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Nicht nur in Talkshows: Ein glaubwürdiger, eloquenter Faktenchecker und Debattierer würde gut tun

Sowohl die FAZ wie auch Die Zeit haben aktuell Beiträge über das Project Debater von IBM Research veröffentlicht. Anlass ist ein Aufsatz von Noam Slonin und seiner Kollegen:innen aus den IBM Laboren in Haifa und Dublin in Nature. Die Forscherinnen und Forscher haben „eine KI“ entwickelt, die mit Menschen debattieren, diskutieren und argumentieren kann. Dazu sucht sich das System Informationen zu einem Thema aus unterschiedlichen Quellen heraus, gewichtet und analysiert die Argumente und Gegenargumente und bereitet sie in natürlicher Sprache auf.

In einer öffentlich übertragenen Debatte zwischen Harish Natarajan und Project Debater, on einer Säule mit blau leuchtendem Display und einer weiblichen Stimme verkörpert, wurden die Fähigkeiten an der Fragestellung „Sollten wir Vorschulen subventionieren?“ demonstriert. Meine Kollegin Anke Breitwieser und mein Kollege Dr. Wolgang Hildesheim beschrieben das näher in diesem Beitrag. Dort ist auch das Video der (englischsprachigen) Diskussion zu sehen.

Warum greife ich es hier auf? Noam Slonim und seine Kollegen:inne schreiben in Nature“, dass es ihnen gar nicht so sehr darum gehe, dass eine KI eines Tages besser als Menschen argumentieren könne. Vielmehr sollen die Weiterentwicklungen von Debater dabei helfen, angesichts der Informationsflut und auch zunehmender Fake News Fakten zu extrahieren, überzeugende Argumente zu identifizieren oder zu entwickeln und so bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Das erscheint in diesen Zeiten auch dringend notwendig, denn wie Manfred Lindinger in der FAZ so schön seinen Artikel schließt:

In manchen hitzigen Talkshows, die derzeit Hochkonjunktur feiern, würden die fundierten Meinungen von Project Debater sicherlich viel Zuspruch finden.

Debattierfreudige KI: Jetzt redet der Computer

Dem kann ich nur zustimmen. Viele Diskussionen (und zugegebenermaßen auch einige ach so populistische Dauergäste) gehen mir gerade jetzt in Corona-Zeiten extrem auf die Nerven. Da würde ein weiterer glaubwürdiger, eloquenter Faktenchecker, der die durchaus vorhandenen glaubwürdigen Experten unterstützt, sicher gut tun.

[Ursprünglich endete der Blogbeitrag hier bzw. ich habe noch 1-2 Zitate zu Talkshows eingefügt. Das ist aber im Grunde ein anderes Thema ist, das ich hier separat aufgreife. Ich habe den ursprünglichen Beitrag also auseinander gezogen.]

Passend jedoch zum Thema Bewertung von Daten und Datenkompetenz ist ein Beitrag von Gunter Dueck, den ich am Nachmittag des 26. März gefunden habe. Dort widmet er sich ausgiebig dem, was auch als Data Literacy bezeichnet wird: „Daten sammeln, auswerten, professionell und ethisch mit ihnen umgehen“.

„Zur Beurteilung von Daten ist eine Menge Kontextwissen erforderlich, auch dafür, Manipuliertes oder einfach Falsches zu erkennen.“

Data Literacy – schön wär’s! | MERTON Magazin

Und hier sind wir im Grunde wieder beim Project Debater. Wir können und sollten solche Werkzeuge natürlich nutzen, aber es braucht – so wie es auch Gunter Dueck schreibt – auch der eigenen Bildung und Kompetenz, Daten sachlich und fachlich zu beurteilen. Die Beispiele, die er in seinem Beitrag bringt, sind selbst-sprechend. Die Verbreitung der britischen Mutante in Deutschland war anhand der Daten aus Großbritannien vorauszusehen. Trotzdem wurde gelockert … Doch vielleicht will man ja auch manchmal gar keine vernünftige Analyse, denn Fakten können auch erschreckend und sehr nüchtern, nicht unterhaltsam genug oder zu wenig Stimmen einbringend sein:

„Data Literacy wird in den Medien nicht wirklich priorisiert, denn das intelligent Dumme, wenn es schrill genug ist, kommt in Talkshows, aber die blasse Wahrheit braucht bald eine Quote.“

Data Literacy – schön wär’s! | MERTON Magazin

(Stefan Pfeiffer)

* Das verwendete Foto von der Talkshow stammt von ARD Audio, der Fotodatenbank für Journalisten der ARD. Alle Rechte liegen bei der ARD.

Filed under: Journalismus & Öffentlichkeit, Rund um IBM & meinen Job

About the Author

Veröffentlicht von

Stefan Pfeiffer ist seit 2007 bei der IBM in verschiedenen Marketingpositionen tätig. Nie hat den gelernten Journalisten seine Leidenschaft für das Schreiben verlassen, die er vor allem in seinem persönlichen Blog StefanPfeiffer.Blog (ehemals DigitalNaiv) auslebt. Daneben ist er immer mehr als Moderator von Livevideostreams - #9vor9 - Die Digitalthemen der Woche - und Podcasts aktiv. Seine inhaltliche Leidenschaft im IT-Umfeld gilt dem Digital Workplace und generell der digitalen Transformatiom. Auf Twitter ist er als @DigitalNaiv „erreichbar“.

2 Comments

  1. Dann müsste es aber auch eine Pluralität bei den KI-Faktenüberfrüfern geben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas von einem System neutral vorgenommen werden kann. KI-Systeme sind nicht neutral.

  2. Ich bin bei Dir, @Gunnar. Wir haben alle hoffentlich gelernt, dass es keine eine Wahrheit und keine einheitliche wissenschaftliche Meinung gibt. Mir würde schon ein Faktenchecker genügen, der den Polemikern. Wahlkämpfern und Dumm-daher-Babblern auf die Finger klopft, die Fakten verdrehen oder darauf keine Rücksicht nehmen. Man kann unterschiedlicher Meinung sein, aber dann mit fundierten Argumenten. Negativbeispiel Herr Kubicki, der eine Mutantendiskussion einfach lustig findet und behauptet, eine höhere Ansteckung sei gar nicht nachgewiesen.

    Aber vielleicht liege ja auch ich – trotz der Berichte des RKI – falsch und Herr Kubicki hat Recht. Debater kann ja dann auch mich korrigieren.

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