A conceptual advertisement showcasing a whimsical and symbolic orchestra where traditional instruments are replaced with sustainable energy technologies—solar panels, heat pumps, batteries, an electric car, and a smart meter—representing a shift towards renewable energy. The musicians, a diverse group of men and women, are depicted playing these energy devices, and the conductor playfully juggles cables instead of a baton, creating a humorous and visually striking metaphor for a sustainable future. The background subtly displays the hashtag "#Ladelust" in a modern, clean font, while the lighting is soft and diffused, creating a dreamlike atmosphere with a vibrant color palette of greens, blues, and yellows, evoking a feeling of optimism and innovation for a brand promoting electric vehicle charging solutions.

Wie bringt man Solarstrom, Wärmepumpe und E-Auto unter einen Hut, ohne dass einem der Kopf raucht?

9vor9 breit

Wie gelingt es, Strom aus der eigenen Solaranlage effizient zu nutzen – für Haushalt, Wärmepumpe und Elektroauto? Darüber haben Lars und ich in unserem Podcast #9vor9 mit Thomas Wedel in unserer Serie Ladelust gesprochen. Thomas ist seit drei Jahren in der Praxis unterwegs, hat viel ausprobiert und weiß, wo Chancen und Fallstricke liegen. Ich konnte dabei auch meine ganz eigenen Erfahrungen einbringen – und die zeigen, wie unterschiedlich die Realität aussehen kann.

Fünf Parameter – oder das kleine Energie-Orchestrierungs-Chaos

Bei Thomas fing alles harmlos an: erst die Wärmepumpe, dann die Solaranlage. Später kam ein Batteriespeicher dazu, eine Wallbox und schließlich das E-Auto. Und weil es noch nicht kompliziert genug war, hat er sich auch noch einen dynamischen Stromtarif gegönnt.

„Damit habe ich im Prinzip fünf Parameter – vier Geräte plus Tarif – die ich gleichzeitig optimieren müsste. Rein mathematisch ist das ein Ding der Unmöglichkeit“, lacht er. Also: nicht optimieren, sondern experimentieren. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Homogen und einfach ist anders …

Mögliche Komponenten einer PV-Anlage
  1. Wärmepumpe
  2. Photovoltaikanlage
  3. Batteriespeicher
  4. Wallbox/E-Auto
  5. dynamischer Stromtarif

Kosten sparen? Autark sein? Nö, Ehefrau happy machen

Thomas spielt allerdings auch mit 25 kWp PV-Leistung auf dem Dach, 40 kWh Speicher im Keller und E-Auto und Wärmepumpe in der Champions League der Energiewende mit Solarstrom. Dagegen sind wir mit 24 Panels (ca. 10 kWp) und 10 kWh Speicher eher in der Regionalliga unterwegs.

Für uns scheint das – so die Erfahrungen bisher – zu reichen. Unser oder mein Ziel ist es – wie es sich für einen braven Ehemann gehört – meine Frau glücklich zu machen: Sie soll ohne Probleme täglich mit dem E-Auto nach Frankfurt zur Schirn pendeln können, sprich die rund 100 Kilometer am Tag ohne Ladestress auch im Winter bewältigen können. Es gibt also jenseits der im Podcast diskutierten Zielsetzungen Kosteneinsparungen oder Autarkie durch Solarstrom noch eine weitere mögliche Prämisse, zumindest für mich.

Strom laden will gelernt sein

Beim E-Auto gilt laut Thomas: alte Tankgewohnheiten über Bord werfen. Statt „volltanken und vergessen“ heißt es jetzt: lieber öfter kleine Portionen, am besten direkt mit Solarstrom. Thomas erklärt: „Wenn ich erst den Speicher lade und dann das Auto, habe ich doppelte Verluste. Effizienter ist es, wenn das Auto direkt an der Sonne hängt.“ Klingt logisch – bis die Realität zuschlägt: Wolken, Wärmepumpe, Trockner, schwankende Leistung. Plötzlich zapft das Auto Dach, Batterie und Netz gleichzeitig an. Willkommen im echten Leben. Und dem Physiker wird fast übel, wenn er an die Energieverluste beim Laden und Entladen von der Batterie ins Auto denkt.

Ich bin auf den Winter gespannt, wenn eben nicht mehr so oft die Sonne scheint und Gaga (Göttergattin) trotzdem problemlos mit vorgewärmtem Lenkrad und angenehm temperiertem ID.3 nach Frankfurt fahren will. Die Voraussetzungen sollten eigentlich da sein, aber zur Realität gehört auch, dass ich derzeit drei verschiedene Apps oder Anwendungen bediene.

Apps, Apps und Apps

Für das E-Auto relevant ist die App von Cupra beziehungsweise von VW, wo ich beispielsweise vorgeben kann, dass das E-Auto auch mal auf 100 Prozent geladen werden soll, da beispielsweise eine längere Strecke ansteht. Mein Keba-Wallbox wird über die Keba-App gesteuert, die Überschussladen unterstützt, sodass möglichst Solarstrom ins Auto geladen wird. Die Keba-App ist für das Laden des E-Autos Chefin und übertrumpft die Auto-App. Und schließlich steuere ich die Solaranlage und Batterie noch mit einer separaten Anwendung, über die ich auch die Leistungsdaten, beispielsweise wie viel Strom generiert wurde, erhalte.

Die eine umfassende App gibt es also nicht. Ein weiteres Learning aus meiner Praxis: Man muss selbst viel ausprobieren, da viele der Handwerker meist nur einen Teil einer solchen Anlage beherrschen (von Software gar nicht zu reden). Online-Portale und KI-Tools wie ChatGPT haben mir geholfen, die hoffentlich richtigen Einstellungen und Ladestrategien für Sommer und Winter zu finden. In der Praxis wird es sich zeigen.

Thomas nickte zustimmend: Auch er kennt die Stolperfallen, wenn Wallbox, PV-Anlage, Speicher und Auto nicht perfekt zusammenspielen. Und er gibt sich nicht zufrieden: Mit Open-Source-Lösungen wie evcc will er die einzelnen Komponenten künftig noch smarter aufeinander abstimmen. Ich habe das Gefühl, dass man dafür aber wirklich ein Nerd wie Thomas sein muss, um ein solches System ans Laufen zu bringen. Gerade für die integrierte Steuerung solcher Systeme, wie sie Thomas oder ich betreiben, würde ich mir kompetente Dienstleister wünschen, die unterstützen. Gut, Thomas ist im Unruhestand und kann Zeit ins Experimentieren investieren …

Winterblues und Sommerüberschuss

Jenseits des E-Autos: Natürlich möchten wir auch einen großen Teil des Energieverbrauchs unserer Elektrogeräte in der Wohnung mit Solarstrom abdecken können. Im Sommer scheint das zu gelingen, auf die Erfahrungen im Winter bin ich gespannt. Für mich bedeutet das: ein spürbarer Schritt in Richtung Autarkie, aber nicht die 100 % Unabhängigkeit, die Thomas im Sommer erreicht.
Der Unterschied zeigt, wie stark die Dimensionierung die Ergebnisse beeinflusst – und dass sich jeder genau überlegen muss, welche Investitionen wirklich Sinn ergeben.

Im Sommer läuft’s also wie am Schnürchen: Thomas ist von April bis Oktober 100 % autark. Im Winter dagegen werden die Speicher von Thomas kaum voll, der Eigenanteil sinkt auf 20–25 %. Unterm Strich bleibt er über das Jahr bei rund 50–55 % Autarkie – und damit immer noch ein starkes Ergebnis. Wir sind natürlich auf unsere Zahlen im ersten Winter mit PV-Anlage und E-Auto gespannt.

Dynamische Stromtarife – mehr Hype als Hilfe?

Thomas hat den Selbstversuch gewagt und ist auf einen dynamischen Stromtarif umgestiegen – etwas, was wir nicht im Einsatz haben. Seine Erwartung: Strom dann nutzen, wenn er besonders günstig ist – im Sommer tagsüber oder in seltenen Stunden sogar mit negativen Preisen. Die Realität sah nüchterner aus. Vor allem im Winter, wenn die Wärmepumpe fast durchgehend läuft, waren die Preise oft höher als im Fixmodell. „Nach einem Jahr habe ich unterm Strich mehr bezahlt als mit einem festen Tarif“, so sein Fazit. Für ihn bleibt der dynamische Tarif ein spannendes Experiment, vor allem in Kombination mit dem E-Auto – aber sicher kein Allheilmittel für jedermann.

Fazit: Viel Aufwand, viel Gewinn?

Das Gespräch zeigte, wie wichtig zuverlässige Handwerker und gute Planung sind. Auch wenn moderne Systeme technisch ausgereift erscheinen, sind im Alltag Anpassungen, Recherche und eigenes Ausprobieren notwendig – etwa bei der Softwareanbindung zwischen Wallbox, PV-Anlage und Speicher. In puncto Rentabilität ergaben die Erfahrungen, dass sich eine Anlage nach zehn bis zwanzig Jahren amortisieren kann, abhängig vom Nutzerverhalten, der Strompreisentwicklung und der gewählten Technik.

Thomas sagt klar: Er würde es jederzeit wieder machen. Autarkie, weniger Kosten, kleiner CO₂-Fußabdruck – das Ergebnis lohnt sich seiner Meinung nach.
Und ich? Ich sehe das genauso, aber eben mit besonderem Fokus auf den Aspekt E-Auto. Ja, man muss tüfteln, ausprobieren, auch fluchen. Aber es macht Spaß, und es fühlt sich gut an, wenn man den eigenen Strom vom Dach ins Auto und in die Wohnung bringt. Den Spaß lassen wir uns auch von Frau Reiche nicht verderben.

👉 Wer in die eigene Energiewende startet, sollte Geduld, Neugier und ein bisschen Humor mitbringen. Dann kann aus dem Zusammenspiel aller Energiekomponenten auch eine Erfolgsgeschichte werden.

Praxis-Tipps

  • Dach statt Speicher, meint Thomas: Erst so viele Panels wie möglich, Speicher kann man nachrüsten.
  • Klein anfangen: Erfahrungen sammeln, dann erweitern.
  • Software im Blick behalten: Jede Komponente bringt ihre eigene App mit. Wer glaubt, die harmonieren perfekt, glaubt auch noch an den Weihnachtsmann.

Effiziente Solarenergie: Erfahrungen mit Wärmepumpe, PV-Anlage, Energiespeicher und E-Auto in Kombination #9vor9 – Die Digitalthemen der Woche

In dieser Episode von 9vor9 wird es etwas nerdig und, hoffentlich, sehr praktisch: Unser Gast Thomas Wedel berichtet von seinen Erfahrungen mit seiner umfassenden Energie-Installation zu Hause: Solaranlage, Wärmepumpe, Batteriespeicher, Wallbox und seit einem halben Jahr auch ein Elektroauto. Wir sprechen darüber, wie man Solarenergie effizient im Alltag nutzt, welche Herausforderungen bei der Kombination von Speicher, Wärmepumpe und E-Auto entstehen, warum Optimierung oft eher „Experimentieren“ bedeutet und welche Tipps Thomas für alle hat, die selbst mit erneuerbarer Energie starten wollen. Außerdem diskutieren wir Autarkie, dynamische Stromtarife und den ganz Alltag mit einem umfassenden Solarenergiesystem. Viel Spaß beim Hören. —-

Comments

3 Antworten zu „Wie bringt man Solarstrom, Wärmepumpe und E-Auto unter einen Hut, ohne dass einem der Kopf raucht?”.

  1. successfulc74a15353b

    Schöne Zusammenfassung unseres Gesprächs, lieber Stefan. Das Gebiet ist im Moment in der Tat noch recht nerdig, andererseits auch eine interessante Markt-Opportunity für mögliche „Energiesystem-Integratoren“. Da entstehen vermutlich neue Dienstleister, die beim Endkunden die Einzelkomponenten anforderungs-gerecht aufeinander abstimmen. Um das in Eigenregie zu machen, muss man heute aus einem ganz speziellen Holz geschnitzt sein. Auch ich selbst fühle mich da nur als Einäugiger unter manchen Blinden, bewundere aber die (wenigen) Zweiäugigen, die es in dem Markt schon gibt. Man kann nur in Ehrfurcht erstarren, wenn man mal in den einschlägigen Foren stöbert. Wie Du aber richtig schreibst: Jeder Schritt zur Reduktion des ökologischen Fußabdruckes hilft, auch wenn er anfangs noch Optimierungspotenziale ungenutzt lässt. Jedes nicht verbrannte fossile Energie-Element ist ein gutes.

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  2. Andreas

    Ein interessanter Erfahrungsbericht mit allen Energiethemen.

    Wir sind noch am Anfang der Energiewende.

    Wir haben uns ein eauto zugelegt. Das macht im Gegensatz zur Wärmepumpe und der Solaranlage am meisten Spaß.

    wir wohnen an einem Nordhang einer kleinen Bergkette. Im Sommer bekommen wir viel Energie von unserem Balkonkraftwerk. Im Dezember waren es nur 10 kWh. Mit einer größeren Anlage würden wir nur sehr wenig Energie für eine Wärmepumpe und das eauto erzeugen. Eine große Solaranlage macht also wenig Sinn.

    Ich betreibe als Hausautomation ein Home Assistant System. Das ist eine open source Software. In das System kann man viele verschiedene Geräte integrieren und steuern. Die Logik um die Geräte optimal zu kombinieren wird durch den Benutzer erstellt. Unser eauto ist schon integriert und das Starten und stoppen des Ladevorgangs kann ich damit kontrollieren. Es lassen sich auch smarte Haushaltsgeräte damit steuern. Die Spülmaschine wird durch das System gestartet und bei Solarmangel pausiert. Mit dem System habe ich auch die Strompreise der Energiebörse eingelesen. Im Winter hat sich der dynamische Tarif überhaupt nicht gelohnt. Im Sommer hat man nur am Wochenende günstige Preise. Wenn es sehr windig ist, dann sind die Energiepreise auch an Wochentagen niedrig.

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    1. Danke, Andreas, für den Kommentar. Auch Thomas will mit einer Home Assistant-Lösung experimentieren. Ich bin auf Eure Erfahrungen gespannt.

      @Thomas: Am Wochenende habe ich die neue Version der Keba-Software mit Integrierter Phasenumschaltung installiert. Haben wir ja auch diskutiert.

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