
Das Jahr 2026 hat wieder mit einem Paukenschlag begonnen. Dabei hätten wir es alle wissen können, ja müssen. Die Zeit des Imperialismus ist zurück. Ich musste an mein Studium denken, wo ich bei Professor Hans-Jürgen Schröder US-amerikanische Geschichte studiert habe und – unvergessen – in der Universitätsbibliothek die dicken rot-braunen Bände mit den Akten des „Foreign Relations of the United States“ (FRUS) gewälzt habe (damals vor allem über die Vorgeschichte des 2. Weltkriegs; in der Regel werden diplomatische Korrespondenz, Berichte und interne Analysen freigegeben). In Zeiten von Google und Künstlicher Intelligenz unvorstellbar.
Aus diesen Studienzeiten stehen noch einige Bücher im Regal des Arbeitszimmers. So habe ich jetzt angesichts der Entführung von Maduro „Die Arroganz der Macht“, ein Klassiker von J. William Fulbright, herausgezogen. Die deutsche Übersetzung beginnt mit einer Gegenüberstellung zweier Amerikas, des großzügigen und humanen auf der einen, des selbstgerechten und egoistischen auf der anderen Seite: „Das Ergebnis ist, dass man die Handlungen der USA nicht voraussehen kann“, schreibt Fulbright.
Imperialismus pur: Die Raubtiere sind zurück …
Doch vielleicht hätte man das Handeln der Trump-Administration durchaus voraussehen können. Ihre Absichten hat die MAGA-Bewegung nie verheimlicht. „Die Stunde der Raubtiere“, so lautet der Titel des aktuellen Buches von Giuliano da Empoli. Er analysiert darin, wie Brutalität, Gier und Hinterlist von Autokraten wie Trump oder Putin sowie deren Komplizen in der Digital- und Ölwirtschaft, die nicht davor zurückschrecken, internationale Regeln zu brechen, um ihre Macht zu zementieren und ihren Reichtum zu mehren. Die bestehende Nachkriegsordnung ist zusammengebrochen. Wir befinden uns in einer Zeitenwende, in einer Wiederkehr des ungezügelten Imperialismus, der vor Gewalt und Militäreinsätzen nicht zurückschreckt.
T-Online, das sich in seinem Tagesanbruch vom 5. Januar auf das Buch von da Empoli bezieht, setzt am 7. Januar 2025 noch einen drauf und vergleicht die Weltordnung mit dem New York der zwanziger und dreißiger Jahre, in dem Mafia-Clans die Stadt untereinander aufgeteilt hatten. Es scheint, dass die im Paten beschrieben Mafia-Doktrin und es weitere „Angebote“ von Trump (aber auch Putin und XI) geben wird, die die Betroffenen nicht ausschlagen können.
„Man darf nicht vergessen: Trump geht es um Trump, dann geht es ihm nochmal um Trump, dann geht es ihm um seine Kinder und das Vermögen seiner Familie. Erst im Anschluss geht es ihm um die USA – vor allem um die USA als sein Publikum und sein Herrschaftsvolk, das seinen orangenen Regenten untertänig zu beklatschen hat …“
Jan Skudlarek, Donny und der Dammbruch (Essay)
„Angebote“, die viele Länder nicht ablehnen können
T-Online, das sich in seinem Tagesanbruch vom 5. Januar auf das Buch von da Empoli bezieht, setzt am 7. Januar 2025 noch einen drauf und vergleicht die Weltordnung mit dem New York der zwanziger und dreißiger Jahre, in dem Mafia-Clans die Stadt untereinander aufgeteilt hatten. Es scheint, dass die im Paten beschrieben Mafia-Doktrin und es weitere „Angebote“ von Trump (aber auch Putin und XI) geben wird, die die Betroffenen nicht ausschlagen können.
„Die drei militärisch mächtigsten und rücksichtslosesten Menschen auf diesem Globus führen vor, dass Völkerrecht nur für die gilt, die keine Macht haben. Sie tun es, weil sie es können. So einfach ist das,“ schreibt Horst Schulte. Oder um es mit der Mafia-Legende Al Capone in „Der Pate“ zu sagen: „Mit einem freundlichen Wort und einer Knarre kommt man viel weiter als mit nur einem freundlichen Wort.“
Wo sind „Die Unbestechlichen“ von heute?
Und natürlich stellt sich die Frage, wo sind heute „Die Unbestechlichen“, die damals Richard Nixon in der Watergate-Affäre durch ihre Enthüllungen zu Fall gebracht haben? Gibt es solche Investigativjournalisten wie Bernstein und Woodward überhaupt noch? Gibt es die entsprechenden, unabhängigen Publikationen überhaupt noch? Oder sind die alle gleichgeschaltet worden und werden eh von den unsolidarischen Medien und den pornografischen Bildern auf Murks‘ X übertönt?
Anstößige Inhalte, ob rechtsradikale Propaganda oder Nacktbilder von Minderjährigen, all das interessiert Tech-Oligarchen wie Musk oder Zuckerberg ganz offensichtlich nicht. das ist ja nur „Freedom of Speech“ und diese dummen Europäer sollen sich unterstehen, die entsprechenden unsozialen Netzwerke ungerechtfertigterweise zu zensieren. Sie werden dann schon sehen, was sie davon haben.
Alles nur eine große TV Reality Show mit Zampano Donald?
Außerdem hat der „Big Entertainer“ und Showmaster „the one and only“ Donald Trump eh die Öffentlichkeit „im Sack“, in dem er immer wieder „Great Television“ mit einem unsäglichen Brei von Bewegtbildern von TV über Social Media zu KI-generierten gefälschten Inhalten produziert und damit die Mehrheit der US-Bevölkerung manipuliert und verdummt? Die Wirklichkeit mutiert zu einer fortlaufenden Reality Show und vielleicht glaubt sogar Trump selbst an seine Märchen.
Gibt es überhaupt noch das von Fulbright zitierte humane und großzügige Amerika? Ja, aber derzeit ist es nicht zu sehen, vielleicht in der Minderheit. Die Midterm-Wahlen stehen am 3. November 2026 an und werden uns vielleicht mehr Aufschluss geben. „Dann wird sich zeigen, ob den USA die Umkehr gelingt oder ob sie unter Trump immer weiter in Richtung Autokratie driften“, so schätzt (nicht nur) Albrecht von Lucke die Lage ein.
Zwischen Liebeserklärung und Ernüchterung: Mein Amerika 2026
Wie schon des Öfteren in diesem Blog geschrieben, arbeite ich seit über 30 Jahren mit und für US-amerikanische IT-Unternehmen. Ich habe unzählige „most important quarters in the history of this company“ und auch die unbeschreibliche kulturelle Selbstherrlichkeit, kulturelle Unwissenheit und Naivität in Stabsabteilungen erlebt, die einfach mal gute, kreative Initiativen, die in den Ländern erfunden wurden, plattgemacht haben. Und ich sehe mit Erschrecken, wie wir uns gerade in Deutschland weiter digital von den USA abhängig machen und das mit offenen Augen. Gelle, Herr Söder.
Aber ich war durch meinen Beruf sehr häufig in den USA und habe einige Städte und Staaten kennengelernt. Vor allem habe ich auch viele nette, freundliche US-Amerikanerinnen und -Amerikaner kennengelernt, Kolleginnen und Kollegen, die zu guten Bekannten oder Freunden geworden sind. Durch meine Frau habe ich Leute aus der Kunstszene in New York getroffen, hochgebildet, intellektuell, liberal und tolerant. Jenseits von Trump und seinen Anhängerinnen und Anhängern gibt es das „gute Amerika“, das meine Frau und ich sehr schätzen.
Dieser Beitrag ist auch eine Liebeserklärung an dieses tolle Land und viele seiner Menschen, die wir gerne weiter besucht beziehungsweise bereist hätten. Aber niemals zuvor hatte ich solche Zweifel, dass sich die „guten Kräfte“ dort wieder durchsetzen und Arroganz, Machtgehabe, Gewalt und Intoleranz in die Schranken weisen.
Und ja, es gibt erschreckende Parallelen zu unserer Situation in Deutschland und Europa. Die AfD’ler knien in Washington und Moskau unterwürfig vor Trump und Putin, so von wegen Vaterland und Patrioten.


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