Pflichtlektüre zum Thema „Lügenpresse“: „Meinungsfreiheit ist bei uns quasi ein Sport … Herrlich.“ – Ferda Ataman

Wir Baby Boomer kennen alle noch den Wackeldackel, ein unentbehrliches Utensil im Opel Rekord, Ford Granda oder Taunus der 70er Jahre. Stetig nickte er vor sich hin. So geht es mir trotz des ernsten Themas bei der Kolumne Meinungsfreiheit: Dann nennt uns doch Lügenpresse! – SPIEGEL ONLINE von Ferda Ataman auf SPIEGEL ONLINE. Es ist meiner Meinung nach Pflichtlektüre gerade in heutigen Zeiten, wo mancher Tweedsakko-Träger ungestraft über Vogelschiss in der deutschen Geschichte schwadroniert.

Ferda Ataman berichtet über ihre Beobachtungen zur „freien“ Presse derzeit in der Türkei, stellt dies der Situation in Deutschland gegenüber. Bei uns sei Meinungsfreiheit ein Volkssport. Merkel-Bashing, Islam- und/oder Migrantenfrage und viele andere Fragen dürften und würden kontrovers diskutiert. Trotzdem käme aus einer meist rechten politischen Ecke der Vorwurf der „Lügenpresse“

Ich habe mich im Studium mit dem Thema Entstehung der modernen Öffentlichkeit und Presse intensiv auseinandergesetzt. Umso mehr hat es mich gefreut, dass Ataman die Brücke in die Historie schlägt. Der Begriff wurde im 19. Jahrhundert als Schimpfbegriff verwendet, zu Zeiten, als eine freie Presse gerade am Entstehen war und durchaus ihren Beitrag zur demokratischen deutschen Revolution leistete. „Nach der Märzrevolution 1848 hieß es, die Juden steckten hinter allem, wofür die deutsche Revolution stand: Liberalismus, Sozialismus, Demokratie. Sie würden die Gesellschaft mithilfe der Lügenpresse verändern.“ Heute hören wir den Begriff viel zu oft genau von denen, die gerne Andersdenkende und Anderslebende mundtot machen würden.

Ein Komplex, der mit im Beitrag zu sehr nur auf Beschimpfen der freien Journalisten verkürzt wird, ist die Rolle der sozialen Medien und des Netzes im Negativen wie Positiven. Ich bin – wie ja auch dieser „Block“ zeigt – weiter trotz allen Schmutzes und aller Propaganda, die wir unterdessen im Netz finden, der Meinung, dass soziale Medien ein tiefdemokratische Chance für die Meinungsfreiheit sind. Klar ist aber auch, dass wir die demokratischen Werte dort laut und vernehmlich verteidigen und – ich benutze hier das eigentlich ungeliebte Wort – propagieren müssen. Diese Einstellung kommt mir gerade bei vielen traditionellen Journalisten zu kurz. Dunya Hajali hat kürzlich sehr treffend niedergeschrieben, wie man mit Hasskommentaren umgehen kann und sollte. Wir – und damit sind nicht nur Journalisten gemeint – müssen uns dem Thema im Netz und auf der Strasse stellen. Auch wenn es – und mir geht es so – manchmal Angst macht.

Ferda Ataman zitiert das Grundgesetz und damit – und der Aufforderung die Kolumne zu lesen und zu verbreiten – möchte ich schließen:

Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(Stefan Pfeiffer)

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