„Ein bisschen Spaß muss sein“. Als Kind der siebziger Jahre hat man diesen Schlager des immer lachenden Roberto Blanco immer noch in den Ohren. Irgendwie denke ich jetzt dabei an Friedrich Merz und die heile Welt im Sauerland. In dieser Sammlung von Artikeln, die ich kuratiert habe, geht es leider mal wieder um ein bisschen, gar nicht spaßhafte Politik.
- Zurück in die heile Welt des Sauerlands?
- Selbstbereicherungspartei AfD
- „Völkerrecht brauche ich nicht“
- Nüchtern oder verharmlosend berichten, weil es sonst nicht zu ertragen ist?
- Journalistinnen nennt man nicht Schweinchen – Die Presse in den USA

Zurück in die heile Welt des Sauerlands?
Es ist bemerkenswert, wie die CDU (und CSU) in den vergangenen Monaten „oberflächlich reizen, untergründig angreifen“ will und sehr bewusst fragwürdige Narrative besetzt. Unser aller Bundeskanzler Merz ist voll sauerländisch ganz vorne dabei. Das reicht von der Klage über die Bürgergeldfaulenzerei und den Vier-Tage-Schlendrian bis zur leidigen Stadtbild-Diskussion über „wir müssen mehr arbeiten“ (und leisten) und zu den letzten Attacken zu weniger Lifestyle-Teilzeit und Work-Life-Balance. Da wird sehr bewusst provoziert, oft mit halbgaren „Fakten“, fast immer ohne zu differenzieren.
Die Jungen wollen nichts mehr schaffen
Das alles geschieht vor einer latent schwellenden Diskussion, die auch in meinem persönlichen Umfeld geführt wird. Die jungen Leute arbeiten viel weniger, sie sind nicht so leistungsbereit, sie sind kaum im Büro, „weil sie sich mehr Zeit für Hobbys, Sport und andere persönliche Aktivitäten wünschen„. Das höre ich – nebenbei bemerkt – nicht nur von Konservativen, sondern auch von ganz allgemein, auch von eher progressiven oder grün angehauchten Bekannten.
Doch die Teilzeit-Diskussion ist eine, die natürlich bewusst von konservativer Seite angefacht wurde. Dabei werden unterschwellig Bilder und Werte bedient, wie es Teresa Bücker in der taz analysiert: Zurück zum traditionellen Familienmodell, zurück zur traditionellen Arbeitsteilung.
In welchen Gewässern will Merz denn fischen?
Das Thema Teilzeit differenziert betrachten? Fehlanzeige. Lieber über einen Kamm scheren, vereinfachen, „popularisieren“ – und polarisieren. Das gilt für fast alle dieser Diskussionen, die Merz und seine CDU/CSU-Strategen losgetreten haben. Zurück zur vermeintlich heilen Welt der 50er oder 60er Jahre, wo noch gearbeitet und was geleistet wurde. Und klar, die vielen Medien steigen voll darauf ein. Und es scheint offensichtlich, in welchen Gewässern die CDU und Herr Söder sowieso fischen wollen …
Menschen, die in Teilzeit arbeiten, werden erst einmal pauschal unter Faulheitsverdacht gestellt. Punkt. Sachliche Diskussion und differenzierte Betrachtung? Fehlanzeige. Mit solchen Kampagnen und artverwandten Sprüchen treibt man Wählerinnen und Wähler „in die Arme von Parteien, die vermeintlich einfache Lösungen mit Parolen liefern möchten„.
Selbstbereicherungspartei AfD
Bleibt nur die Hoffnung, dass die sich wie in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen selbst entlarven. Ihre Bereicherungsnetzwerke und Postenzuschieberei zeigen hoffentlich manch einer Wählerin und manchem Wähler, dass sie mit ihren hellblau-roten Stimmzetteln eher den Paulus zum Paulus machen würden. In der Vetternwirtschaft war ja auch in unserer Geschichte eine kackbraune Partei besonders geübt.
Gier ist gut: Vorbild Trump, MAGA & Tech-Bros
Nun könnte man böse sein und vermuten, dass man nur bei seinen letzten Besuchen bei MAGA-Vertretern in den USA gelernt hat, wie man sich auf Kosten der anderen, vor allem der einfachen Leute bereichern kann. Trump hat ja immerhin geschafft, im ersten Jahr seiner Amtszeit um 2,7 Milliarden reicher zu werden. Ein echtes Vorbild für die Hellblau-Roten, scheint es.
Der Historiker Timothy Snyder hat am 31.1.2026 in einem Interview mit der FAZ „die AfD weniger als eine deutsche Partei denn als ein Instrument der amerikanischen Tech-Giganten“ bezeichnet. Leute wie J.D. Vance und Musk unterstützten sie, um die EU zu zerbrechen: „Sie wollen Geld machen, und die Verbreitung von antieuropäischem Faschismus ist ihr Mittel.“ Dass ihre deutschen rechtsextremen Verbündeten dabei auch selbst absahnen wollen, dürfte die Tech-Bros und MAGA-Finanziers nicht wirklich wundern. „Wenn Gier gut ist, sind die Gierigsten die Besten.„
„Völkerrecht brauche ich nicht“
Währenddessen sondert König Donald weiter seine Absurditäten. Albrecht von Lucke beginnt seinen Aufsatz in der Februar-2026 Ausgabe der Blätter mit folgendem Zitat des komplett von sich eingenommenen Autokraten: „Völkerrecht brauche ich nicht.“ Im Interview mit der »New York Times« benennt Trump nur einen Maßstab: „Ja, da gibt es eine Sache. Meine eigene Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich aufhalten kann.“ Ich würde zu Moral und Verstand noch Profit ergänzen, aber das weiß man ja.
„Wir erleben das Ende der Welt, wie wir sie kannten – nämlich das Ende der regelbasierten Nachkriegsordnung“, schreibt von der Lücke. All das geschieht unverhohlen. Trump und seine Administration kaschieren gar nicht, was sie tun. Gut, sie verdrehen die Wahrheit und so, wie sie es brauchen. Orwellscher Doppelsprech. Aber man kann auch ganz klar nachhören und nachlesen, was Trump von Grönland will und wie er die Rolle von Kanada sieht. Und so vieles mehr.
Nüchtern oder verharmlosend berichten, weil es sonst nicht zu ertragen ist?
Viele in meinem Bekanntenkreis oder auch in der Blogosphäre sagen, dass sie es nicht hören können, schalten bei Nachrichten ab oder bloggen halt nicht über Trump und seine Kumpanen, weil sie sonst Puls bekommen. Ich habe mich ja schon dazu geäußert, dass ich Schweigen für keine Option halte. Geschwiegen wurde in Deutschland mindestens schon einmal zu viel.
Wir müssen das klar benennen, was gerade in den USA passiert. Die Qualitätsmedien müssen Klartext schreiben und reden über den Irrsinn, den Trump und seine Verbündeten veranstalten, so Sascha Lobo im Spiegel. Stattdessen werden irrwitzige Aussagen und Handlungen von Qualitätsmedien „rein gewaschen“, werden rational dargestellt und emotionalisiert. Man berichtet im traditionell sachlichen Stil der Tagesschau, stellt dar, gleitet dabei aber nur zu leicht auch in verharmlosende Formulierungen wie Gebietsanspruch auf Grönland statt Drohung, Grönland militärisch zu besetzen ab.
Diese „runtergenüchterte Darstellung der Welt“ helfe dabei, dass das bürgerliche Publikum den ständigen Strom an eigentlich erschütternden, nervenaufreibenden und schlechten Nachrichten besser bewältige. Doch vielleicht brauchen wir mehr Klarheit und Wahrheit, gerade auch durch die Qualitätsmedien, auch wenn es weh tut?
Journalistinnen nennt man nicht Schweinchen – Die Presse in den USA
Wir jammern – zu Recht – über Medien und Journalisten. In diesem Beitrag sogar über sogenannte Qualitätsmedien. Über NiUS, Springer und artverwandte Propaganda- oder Manipulationsmedien habe ich mich ja hier oft genug geäußert. Viel schlimmer ist die Situation aber – man ahnt es – in den USA. Wäre es bei uns vorstellbar, dass ein Bundeskanzler oder ein Minister in der Bundespressekonferenz anwesende Journalistinnen als „Schweinchen“, „dumm“, „innerlich und äußerlich hässlich“ bezeichnet? So geschehen durch Donald Trump in den vergangenen Wochen. Vor allem Journalistinnen stehen unter seinem Beschuss.
Doch wie wir alle verfolgen können, ist der unabhängige Journalismus in den USA massiv unter Druck, durch Trump, MAGA und seine Erfüllungsgehilfen wie Jeff Bezos, der die Redaktion der Washington Post, einst Flaggschiff investigativen Journalismus, zerlegt. Das Altpapier zitiert Professorin Marci Shore:
Die Art und Weise, wie die Trump-Regierung gegen Journalisten vorgeht, ist alles andere als subtil: Es geschieht direkt vor unseren Augen. Diese Regierung setzt darauf, dass die meisten Menschen angesichts von Drohungen den Kopf einziehen, still werden und sich fügen. Und es ist die Aufgabe von Journalisten (und wohl auch von uns allen), dies nicht zu tun.
Eine freie Presse ist ein Grundpfeiler jeder, gerade auch unserer Demokratie. Dessen sollten wir uns immer gegenwärtig sein (auch wenn Politikerinnen und Politiker immer wieder in ihrer Kritik der öffentlich-rechtlichen über das Ziel hinausschießen).


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