Ladies and Gentlemen, meine Damen und Herren, Konzentration bitte!

Ja, Konzentration auf eine Sache ist im Zeitalter des Smartphones eine Herausforderung. Wer ehrlich ist, wird es an sich selbst beobachten. Zu gerne lässt man sich durch Notifications von Whatsapp & Co, von E-Mail und all den Apps ablenken, bei denen der mehr oder weniger unbedarfte Anwender das Senden von Benachrichtigungen erlaubt hat. Wie soll man da auf dem Smartphone konzentriert lesen können, fragt sich , Redakteur im Feuilleton der FAZ, in seinem Kommentar vom 13. Oktober auf der Titelseite der Samstagsausgabe, und sucht die App, die alle Apps auf stumm schaltet und einem lesen lässt.

Doch auf eine Einstellung bei Lese-Apps, die alle Eilmeldungen für die Dauer der Lektüre ausblendet, warten wir bislang vergeblich. … Und jede Lektüre leidet, wenn das Smartphone dabei in Sicht- und Griffweite – und im Kopf – bleibt.

über Debatte um Lesen und Digitalisierung fehlt Differenziertheit – FAZ.net

Küchemann geht natürlich als Feuilletonist davon aus, dass man Lidddderradddddurrr (Versuch der Persiflage auf Marcel Reich-Ranicki, Literatur ist gemeint), ein wertvolles Buch liest, in dem sich der Leser beglückt verliert. Jenseits des unbestrittenen Genusses eines guten Buches (was gut ist, mag jeder für sich entscheiden) gilt die Frage der wirklichen Konzentration auf eine Sache natürlich auch darüber hinaus in anderen Lebensbereichen, privat und auf der Arbeit. Wir lassen uns leicht ablenken. Und die Verführung ist ja auch heutzutage groß

Hier und auf CIOKurator habe ich oft darüber geschrieben, wie sich Mitarbeiter auf der Arbeit durch E-Mail immer wieder in ihrer jeweiligen Tätigkeit stören lassen. Man könnte ja was verpassen. Es ist die Vorstufe dessen, was wir gerade potenziert auf und durch das Smart Phone erleben. Es ist das, was Lehrer heute täglich in der Schule erleben, von der Konzentrationsfähigkeit bis zu Rechtschreibung und Sprachschatz (womit wir wieder beim Thema Lesen wären).

Und es ist (wahrscheinlich) nur der Anfang und der (durchaus lobenswert gemeint) kulturbeflissene Redakteur springt (wahrscheinlich) zu kurz. Lesen und Lesefähigkeit sind wichtig und (gerade) ich bin immer noch altmodisch ein Mann des geschriebenen Wortes, trotz Videoexperimenten wie in IBM Livestudio@CEBIT oder #9vor9. Ich persönlich bewege mich nur langsam hin zu Livestreaming oder Podcasts, aber der Informationskonsum via Video (und Audio) gehört ganz offensichtlich die Zukunft, gerade, wenn wir an die jüngere Generation denken.

Im weiteren Kontext geht es also nicht mehr nur um digitales Lesen. Es geht nicht mehr nur um Leseforschung, wie man auf und um die Buchmesse glauben mag. Es geht um einen grundlegenden Wandel, wie Literatur, „Gehaltvolles“, Nachrichten, relevante Informationen und Schund konsumiert, verarbeitet  und behalten werden, ja auch, wie konzentriert gearbeitet wird (ohne Arbeit zu überhöhen). Das Thema ist ernst und wir sollten, ja müssen uns damit auseinandersetzen.

Wir lassen uns viel leichter ablenken. Nach einer Deloitte Studie schauen wir 47 mal am Tag auf den Bildschirm unseres Smart Phones. Junge Leute tun es, so die Studie, 82 mal. Der „2nd Screen“, der zweite Bildschirm, auf denen wir schauen, während wir TV schauen, ist nur zu oft Realität. Klaus Eck nennt es am Beispiel Ablenkung durch Social Media die Aufmerksamkeitsfalle. Die Prinzipien der Ablenkung sind gleich. Nur ein Bündel von Massnahmen und Selbstdisziplin werden helfen, sich konzentriert mit einer Sache (vertieftes Lesen, Film schauen, Podcast/Hörspiel lauschen) zu befassen. Ganz sicher sind Schule und Eltern gefragt, auch wenn es denen oft wie ein Kampf gegen Windmühlen erscheint und ihnen Forderungen, wie die von Hirnforscher Wolf Singer, dass Schüler irgendwann lernen müssen, sich eine halbe Stunde lang mit reinem Text zu befassen, utopisch vorkommen: „Lesen ist ein kreativer Akt, der trainiert werden muss.“

Nicht nur Leseforscher stehen vor der Herausforderung, wie es sehr plastisch formuliert „Menschen zu informieren, die sich längst auf eine Seite geschlagen haben, wo es gar keine Seiten geben sollte.“ Smart Phone, Bildschirme und digitaler Medienkonsum bestimmen den Alltag, privat und auf der Arbeit. Wir müssen uns den Herausforderungen stellen. Das Rad werden wir nicht zurückdrehen können.

Und was mag noch alles kommen? Die gleiche FAZ titelt in der Sonntagsausgabe „Es gibt ein Leben nach dem Smartphone – Das Smartphone hat unseren Alltag revolutioniert. Doch seine besten Zeiten sind vorbei. Was kommt als nächstes?“ …

P.S. Wenn mich ein Autor, ein Thema, ein Buch wirklich fesselt, dann lasse ich mich in der Regel auch nicht ablenken und lese wirklich vertieft bis zum Ende, egal ob digital oder auf Papier.

(Stefan Pfeiffer)

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