A dynamic, expressionistic abstract composition with swinging lines and geometric patterns. At the center, there is a harmonious web of light, crossing lines. Chaotic dark elements are held back by a network of golden connections. The style is similar to Kandinsky.

Verlorene Streitkultur: Ein Weckruf für respektvolle Debatten und den Schutz politisch Aktiver #9vor9

In der heutigen Zeit, in der Hass und Hetze in sozialen Medien und im realen Leben scheinbar unaufhaltsam um sich greifen, haben wir uns bei einer dringenden Frage gewidmet: Wo sind die respektvollen Debatten geblieben? Unsere aktuelle Podcast-Episode, „Verlorene Streitkultur – Wo sind die respektvollen Debatten hin? (Inklusive der Bedrohung politisch Aktiver)“, beleuchtet die dramatische Verschlechterung der Diskussionskultur (nicht nur, aber auch) in Deutschland und die daraus resultierenden Gefahren für unsere Demokratie

Man darf auch mal Fritze sagen, …

Ich habe einige Gedanken schon zusammengeschrieben, doch Lars und mir war es wichtig, das Thema auch nochmals im Podcast zu behandeln. Wir leben in einer Zeit, in der politische Auseinandersetzungen oft in persönlichen Angriffen und Bedrohungen eskalieren. Besonders betroffen sind Politikerinnen und Politiker, Journalistinnen und Journalisten sowie Influencer. Ricarda Lang beschreibt ihre Erfahrungen in diesem Beitrag und plädiert für eine harte Diskussion zwischen Demokratinnen und Demokraten, bei der man den anderen auch mal Fritze nennen darf.

… aber Gewalt, gar Mord androhen geht gar nicht

Sie prangert aber zu Recht an, dass Angriffe immer häufiger deutlich unter die Gürtellinie gehen bis hin zu Morddrohungen. Politikerinnen und Politiker sind zudem in den vergangenen Monaten nicht nur virtuell in den sozialen Medien, sondern auch real bedroht worden. Dies spiegelt eine tiefgreifende Verrohung der Diskussionskultur wider. Wenn Personen beleidigend, bedrohend und gewaltbereit oder gar gewalttätig werden, müssen die Behörden und die Zivilgesellschaft mit aller Härte gegen sie vorgehen.

Gefühlt sind alle extrem gereizt

Wer kennt den Sketch Gereizt von Badesalz? Dann hier mal anhören. Das trifft gefühlt unser Leben heute. Gerade jetzt scheinen „die Leute“ auch im privaten Umfeld immer öfters extrem gereizt zu sein. Die Lunte ist kurz und nur zu oft gehen viele schnell an die Decke. Trigger sind Begriffe und Themen wie Migration, Heizungsgesetz oder auch E-Auto. Man oft das Gefühl, das die Diskutierenden gar nicht so achtsam morden wollen. In vielen Fällen ist eine harte, aber sachliche Diskussion kaum noch möglich. Es wird schnell emotional, gar zu oft beleidigend und viele verlieren so die Lust an der Diskussion.

Es ist oft die Art und Weise, wie wir miteinander sprechen, die sich verändert hat. Die Diskussionskultur ist von einer zunehmenden Unversöhnlichkeit und Rechthaberei geprägt, die keinen Widerspruch zulässt, und bei der oft der Eindruck entsteht, es ginge um einen „Endkampf um die Wahrheit“. Es wird kaum noch verhandelt oder nach Kompromissen gesucht, was die Auseinandersetzung zunehmend unversöhnlich macht. Talkshows und soziale Medien, mit ihrer Tendenz zu These und Antithese, verstärken dieses Problem, da sie kaum Raum für Synthese lassen

Rückzug ins Private darf nicht der Weg sein

Die Auswirkungen dieser Entwicklung auf unsere Demokratie sind besorgniserregend. Viele Menschen meiden politische Diskussionen, um Streit zu vermeiden. Diskursmüdigkeit führt zu einer geringeren Beteiligung am demokratischen Prozess und zu einem Vertrauensverlust in demokratische Institutionen und Medien. Digitale Gewalt schreckt politisch engagierte Menschen ab. Politikerinnen und Politiker gerade auch auf kommunaler Ebene haben angekündigt, aufgrund der Drohungen und Diffamierungen im digitalen und realen Raum nicht mehr zu kandidieren. Keine Frage für uns: Politikerinnen und Politiker müssen besser geschützt werden.

Doch nicht nur die Politik, auch jeder Einzelne ist gefordert. Wir müssen unsere eigene Diskussionskultur hinterfragen und versuchen, respektvoller zu kommunizieren. Es ist wichtig, aktiv zu werden und sich nicht von Hass und Hetze entmutigen zu lassen. Vor allem aber müssen wir uns bemühen, in hitzigen Debatten gelassen zu bleiben und auf unsere eigene Gesundheit zu achten. Die ständige Konfrontation mit negativen Nachrichten und Aggressionen kann zu Stress und gesundheitlichen Problemen führen.

Was kann man tun? Wie kann man reagieren?

Es ist wichtig für jeden politisch Engagierten, sich bewusst Auszeiten zu nehmen und eine gewisse Distanz zu wahren, um die Dinge ruhiger bewerten zu können. Das gilt besonders für die sozialen Medien. Was sind unsere Schlussfolgerungen für uns selbst und euch:

  • Auf Ruhepuls kommen und bei aufwühlenden Social Media-Posts 24 Stunden warten, die Sache sacken und lassen, bewerten und dann in einem respektvollen Ton antworten.
  • Aktiv werden: Sich aktiv für eine bessere Streitkultur einsetzen und sich nicht von Hass und Hetze entmutigen – auch wenn es schwer fällt.
  • Selbstreflexion: Die eigene Diskussionskultur hinterfragen und versuchen, respektvoller mit anderen Meinungen aus dem demokratischen Spektrum umzugehen.
  • Fakten prüfen: In Zeiten von Fake News und Lügen müssen wir Fakten immer wieder prüfen, bevor wir auf vermeintliche Wahrheiten reinfallen.
  • Verantwortung: Von politischen Akteuren und Medien einen konstruktiven Dialog einfordern.
  • Schutz politisch Aktiver: Sich für einen besseren Schutz für politisch Aktive einsetzen, die von Beleidigungen und Bedrohungen betroffen sind.
  • Mut zur Meinung: Die eigene Meinung äußern, ohne Angst vor Anfeindungen zu haben.
  • Gelassenheit bewahren: In hitzigen Debatten möglichst gelassen bleiben, und die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden achten. Denkt an euren Puls

In dieser Podcast-Episode wollten wir nicht nur das Problem analysieren, sondern auch Wege aufzeigen, wie wir gemeinsam eine bessere Streitkultur schaffen können. Wir ermutigen euch, zuzuhören, mitzudiskutieren und ein Teil der Lösung zu sein. Denn nur gemeinsam können wir den negativen Trend umkehren und sicherstellen, dass sich Menschen wieder sicher und ermutigt fühlen, sich politisch zu engagieren.

Vergesst nicht, dass es in unserer Verantwortung liegt, die Demokratie zu schützen und eine respektvolle Debattenkultur zu fördern.

Eine gesunde Streitkultur in Deutschland: Wie bekommen wir die hin? #9vor9 – Die Digitalthemen der Woche

Wir wollen uns mal wieder so richtig streiten bei 9vor9. Und "so richtig" heißt in diesem Fall: Konstruktiv, ohne Beleidigungen und anerkennend dass die Meinung des oder der Anderen auch ihre Berechtigung haben, selbst wenn man diese nicht teilt. Sollte normal sein, ist es aber nicht. Also: Wir bekommen wir das wieder hin? Darüber reden wir.

Comments

Eine Antwort zu „Verlorene Streitkultur: Ein Weckruf für respektvolle Debatten und den Schutz politisch Aktiver #9vor9”.

  1. Die Tage habe ich noch die #Streitkultur in #Deutschland bemängelt, bei der man sich nur noch anschreit. Johannes Franzen sieht das auf #Uebermedien etwas anders: Es habeenie eine goldene Zeit der Debattenkultur gegeben – öffentlicher Austausch war schon immer aggressiv. Statt einer künstlichen Harmonisierung fordert er die ehrliche Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Konflikten.

    https://uebermedien.de/101943/die-forderung-nach-einer-zivilisierten-debatte-ist-bloss-diskurskitsch/

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