Lesezeichen: Die Geschichte der Digitalisierung – und was kommt jetzt? Von Michael Seemann

Ein Lesetipp und Lesezeichen: Michael Seemann hat die Geschichte es Netzes oder Digitalisierung in 5 Phasen eingeteilt und aufgearbeitet, von der Aufbruchstimmung und Utopien des frühen Netzwerkes über die Kommerzialisierung und das Web 2.0 bis zum beginnenden Kontrollverlust, der niemand verschone, weder Unternehmen, Regierungen, Institutionen, noch den Einzelnen. Kontrolle wird – so Michael – durch beherrschende Plattformen ausgeübt:

Aus den sympathischen, kleinen Web2.0-Diensten sind mächtige Plattformen geworden, die mit ordnender Hand Inseln der Kontrolle im Meer des Kontrollverlusts schaffen. Der Aufstieg der Plattformen als neue Kontroll- aber auch als unheimliche Machtapparate leitet die nächste Phase der Digitalisierung ein.

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Derzeit sieht er uns in einer Phase, die Michael als „neues Spiel“ bezeichnet, eine Phase, in der Strategien entwickelt werden und wurden, mit Falschnachrichten und gezielten Desinformationskampagnen zu operieren. Michael nennt Putin als denjenigen, der dies am besten verstanden habe. Prägnant auch die folgende Aussage:

Donald Trump ist “antifragil” gegenüber der Öffentlichkeit. Je mehr Skandale und Kritik er auf sich vereint, desto stärker wird er.16

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Ist der Ruf erst so ruiniert, können einem Skandale nichts mehr anhaben.

Quer zu den Parteien hätten sich aber auch Strömungen entwickelt, die nicht zu kontrollieren seien, auch nicht von doch so mächtigen Plattformen: ein neuartiger Kontrollverlust. In dieser Phase befinden wir uns und Michael wagt auch einen Blick in die Zukunft, die nächste Phase der Restrukturierung der Gesellschaft. Den Vergleich mit dem Buchdruck, durch den immer mehr Menschen lesen lernten, eine Demokratisierung und Vermehrung des allgemeinen Wissens stattfand, ist prägnant. Doch zwischen der Erfindung des Buchdrucks und der Aufklärung lägen halt auch 250 Jahre Chaos, Krieg und Zerstörung, so Michael.

Genau in einer solchen Phase könnten wir stecken, die diesmal sicherlich keine 250 Jahre andauern wird. Michael Singer hat dies ja auch schon als normale Krisenphase bezeichnet. Doch wie geht es nun weiter in einer Zeit, in der unser System der repräsentativen Demokratie „nun auf überwältigende Mengen weltweit außer Kontrolle geratener Datenströme und auf eine ungekannte Organisationsfähigkeit von Menschen und Informationen“ stößt? Ist das chinesische Staatsmodell ein Fanal, wohin uns der Weg führen wird? Oder was sind die Alternativen?

An die EU, lieber Michael, glaube ich in der jetzigen Phase des wieder aufkeimenden Nationalismus nicht. Auch scheint die Digitalkompetenz dort nicht unbedingt ausgeprägt zu sein, wie man gerade sehen kann. Ich sehe beispielsweise leider, leider, leider nicht, dass eine EU zum Aufbruch bläst und zum Plattformbetreiber wird, der sich mit offenen Lösungen gegen den GAFAM-Komplex (Google, Apple Facebook, Amazon, Microsoft), aber auch gegen Manipulation und Überwachung positioniert.

Und ob die von Dir zitierten Grassroot-Bewegungen die wünschenswerten Auswirkungen, besser Breitenwirkung haben wird? Hoffen wir es. Ich bin und bleibe ein alter Optimist, der auch „im Netz“ und in der Digitalisierung weiter Chancen sieht – trotz der diversen Kontrollverluste.

(Stefan Pfeiffer)

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