Manchmal triggern mich Themen von Blogparaden einfach nicht, und dann lasse ich es auch sein. Doch als ich bei Herrn Tommi dessen Beitrag zu Blog vs Social Media gelesen habe, da dachte ich, beim Bloggerschnack Februar 2026 der Bloghexen machst du mal mit. Da machst du mal mit, weil sich meine Motive geändert haben, manche Plattformen doch zu nutzen. Und natürlich gibt es verschiedene Arten, eine Social-Media-Plattform oder manche Asocial-Media-Plattform zu nutzen. Doch zu den Fragen aus dem Bloghexen-Forum:
Auf welchen Plattformen bist du aktiv und wie oft?
Mein Blogbeiträge promote ich auf allen drei Alternativen, die nach der Versumpfung und Radikalisierung von X aka Twitter mehr oder weniger erfolgreich hochgepumpt sind. Threads und Bluesky nutze ich reaktiv, das heißt, ich promote dort meine Inhalte, weil ich einige interessierte Leserinnen und Leser vermute. Wobei ich zugeben muss, dass ich unterdessen gegen Threads eine gewisse Aversion entwickle. Manche Postings und mancher Ton dort gefallen mir nicht.
„Meine“ Social-Media-Plattform ist Mastodon. Dort habe ich mit Abstand die meisten Follower. Dort gefällt mir der Ton trotz mancher intoleranter Traditionalisten am besten. Dort poste ich nicht nur, dort kommuniziere ich und tausche mich aus. Dass ich mir eine wesentlich höhere Verbreitung von Mastodon und des Fediverse wünsche, ist in diesem Blog oft genug nachzulesen.
Auf Mastodon habe ich auch zwei Instanzen: meine „normale“ Mastodon-ID @DigitalNaiv@mastodon.social und mein Blog als unabhängiges Mastodon-Konto @stefanpfeiffer.blog. Alle meine Beiträge im Blog werden automatisch auf Mastodon und im Fediverse publiziert (föderiert). Die Integration von WordPress in das Fediverse finde ich super. Genau so sollte ein offenes, dezentrales soziales Netzwerk funktionieren. Und immerhin folgen dem Blog nun genau 100 Nutzer des Fediverse. Da bin ich ganz happy darüber.
Und ja, ich bin vor geraumer Zeit auch rückfällig geworden und promote meine Blogbeiträge wieder auf Facebook, nachdem ich das Zuckerberg-Imperium zwischenzeitlich komplett verlassen hatte. Warum tue ich das? Viele Bekannte in meinem Alter und auch meine Göga sind dort, und die will ich ganz bewusst genau in diesen unruhigen Zeiten erreichen. Einen gewissen Effekt scheint das auch zu haben, denn Facebook ist im vergangenen Jahr nach Google die Plattform, die laut WordPress-Dashboard am meisten Traffic auf meinen Blog bringt.
(Wobei das Volumen meiner Besucher in meinem Blog, der reines Hobby ist, natürlich überschaubar ist.)
Ups, jetzt hätte ich beinahe das Business-Kasper-Netzwerk LinkedIn vergessen, wo ich automatisiert die meisten meiner Beiträge auch promoten lasse. Aber auch dort bin ich nicht mehr wirklich aktiv, sondern nur Publisher.
Teilst du auf deinem Blog andere Inhalte als auf Social Media oder bereitest du Teile aus Artikeln für Social Media auf?
Auf den oben genannten Plattformen teile ich meist den Teaser meiner Beiträge, den ich eh für WordPress schreibe. Gelegentlich picke ich auch einzelne Aspekte heraus, die mir wichtig sind, und promote diese nochmals separat.
Eine besondere Art von „Aufbereitung“ habe ich im vergangenen Jahr begonnen: Basierend auf vielen meiner Blogbeiträge erstelle ich für YouTube, TikTok und Instagram Kurzvideos, sogenannte Reels und Shorts, die versuchen, die Kernaussagen meines Beitrags in Videos im Comic-Stil auf den Punkt zu bringen. Die Videos produziere ich mit Hilfe eines KI-Assistenten mit CapCut, einem Videotool von TikTok-Besitzer ByteDance. Das Tool wäre in gewisser Weise genial, wenn es deutschen Text besser verarbeiten würde. Mehr zum Thema hier.
Auf welchen Plattformen bist du aktiv und wie oft?
Die Plattformen bespiele ich, wenn ich einen neuen Blogbeitrag veröffentliche oder wir eine neue Folge unseres Podcasts #9vor9 aufnehmen, also etwa dreimal die Woche. Vor allem auf Mastodon teile ich über das Social-Media-Management-Tool Buffer unabhängig vom Blog Artikel, die ich für interessant, lesenswert und kommentierungswürdig halte. (Die tauchen dann auch oft noch in meiner Serie Kuratiert., ehemals Wochenschau, auf, in der ich die für mich relevantesten Onlinebeiträge der letzten Tage zusammenfasse.)
Wirklich aktiv im Sinne von bi-direktionaler Kommunikation und Austausch bin ich nur auf Mastodon, wie schon oben beschrieben. Ok, durch meinen Bekanntenkreis kommentiere und kommuniziere ich auch hier und da auf Facebook.
Wie entscheidest du, welcher Content wohin gehört?
Da ich in WordPress die Social Sharing-Funktion für die Mehrheit der oben genannten Plattformen aktiviert habe, werden meine Beiträge automatisch nach LinkedIn, Mastodon, Bluesky und Threads gespielt. Bei manchen Beiträgen deaktiviere ich bewusst eine Plattform, wenn ich den Inhalt für dieses Zielpublikum als irrelevant erachte. Nach Facebook kopiere ich die Beiträge derzeit noch manuell hinüber.
Die Kurzvideo-Plattformen sind, wie erwähnt, eine spezielle Sache: Meine Hauptmotivation, dort zu sein, ist auf der einen Seite, mich zu Themen der Digitalisierung, von IT und Social Media zu äußern. Auf der anderen Seite – und das war der entscheidende Faktor, das 60Sekunden-Experiment zu starten – halte ich es in diesen Zeiten, wo rechtsextreme Nationalisten und Autokraten unsere Demokratie gefährden, wo die AfD ihre Hetzkampagnen genau dort ausspielt, für extrem wichtig, klar politisch-demokratisch Kante und Flagge zu zeigen. Vor allem deshalb mache ich mir die Arbeit. Und ja, ich weiß, ein paar Hundert Viewer sind nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein. Trotzdem.
Nutzt du Plattformen strategisch unterschiedlich oder sind sie alle Teil eines großen Ganzen?
Ich schreibe ein privates Blog und produziere mit Lars zusammen unseren Podcast #9vor9 aus reinem Spaß und Freude. Es ist ein Hobby, es entspannt mich, es hält mich hoffentlich geistig fit und wenn es zu sachlichen Diskussionen kommt, freut mich das.
Ist das strategisch? Eher nicht. Meine Motive habe ich oben beschrieben. In diesen Zeiten habe ich das Gefühl, dass man sich zu bestimmten Themen äußern muss. Es darf nicht wieder eine schweigende Mehrheit geben, die sich wundert, wenn wir plötzlich ein politisch-totalitäres System haben, das viele nicht wollen. Die „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ müssen bekämpft werden. „Die offene Gesellschaft“ muss aktiv verteidigt werden.
Gestern kam wieder der Newsletter von Jan Skudlarek in meinem Posteingang an, den ich nur empfehlen kann. Da war dieser Beitrag eigentlich schon fertig und auf Termin gelegt. Nun füge ich dieses Zitat von Jan ein, dass ich zu hundert Prozent unterschreibe:
Um unsere Demokratie gegen autoritäre und rechtsextreme Einflüsse zu rüsten, muss das linksprogressive Lager verstehen, was MAGA oder AfD längst verinnerlicht haben: Ohne Netz geht nichts!
Um unsere Demokratie gegen autoritäre und rechtsextreme Einflüsse zu rüsten, muss das linksprogressive Lager verstehen, was MAGA oder AfD längst verinnerlicht haben: Ohne Netz geht nichts!… Ob Bluesky, TikTok, LinkedIn, Mastodon, Facebook oder Instagram: Die freiheitlich-demokratische Grundordnung wird auch und vor allem im Netz verteidigt. Wahlen gewinnt nur, wer die Scheu vor der Öffentlichkeit ablegt und eintaucht in den digitalen Diskurs.
Vielleicht ist genau deshalb mein Engagement in teilweise auch asozialen Medien Teil des großen Ganzen?
„Nachwort“
Ich bin natürlich am Überlegen, meine Aktivitäten auf gewissen Plattformen herunterzufahren, da sie „eh nichts bringen“. Und damit meine ich nicht nur Viewer, sondern auch vernünftige Interaktion. Da ich aber den Publikations- und Verteilungsprozess durch die WordPress-Integration in diverse soziale Plattformen und durch Buffer weitgehend automatisiert habe, lasse ich es noch laufen.
Selbstverständlich stellt sich mir auch die Frage, ob und wie lange ich noch die 60-Sekunden-Videos produziere, aber da sage ich mir noch, dass es wichtig ist, gerade auf diesen Plattformen Viewer zu erreichen, auch wenn mancher Kommentar unter die Gürtellinie geht …


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