Lesezeichen: Eine intensive Brieffreundschaft, Deine Spuren im Sand oder was Amazon (oder sonst wer) über Dich zu wissen glauben könnte – Vortrag von @kattascha auf dem #35c3

Die Echo-Lautsprecher waren wieder der Renner im Weihnachtsgeschäft 2018. Und natürlich brummte auch der Onlineumsatz von Amazon. Da musste man nur die Wagen der Paketboten vor Weihnachten (und danach mit den Rücksendungen) verfolgen. Katharina Nocun, Autorin des Buches „Die Daten, die ich rief: Wie wir unsere Freiheit an Großkonzerne verkaufen“, hat auf dem Chaos Communication Congress #35c3 in Leipzig berichtet, wie sie erfahren wollte, welche Daten Amazon über sie gespeichert hat.

Hier einige Zitate mit der dringenden Empfehlung, den gesamten Beitrag zu lesen. Nach vielfachen Rückfragen – der Beitrag nennt es eine intensive Brieffreundschaft – bekam Nocun dann eine Liste mit ihrem kompletten Klickverhalten, jedes einzelnen Klicks. Um durchzusteigen, nahm sie die Hilfe einer Datenanalystin in Anspruch:

Letty, so nennt sie sich, zeigte, dass jeder Klick nicht nur einem Datum und einer Uhrzeit, sondern auch mit dem genauen Standort, dem Internetanbieter und der entsprechenden Ladezeit verzeichnet sind, … Daneben verzeichnet Amazon auch die Webseiten, auf denen sie vorher unterwegs war …

über Was weiß Amazon alles über uns? Vortrag auf dem #35c3

Noch mehr Daten reichern sich bei Amazon an, wenn man Alexa, Video oder Audible nutzt. Und man kann die Datenspur durchaus interpretieren:

Ebenso hinterließen Recherchen über die AfD und deren Publikationen Spuren, die auf eine rechte politische Gesinnung schließen lassen könnten. Ein Killerspiel, eine Sturmmaske und ein Kochtopf könnten auf eine potentielle Gefährderin hinweisen.

über Was weiß Amazon alles über uns? Vortrag auf dem #35c3

Und wer möchte eigentlich, dass man solche Schlüsse über einen zieht? Traurig, wie wenige sich Gedanken dabei um die Datenspur, die sie hinterlassen, machen: „Ich hab ja nichts zu verbergen.“ So haben auch viele Bekannte meinen Austritt aus Facebook, Instagram und WhatsApp kommentiert.

„Überwachung ist längst zur Standardeinstellung geworden“, sagt Nocun abschließend. Dabei sollte eigentlich die Privatsphäre der Standard sein.

über Was weiß Amazon alles über uns? Vortrag auf dem #35c3

Mir stellt sich gerade die Frage, ob man den Datenkraken nicht auferlegen sollte, automatisch alle Daten nach einer Sperrfrist von zwei Jahren zu löschen – ohne, dass ein Kunde nachfragt oder darauf pocht (was ja jetzt nach DSGVO möglich sein sollte).

(Stefan Pfeiffer)

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