne ernsthafte Investitionen und Open-Source-Strategien verliere der Kontinent im globalen KI-Wettbewerb. Regulierung sei wichtig, allein reiche sie nicht.
Finger weg von Bildgeneratoren
Sebastian Meinecke hat ein flammendes Plädoyer auf Netzpolitik.org geschrieben, keine KI-Bildgeneratoren zu nutzen, da hohe Kosten entstünden und man noch abhängiger von den Tech-Konzernen werde. Ich nutze sie weiter, vor allem zur Illustration meiner Blogebeiträge
Open Source: Vorbild Österreich
In Österreich tut sich einiges rund um Open Source: Dass Bundesheer hat 16.000 Konten auf LibreOffice migriert, das Bundesministerium für Wirtschaft löst SharePoint ab und steigt auf Nextcloud um. More to come, so der Bericht von Golem. Vorbild Österreich, Dass ich das mal schreibe 😉!


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