Wein-erlei: Lemberger ist blaufränkisch, Bioweine von Delinat und trocken bis lieblich im Podcast

Mal nach einiger Zeit wieder einige Notizen rund um Wein. Unsere Woche in der Pfalz und ins Saarland steht gerade auf der Kippe. Dabei hatte ich mich auf den Besuch bei dem ein oder anderen Winzern gefreut. Warten wir einmal die kommenden Tage ab, aber der Trend sieht ja gerade nicht unbedingt positiv aus.

Getrunken habe ich, haben wir in den vergangenen Wochen vorwiegend aus unserem Standardprogramm: Mosel-Riesling von Kallfelz, einige Weine von Kesselring aus Ellerstadt in der Pfalz oder Syrah Tareni aus Sizilien von Pellegrino. Dieser Basiswein – ein Tipp von Michael Liebert – ist immer wieder eine Überraschung. Für rund 5 Euro bekommt man sehr viel Wein. Dunkelrot, vollmundig, eine schöne Würze, viele Beeren ist er ein sehr schöner Alltagswein. Ein anderer „Standardwein“ ist jetzt auch eingetroffen: der Domaine la Florane À Fleur de Pampre von der Rhone für rund 8 Euro. Mir scheint, dass er noch etwas liegen darf.

Und noch ein guter Bordeaux

Natürlich haben wir auch wieder etwas experimentiert. Sehr gefallen hat mir der Chateau Tour du Moulin – 2016, ein Bordeaux aus Fronsac. Ich zitiere Heiner Lobenberg, der es viel besser im „Weinsprech“ beschreibt:

Schwarz zwar, aber ganz fein und immer geradeaus. Nie bitter und trotzdem intensiv. Schwarze Kirsche, Holzkohle, eine leichte Maulbeere darunter. Schoko, Lakritze, ein bisschen Minze, Schärfe vom salzigen Mineral, schön wieder hochrollend. Das macht richtig Freude.

Chateau Tour du Moulin – 2016 – Lobenbergs Gute Weine

Ich fand ihn hervorragend. Er kostet je nach Bezugsquelle und -konzept zwischen 17 und 15 Euro. Ein sehr schöner Wein und ein Nachbar des vielleicht noch etwas besseren, aber teureren Moulin Haut Laroque.

Lemberger ist blaufränkisch oder auf Entdeckerreise mit Carsten Henn

Der Chateau Tour du Moulin fällt in den Preisrahmen, den ich normalerweise für Rotwein maximal ausgebe. Diese besonderen Zeiten habe ich ein wenig als Ausrede bemüht, um Mitglied bei der Deutschen Wein-Entdeckungs-Gesellschaft zu werden. Ich hatte ja schon hier über das Konzept berichtet. Der 2019-er Entdeckerwein ist ein Lemberger aus Württemberg. Nicht nur von der Rebsorte und der Region her eher Neuland für mich. Also schlage ich natürlich nach und lerne:

Blaufränkisch, auch Lemberger oder Blauer Limberger (klassischer Name), ist eine Rotweinsorte. … Je nach Erntezeitpunkt lassen sich aus den Trauben leichte und fruchtige, aber auch tanninreiche Weine mit einer intensiv roten Farbe ausbauen, die einen kräftigen, fruchtigen, charaktervollen Rotwein mit Aromen von Kirschen und Beeren hervorbringt. Seine Lagerfähigkeit ist erheblich. … Ein sortenreiner Blaufränkisch ist ein hervorragender Begleiter zu Wildgerichten, stark mit Kräutern gewürzten Gemüsegerichten und Teigwaren sowie zu pikanten Käsesorten.

Blaufränkisch – Wikipedia

Der Entdecker-Wein „Wald vor lauter Bäumen“ für 31,50 Euro stammt vom Winzer Christian Dautel und ist in Zusammenarbeit mit Carsten Henn entstanden. Der Wein lag im Akazienholz, das heute kaum noch im Weinbau Verwendung findet. Ich habe den Lemberger dann zu einem Rinderfilet mit Pfeffersauce und Rösti-Bratkartoffeln aufgezogen. Und ja, der kräftig rote Wein riecht angenehm nach Beeren. Ich bin nicht ganz so begeistert wie Captain Cork, …

Im Mund irre saftig, stoffig und atemberaubend karg. Die Frucht ist ganz zurückgetreten und offenbart sich in Gestalt von samtiger Textur. Ich schmecke pikante Kräuterwürze, Brotkruste, Assam-Tee, dann erst Brombeere, Hollunderbeere und blutigen Bratensaft. Großartiger Rotwein, der durch Weichheit, Würze und gekonnte Säure-Bitternoten-Balance viel Noblesse ins Glas zaubert.

Carsten Henn: das Universal-Genie | CaptainCork

…, fand den ihn noch etwas jung. Gefühlt kann er noch etwas liegen und reifen. Schauen beziehungsweise schmecken wir mal. Es liegen ja noch 2 der 3 Entdeckerflaschen im Keller. Auf jeden Fall habe ich mir vorgenommen, mal den ein oder anderen Lemberger zu probieren.

Hörtipp: Trocken bis lieblich mit Weinmann Werner Eckert und Dominik Bartoschek

Ich versuche ja immer neugierig zu bleiben und auch zu lernen. Deshalb höre ich auch gerne den Podcast Trocken bis lieblich – Weinwissen für alle mit dem SWR1-Weinmann Werner Eckert und Dominik Bartoschek. In den vergangenen Folgen konnte ich schon einiges lernen, beispielsweise über die Rebsorte Portugieser und in der aktuellen Folge über Bioweine und Barrique-Ausbau. Sehr interessant, sehr lehrreich. Und natürlich fühlt man sich gebauchpinselt, wenn der Weinexperte dann auch die vanilligen, holzigen Chardonnays abwatscht, so wie sie vor Jahren gerade in den USA oder auch Australien Mode waren. Diese Frucht- und Vanillebomben haben meiner Frau den Chardonnay vermiest, doch versuchen wir gemeinsam, uns wieder langsam an die Rebsorte heranzutasten, auch wenn der von Michael Liebert empfohlene La Chablisienne Bourgogne-Chardonnay nicht aus den Socken gehauen hat. Durchschnitt.

Doch zurück zum Weinmann: Im Podcast wird auch immer ein Wein von ihm vorgestellt, diesmal einen im Barrique ausgebauten österreichischer Zweigelt für 2,99 Euro bei Lidl erhältlich. Da hat es mich schon aus den Socken gehauen. Laut Eckert muss man schon mindesten 1 Euro pro Flasche für den Barrqiue-Ausbau rechnen. Wie kann sich das rechnen? Der Zweigelt kommt übrigens als sehr konsumierbarer vergleichsweise gut weg. Die von Eckert besprochenen Weine stammen übrigens scheinbar immer aus dem Supermarktregal, was ja kein Qualitätsurteil ist. Erst einmal muss einem der Wein schmecken.

Im Podcast wird auch auf das andere „Einsatzgebiet“ von Werner Eckert verwiesen. Mit Tobias Koch macht er den Podcast Klimazentrale und ist des öfteren als Umweltexperte in der ARD zu hören und zu sehen. In ihrer aktuellen Folge besprechen sie den Weinanbau und seine Folgen für Klima & Umwelt, ein durchaus kritisches Thema.

Biologisch kontrollierter Anbau: Mal wieder bei Delinat bestellt

Zum Abschluss: Eine meiner Quellen, über die ich online Wein bestellt habe, war Delinat, ein 1980 in der Schweiz gegründeter Weinhandel, der sich der Verbreitung von Wein aus kontrolliertem biologischen Anbau gewidmet hat. Delinat gibt es unterdessen in Deutschland. Österreich und der Schweiz und es war jetzt einfach mal wieder an der Zeit, dort Wein zu bestellen. Die Lieferung sollte unterwegs sein. Wer sich dafür interessiert, sollte sich die Webseite anschauen oder den Blog lesen. Interessant sind übrigens auch die in verschiedenen Preiskategorien verfügbaren Weinabos, über die man drei- bis viermal im Jahr ein Probierpaket bekommt. Ich gebe zu, dass ich da vor Jahren mal enttäuscht war, aber ich werde hier mal einen neuen Versuch wagen.

Spaziergang auf dem Wein-Erlebnispfad Wein und Stein

So genug für heute. Später geht es nach Heppenheim auf den Wein-Erlebnispfad Wein und Stein, zum Abschluss des Spaziergangs zur Vinothek Domäne Bergstraße auf ein Gläschen in der Sonne. Und vielleicht gibt es dann hier noch einige Bilder. Bleibt gesund & für Tipps und Hinweise bin ich immer dankbar.

Stefan Pfeiffer

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