Das eiskalte Händchen der Wissenschaft, notwendige fachliche Debatten und interessierenorientierte Polemik

Heute habe ich mir den letzten NDR Coronavirus-Podcast mit dem von mir sehr geschätzten Virologen Christian Drosten vor der Sommerpause angehört. Ich habe seine Ausführungen immer als sehr angenehm und sachlich empfunden. Vor allem scheint er mir die Wissenschaftler nicht auf in Podest zu stellen. Auch sie können sich irren und lernen dazu.

In der Ausgabe 50 ging es vor allem um die Öffnung von Kindergärten und Schulen und die damit verbundenen Risiken. Drosten, der in den vergangenen Monaten und Wochen von unge-BILD-deten Meinungsmachern immer wieder angegriffen wurde, plädiert als Wissenschafter für eine sachliche Auseinandersetzung

Und die Wissenschaft hat ein eiskaltes Händchen. … Die Wissenschaft hat keine Meinung. Die Wissenschaft ist eine Faktenlage. Da kann man mit Berufserfahrung und Hintergrundkenntnis Studien etwas tiefer lesen als jemand, der keine Grundausbildung hat.

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Drosten wirft Interessengruppen vor, die Fakten nicht immer korrekt zu verwenden. Vor allem aber kritisiert er zu Recht den Stil, den teilweise unzumutbaren Umgangston gerade in sozialen Medien:

Aber es gibt eben andere – das sind einfach wirklich Interessengruppen, da muss man sagen, die kommunizieren auch gerade in sozialen Medien in einer Aggressivität und auf eine persönliche Art und Weise, die wäre im normalen Leben strafbar. Und in sozialen Medien, in der Anonymität, geht das aber, das wird auch nicht geahndet. Das ist trotzdem diffamierend. Und das verfolgt einen Zweck. Das sind einfach Leute, die eindeutig eine Agenda haben, …

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Ich kann Drosten einmal mehr zustimmen: Der Ton ist daneben, die Motive sind zweifelhaft. Und die Risiken in Kindergärten und Schulen sind da. Wir müssen umgehend die entsprechende Vorkehrungen diskutieren und dann auch treffen. Sonst laufen auch wir wieder in eine Krise durch entsprechende Hotspots und Superspreader.

Eines ist auch deutlich geworden: Wissenschaftliche Ergebnisse, wissenschaftliche Studien, die von Drosten postulierten Fakten werden verschieden interpretiert. Das haben die Diskussionen und Interpretationen gezeigt. Das lässt Drosten im Podcast diesmal etwas unter den Tisch fallen.

Aber es besteht ein Unterschied zwischen fundierter Debatte und rein interesssenorientierter Benutzung, bewusster Verkürzung, Falschauslegung, Polemik und Angriffen, die unter die Gürtellinie gehen. Mit Ergebnissen, die Leben gefährden können. Und genau deshalb wird es auch eine harte und kontroverse Debatte geben. Und sicher werden wieder Grenzen überschritten. In den sozialen Medien wie gerade auch in Innenstädten oder an Seeufern. Die Maske der Vernunft und die Corona-Warn-App werden halt nicht von allen getragen. Nicht im Netz und nicht im realen Leben.

(Stefan Pfeiffer)

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Ein Kommentar zu „Das eiskalte Händchen der Wissenschaft, notwendige fachliche Debatten und interessierenorientierte Polemik

  1. Danke, Stefan. Ich kann Dir nur beipflichten. Vielen Menschen fehlt im derzeitigen Diskurs die Erkenntnis, dass es hier um Menschenleben geht. Und nicht nur um ein oder zwei, sondern um Hunderte oder gar Tausende.

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