Was gibt’s zwischen Heiligabend und Neujahr zu essen?
Was gibt’s an Heiligabend zu essen, fragt Horst Schulte in seinem Blog und beschreibt die Geschichte und Traditionen seiner Familie. Dann nehme ich seine Aufforderung am Ende des Beitrags zum Anlass, mal unsere nicht nur kulinarische Geschichte aufzuschreiben. Na dann mal los.
„Flaaschworscht“ & Kartoffelsalat
Ganz, ganz früher 😉 gab es an Heiligabend zu Mittag immer Fleischwurst und Kartoffelsalat, natürlich von meiner Mutter selbst gemacht. Fleischwurst – oder wie man im Dialekt sagt „Flaaschworscht“ – wird von einigen außerhalb von Hessen nicht unbedingt gekannt. Es ist eine regionale Variante der deutschen Brühwürste und gehört in Hessen – insbesondere im Rhein-Main-Gebiet – zur kulinarischen Grundausstattung. Es gibt sie geräuchert – dann eher dezent orange-rot – oder heller, dann etwas milder. Unser lokaler Metzger, die Wurstküche in Eberstadt gegenüber dem Schwanensaal, macht eine Zwischenform. Wir sind Fans dieser Wurst, ich bin mit ihr groß geworden.
Zur Tradition gehörte, dass eine Freundin meiner Eltern (Helma) dann auch mit ihrem Sohn Heiligabend zum Mittagessen vorbeikam und wir gemeinsam den leckeren selbst gemachten Kartoffelsalat mit der Wurst gegessen haben. Diese Tradition ist etwas verloren gegangen, weil wir uns alle in Deutschland und darüber hinaus verstreut haben.
Sauerkrautsuppe
Genau wie meine Frau Fleischwurst in ihre kulinarischen Vorlieben übernommen hat, haben wir eine Tradition ihrer Familie lieben gelernt. Heiligabend gibt es zum Abendessen eine Sauerkrautsuppe, möglichst mit lokalem Sauerkraut. Dazu gibt es – sorry, wir Hessen sind Wurstesser – Mettwurst vom lokalen Metzger, wer mag, etwas saure Sahne, frisch geriebenen Meerrettich und gutes frisches Bauernbrot (sofern wir es bekommen). Wir lieben diese Suppe, die auch nur einmal im Jahr zubereitet wird. Sie ist ein säuerlicher Kontrast zu den Plätzchen und süßen Köstlichkeiten der folgenden Tage.
Bio-Gans, Knödel, Rotkraut
Am 1. Weihnachtstag kommt dann eine Bio-Gans (meist vom Hofgut Oberfeld) auf den Tisch. Meine beiden Frauen, Mutter und Gaga, zaubern hier ein köstliches Essen mit selbstgemachten Semmelknödeln und Rotkraut. Da kann man sich reinlegen. Leider fehlt bei all diesen Mahlzeiten inzwischen mein Vater, der im vergangenen Jahr vor Weihnachten verstorben ist. Wir vermissen ihn sehr.
Danach werden „Reste“ gegessen, bevor die kulinarischen Genüsse an Silvester weitergehen. Auch bei uns gibt es Fondue mit Rind- und Lammstückchen sowie Pilzen. Dazu – und das ist besonders lecker – selbstgemachte Saucen – welch ein Unterschied zu „Glassaucen“. Leider nehmen wir uns meiner Meinung nach nicht genug Zeit, aber wir genießen.
Ich bringe die Getränke
Meine Rolle in diesen Tagen ist die des Sommeliers (klingt großkotzig): Ich suche den Sekt zu Heiligabend und Silvester, den Rotwein zu Gans und Fondue und das Bier zu Sauerkrautsuppe aus und versuche natürlich auch hier gute Tropfen oder lokales Bier (zum Beispiel den Schlappeseppel) auf den Tisch zu bringen. Weniger blumig: Ich bin der Tischabräumer, Spülmascheneinräumer und manchmal auch Tischdecker.
Plätzchen backen?
Doch vielleicht erweitert sich meine Rolle bald? In diesem Jahr hat mich Sandra zum Plätzchenbacken eingeladen, etwas, was meine Mutter über Jahre immer gemacht hat – und noch macht. Vielleicht steige ich im kommenden Jahr mal ein und backe mit Sandra und ihrer Familie nach den Rezepten meiner Oma? Mal schauen. Ich reite mich in was rein.
Ich wünsche Euch allen eine friedliche und besinnlicher Zeit – gerade angesichts der Verrückten im eigenen Land, in Amerika und Russland. Zur besinnlichen Zeit gehört für mich auch der Genuss, vor allem das Zusammensein, aber auch gutes Essen und Trinken mit Familie und Freunden. Gerade jetzt. Und danke Horst. Vielleicht hast Du ja jetzt gerade eine Blogparade gestartet, auch wenn Du gar nicht explizit dazu aufgerufen hast.


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