A political cartoon illustration divided into three distinct panels, each depicting different social and international hierarchies with stark visual contrasts. The left panel shows an angry figure with a distorted, furious expression glaring downward at a group labeled "die da unten" - poorly dressed individuals including Black people and people of color standing in conditions of poverty. The center panel features the same angry person with twisted facial features looking upward at "die da oben" - well-dressed wealthy men in expensive suits seated around an opulent dinner table adorned with fine china, crystal glasses, and lavish food. The right panel depicts Uncle Sam with his characteristic top hat and stars-and-stripes attire, wearing a disdainful expression as he gazes across the Atlantic Ocean from the USA toward Europe, representing "die da drüben" with the same condescending attitude that mirrors the class-based dynamics of the adjacent panels.

„Die da oben“, „die da unten“, „die da drüben“: Die einfache Logik gefährlicher Parolen

Einen sehr lesenswerten Blog-Beitrag hat Helmut Barz geschrieben. Er dröselt auf, warum viele Bürgerinnen und Bürger auf die Halbwahrheiten und Lügen insbesondere von Rechtsradikalen hereinfallen. Die gängige Argumentation ist, dass die Leute einfach desinformiert, durch entsprechende Propagandamedien indoktriniert und mit Fake News überflutet werden oder einfach dumm sind.

Den eigenen Status gegen die da unten verteidigen

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Wie Helmut darlegt, spielt noch ein ganz anderes Motiv eine Rolle: man will seinen eigenen Platz in der Hackordnung verteidigen. Deshalb springen viele auf die Parolen an, die gegen „die Anderen“ – meist Migranten, Geflüchtete oder andere Minderheiten – gerichtet sind. Man steht über ihnen, wehrt sich gegen diejenigen, die angeblich den eigenen Status, die eigene Kultur und die eigenen Ressourcen bedrohen. Das führt zu abstrusen Beispielen: der vor vielen Jahren eingewanderte Türke wählt die AfD, damit die Migranten seinen Status nicht bedrohen. Das Beispiel lässt sich vervielfältigen.

Die Parabel von den 100 Würstchen aus den Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling entlarvt die Mechanik des Populismus mit genialer Schärfe: An einem Tisch sitzen ein Milliardär (oft als Trump besetzt), ein Durchschnittsbürger und ein Geflüchteter. Der Milliardär schnappt sich sofort 99 der 100 Würstchen, lässt eine einzige auf dem Teller liegen und flüstert dem Bürger warnend ins Ohr: „Pass auf, der Migrant will dir deine Wurst wegnehmen!“ Diese Anekdote verdeutlicht pointiert, wie Neiddebatten zwischen denjenigen geschürt wird, die ohnehin schon um die Reste kämpfen.

Die Dreifach-Formel der Spaltung: „Die da oben, die da unten, die da drüben“

Zur Angst um den eigenen Status kommt dann noch die Wut auf „die da oben“, die korrupten Seilschaften in Politik, Wissenschaft und Medien. Genau diese beiden Elemente adressieren die AfD und ihre Kompagnons mit ihren Parolen und ihrer Propaganda. Die Vorurteile, die viele haben, werden bewusst genutzt und verstärkt – mit Halbwahrheiten, Lügen und Fake News.

Diese Strategie nutzt auch die MAGA-Bewegung rund um Donald Trump in den USA. Es wird gegen die „da unten“, beispielsweise Einwanderer, die „da oben“, das Establishment in Washington, und die „da drüben“ mit allen Mitteln gewettert. Die neue Nationale Sicherheitsstrategie ist ein aktuelles Paradebeispiel dafür, wie objektive Fakten ignoriert und stattdessen Appelle an Emotionen und persönliche Überzeugungen, an die von Helmut beschriebenen Ressentiments, gesendet werden. Damit beschäftigt sich der Rationalist Christian Stöcker in seiner Kolumne im Spiegel.

Die erwähnte Nationale Sicherheitsstrategie enthält zahllose falsche Behauptungen, die aber bei Trumps treuesten Wählern vermutlich gut ankommen. Europa stehe vor der „zivilisatorischen Auslöschung“ durch Migration – das räsoniert bei seinen Anhängerinnen und Anhängern. Verschwörungstheorien sprießen jenseits des Atlantiks und in Europa aus dem Boden, und nicht umsonst besuchen Dutzende von AfD-Politikern die Freunde in den USA, um sich auszutauschen und abzustimmen, vielleicht sogar den Umsturz und das Ende der EU zu planen, wie es Bastian Brauns auf T-Online formuliert.

Sowohl Helmut als auch Christian warnen davor, die Strategie der postfaktischen Lügen und Sprüche der Populisten zu kopieren, um diesen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das ist bisher immer schiefgegangen. Doch was kann „die Politik“, besser gesagt, was können wir alle tun? Es bleibt wohl nur der Weg, an der Wurzel anzusetzen, in Bildung, bezahlbaren Wohnraum und Gesundheit zu investieren.

2026 – die offene Gesellschaft retten (oder verlieren)

Und es wäre hilfreich, eine positive Perspektive zu entwickeln, hinter der „wir alle“ uns versammeln können. Diese positive Perspektive sehe ich leider noch nicht. Die Ansätze, die es gab, wurden torpediert, systematisch schlecht geschrieben und geredet. Wie seht ihr das? Was können wir tun, um 2026 wieder zu mehr Vernunft in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft und rationalem Handeln zu kommen? Wie versammeln wir wieder eine wehrhafte Mehrheit hinter unserer Demokratie und Lebensweise? „Weiter so“ wird vermutlich nicht funktionieren, denn es knirscht im Gebälk, wie es Helmut so treffend ausdrückt. Unsere offene Gesellschaft hat gerade wieder mehr Feinde denn je und muss sich wehren.


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