
Es ist fast schon peinlich, wie lange wir uns noch mit X beschäftigen müssen. Während die meisten längst weg sind – oder zumindest behaupten, es zu sein – tummeln sich immer noch Politiker, Medien und Behörden auf der Plattform, als wäre nichts passiert. Als wäre es nicht längst eine Mischung aus Trash-TV, rechtsextremer Spielwiese und einem traurigen Relikt der Twitter-Ära.
Noch schlimmer: Auf X hat der KI-Chatbot Grok wochenlang sexualisierte, teils kinderpornografische Deepfake-Bilder von Frauen und Minderjährigen erzeugt und verbreitet, weshalb die EU nun ein Verfahren wegen illegaler Inhalte und möglicher Fälle von Kindesmissbrauch eingeleitet hat. Lars und ich haben es bei #9vor9 auf den Punkt gebracht: X ist kein „globaler Nachrichtenhub“ mehr, sondern ein Ort, an dem sich die letzten Getreuen eines Milliardärs mit fragwürdigen Visionen versammeln.
Dabei war die Plattform mal etwas anderes: ein Ort für Echtzeit-Informationen, für Debatten, für den schnellen Austausch zwischen Journalisten, Politikern und der Öffentlichkeit. Doch heute? Heute ist X vor allem eins: ein Ort, an dem Algorithmen Hasskommentare pushen, Bots die Diskussion dominieren und Elon Musk sich einen Spaß daraus macht, europäische Gesetze zu ignorieren. Dass ausgerechnet die Tagesschau, die FAZ oder gar der Bundeskanzler immer noch fleißig posten, wirkt wie eine Kapitulation vor der eigenen Bequemlichkeit. „Es ist halt automatisiert“, als ob das eine Entschuldigung wäre.
Die große Lüge: „Wir müssen dort sein, um zu informieren“
„Wenn wir gehen, überlassen wir das Feld den Extremisten.“ ist ein beliebtes Pseudoargument. Doch wer heute noch glaubt, auf X sinnvoll informieren zu können, hat entweder nicht mitbekommen, wie die Plattform funktioniert – oder lügt sich selbst etwas vor. Die Tagesschau postet dort und erntet Hass. Politiker werden mit Bots und Beleidigungen überflutet. Und die „loyale Nutzerbasis“? Sie besteht mittlerweile vor allem aus Leuten, die sich über „woke“ Medien aufregen, oder aus Accounts, die KI-generierte Hundevideos oder Nacktbilder teilen.
X ist kein Ort für Dialog mehr. Es ist ein Ort für Monologe
Dass Universitäten, Forscher und selbst liberale US-Medien längst gegangen sind, spricht Bände. Sie haben erkannt: Wer auf X bleibt, stärkt eine Plattform, die aktiv gegen Aufklärung, Fakten und demokratische Debatten arbeitet. Dass Elon Musk den Zugang für wissenschaftliche Forschung gekappt hat, war nur ein letzter Nagel im Sarg.
Die Super-App? Ein schlechter Witz
Elon Musk träumt von einer „Super-App“ nach chinesischem Vorbild – ein Ort, an dem man alles machen kann, von Nachrichten lesen bis Bezahlen. Doch was bleibt, ist eine trashige Version des alten Twitters, angereichert mit Premium-Abos, die niemand braucht, und einem KI-Chatbot namens Grok, der eher wie ein schlechter Witz wirkt. Für 22 Euro im Monat darf man sich dann mit „Super Grok“ unterhalten – ein Angebot, das so absurd ist, dass es fast schon wieder bewundernswert wäre, wenn es nicht so traurig wäre.
Dass Apple trotzdem noch Werbung auf X schaltet, zeigt nur: Geld stinkt nicht – selbst wenn es auf einer Plattform landet, die mit rechtsextremen Inhalten und Deepfake-Pornografie in Verbindung gebracht wird.
Warum also sind sie alle noch da?
Weil es bequem ist. Weil „man das schon immer so gemacht hat“. Weil irgendwelche Social-Media-Berater in Behörden und Redaktionen immer noch glauben, man müsse dort präsent sein. Doch die Realität sieht anders aus: X ist irrelevant. Die meisten Nutzer sind längst auf anderen Plattformen – und die, die geblieben sind, sind oft genau die, mit denen man nicht diskutieren will.
Dass die EU und Großbritannien jetzt Ermittlungen gegen X einleiten, ist ein Schritt. Dass Strafen drohen, auch. Doch solange Politiker und Medien weiterhin brav ihre Pressemitteilungen dort posten, bleibt die Plattform am Leben – nicht weil sie gebraucht wird, sondern weil niemand den Mut hat, sie endlich sterben zu lassen.
Immerhin scheint auch die Geduld vieler Deutscher mit X am Ende zu sein: Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage fordern knapp 70 Prozent, dass die EU härter gegen Elon Musks Plattform vorgehen soll – mehr als die Hälfte spricht sich sogar für ein Verbot aus, sollte X weiterhin gegen geltendes Recht verstoßen, etwa durch die Verbreitung sexualisierter Deepfakes oder die systematische Bevorzugung rechter Inhalte durch seine Algorithmen. Das wäre sicher nicht einfach umzusetzen, zeigt aber, wie die Stimmung inzwischen gekippt ist.
Fazit: Runter von X. Jetzt. Endlich.
Die Frage ist nicht mehr, ob X ein Problem ist, sondern ob die Politik den Willen hat, es zu lösen. Wer heute noch auf X postet, sollte sich fragen: Wem nützt das eigentlich? Den Bürgern? Der Demokratie? Oder nur einem Milliardär, der sich einen Spaß daraus macht, die Regeln zu brechen?
Die Antwort liegt auf der Hand. Es ist Zeit, den Stecker zu ziehen. Nicht nur für sich selbst – sondern für alle, die noch glauben, dass soziale Medien auch Orte des Austauschs sein können. X ist dieser Ort nicht mehr. Es ist ein Ort der Resignation, der Fake News und des Hasses. Und den sollten wir nicht befeuern.
Digitalisierung in der Praxis: Wie Darmstadt durch eine moderne Verwaltung Vertrauen schaffen will – #9vor9 – Die Digitalthemen der Woche
Dieser Text wurde in Teilen von Le Chat, dem Large Language Model und Chatbot des französischen Anbieters Mistral, aus dem Transkript unseres Gesprächs erstellt und von mir verfeinert.


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