Erneut war es einige Tage still hier in meinem Blog. Dafür habe ich an anderer Stelle gewirbelt: Zusammen mit Sandra, Heike, Johanna, Frank, Jacques, Martin und einigen anderen Freiwilligen habe ich das 50. Tennis International Damen-Turnier bei meinem Heimatclub, dem TC Bessungen 2000, journalistisch begleitet. Das fing schon vor Monaten mit Social-Media-Promos auf Instagram und Facebook und einigen Blogbeiträgen auf unserer Homepage an und endete vergangene Woche in einer täglichen Berichterstattung rund um das Turnier. Viele der Instagram-Posts und der Texte wären nicht entstanden, wenn wir nicht Künstliche Intelligenz eingesetzt hätten, um unsere Arbeit zu unterstützen und zu erleichtern. Viele der Texte in unserem Turnierheft und in unserer täglichen Turnierzeitung hätten wir nicht ohne Unterstützung von KI so schnell schreiben können.

„Das geht ja gar nicht“, meinte unser Jungspund Anton, als er unseren Instagram-Post zum Prominentendoppel sah. Dort sind alle vier Spielerinnen und Spieler abgebildet, die am Freitag zu einem Show-Match angetreten sind. Aber sind das wirklich Barbara Rittner, Romy Kölzer, Kai Nowak (Nummer 1 der Herren 40 des TEC) und Mischa Zverev, die auf dem Bild zu sehen sind? Jein: Die KI – in diesem Fall ChatGPT – hat sich nur mehr oder weniger angenähert und die Bilder, mit denen ich sie gefüttert habe, nicht zu hundert Prozent übernommen. Ich war mir dieser Schwachstelle bewusst und bin dieses Qualitätsrisiko trotzdem eingegangen. Beim Sponsorenabend habe ich mit Romy Kölzer darüber gesprochen, die selbst sehr aktiv auf Social Media ist und das auch verstand.
Ein eigenes GPT fürs Turnier-Design

Doch ein Schritt zurück: Einer unserer Sponsoren, die Darmstädter Marketingagentur amce studios, hat wieder einen Styleguide, eine Corporate Identity für unser Turnier erstellt. Dazu gehören Farbgebung, Typographie und ein spezielles Logo zum 50-jährigen Jubiläum. Auf Basis dieses Styleguides und einiger weiterer Informationen habe ich ein GPT für das Tennis International Darmstadt Creative Studio erstellt, oder wie es in der Beschreibung heißt: „Entwickelt Bildideen, Titelgrafiken, Instagram-Posts und Kampagnenmotive für Tennis International Darmstadt auf Basis der definierten Visual Identity, Content-Strategie und Markenwerte.“
Dabei war ich an einigen Stellen durchaus etwas verzweifelt: So nahm ChatGPT die Originallogos, die ich hinterlegt hatte, nicht eins zu eins, sondern verfremdete sie immer wieder. Also musste ich einen Zwischenschritt über das PowerPoint-Pendant in LibreOffice gehen – man hätte auch ein anderes Tool nehmen können –, um die Originallogos an den richtigen Stellen zu platzieren. Trotz dieser kleinen Umwege: Das spezielle GPT hat ungemein geholfen, um als One-Man-Show vor dem Turnier Grafiken schnell zu erstellen.
An dieser Stelle ein Riesenkompliment an Jacques, einen unserer weiteren Freiwilligen. Der hat während des Turniers spontan begonnen, Video-Reels zu erstellen, die Aufmerksamkeit erzeugt und viel Reichweite generiert haben. Super! Hier könnt Ihr seine Arbeit bewundern.
Aus PDFs wird eine durchsuchbare Redaktion
Aber nicht nur zum Erstellen unserer Grafiken kam KI zum Einsatz. Fünfzig Jahre Tennis International Darmstadt sind Ergebnislisten, Turnierzeitungen und Vereinschroniken – verstreut in Ordnern, PDFs und den Erinnerungen einzelner Helfer. Der erste Schritt war unspektakulär, aber entscheidend. Ich habe die Turnierzeitungen und Programmhefte der Jahre 2022 bis 2025 als Volltext in Anthropics Claude aufbereitet – durchsuchbar, zitierfähig, mit Quelle zu jedem Absatz.
Wer 2024 an welchem Tag gegen wen spielte, welches Zitat wirklich von Turnierdirektor Roland Ohnacker stammt: Das findet sich jetzt in Sekunden. Nicht mehr in Aktenordnern. Klingt technisch, ist aber die Grundlage jeder guten Geschichte. Auf dieser Basis ist ein ganzer Strauß an Texten entstanden – weit über klassische Turnierberichterstattung hinaus.
Wo die KI an ihre Grenzen stößt
Mein Tenniskollege und Turnierarzt Vladko hat mich die Tage gefragt: Macht das alles die KI? Nein, wir nutzen Künstliche Intelligenz an bestimmten Stellen, auch um Ergebnisse oder Spielverläufe zu dokumentieren. Man könnte das dann auch so publizieren. Um aber die Texte aus meiner Sicht journalistisch und interessant zu machen, arbeiten wir immer wieder persönliche Erlebnisse, Kommentare oder Zitate der Coaches der Spielerinnen ein. Erst das gibt meiner Ansicht nach den Pfiff.
Auch hier eine kritische Anmerkung: Zu Beginn des Turniers erstelle ich immer ein Dokument mit Hintergrundinformationen zu den Spielerinnen. Viele der durch die KI gesammelten Informationen stimmen und sind wertvoll. Doch an vielen Stellen scheitert sie weiterhin. Beispielsweise war Claude oft nicht in der Lage, die Instagram-Handles der Spielerinnen zu finden. Die musste ich dann manuell recherchieren. Oder aber stimmte plötzlich der Vorname der Siegerin Nastasja Schunk in einem Text nicht.
Solche Fehler sollten nicht passieren, und deshalb steht auch bei unserem Dokument mit den Profilen der Spielerinnen explizit auf jeder Seite: „Diese Profile wurden mit Hilfe von KI auf Basis der Daten der WTA/ITF und unseres Turniers erstellt. Bitte alle Fakten immer hinterfragen und prüfen.“ Das gilt für unsere Berichterstattung beim Turnier, und das gilt generell für den Einsatz von KI.
Ein ehrenamtlich getragenes Turnier hat keine Marketingabteilung und kein Agentur-Budget
Doch es bleibt festzuhalten: Ohne den Einsatz Künstlicher Intelligenz hätten wir viele Dinge in der Öffentlichkeitsarbeit und auf Social Media so nicht leisten können. Genau da wird das Projekt für mich interessant – über den Tennisplatz hinaus. Ein ehrenamtlich getragenes Turnier hat keine Marketingabteilung und kein Agentur-Budget. Trotzdem entstand Berichterstattung, wie sie sich sonst nur größere Verbände leisten.
Wir nutzen Werkzeuge, die Recherche und Textarbeit beschleunigen – aber die eigene Stimme ersetzen sie nicht. Jeder Text trägt am Ende einen Namen und eine Entscheidung, nicht die eines Algorithmus. Das gilt fürs ganze Presseteam um Sandra Russo, die die Pressearbeit des Turniers seit 25 Jahren verantwortet, und für alle ehrenamtlichen Autorinnen und Autoren, die während der Turnierwoche schreiben. Fünfzig Jahre Tennis International Darmstadt sind jetzt nicht nur gespielt, sondern auch erzählt – nachvollziehbar, durchsuchbar.











Kommentar verfassen