Lokaler Einzelhandel oder warum Tina und ich in der heimischen Fleischerei einkaufen

Gehört das jetzt eigentlich hier in meinen „ernsten“ Block? Dass der Metzger um die Ecke (und nicht nur der) zugemacht hat. Ich male es einfach ernst an. Nein, es ist ernst. Lokale Infrastruktur ist wichtig. Lokales Handwerk – Bäcker, Metzger und natürlich Elektriker, Klempner usw. – sind extrem wichtig. Nicht alles kann und sollte von Amazon oder anderen Online-Händlern bezogen werden.

Fotoarchiv - 420Eigentlich leben wir in einer Idylle, im Darmstadt-Eberstadt, im Jargon „Ewerschttt“ genannt. Mitten in der Stadt – oder dem großen Dorf mit rund 23.000 Einwohner 2014) – sind in Fußweite Metzger, Bäcker, Gemüse- und Obsthändler, Elektrofachgeschäft, Reisebüro, Blumengeschäft (so wegen Ehefrau und so), Apotheker, Änderungsschneider Drogeriemarkt, Fischhändler, Supermarkt, Sparkasse, Sportgeschäft, Optiker, Pizzeria, Döner-Laden, Schuster, Buchhändler und so weiter zu erreichen. In Fußweite!

Und wenn ich es so aufzähle (und mir fallen immer mehr „Handwerke“ und Dienstleistungen ein), wird mir deutlich, wie wichtig und komfortabel eine vorhandene und funktionierende lokale Infrastruktur ist. Übrigens: All diese Geschäfte bedeuten auch Arbeitsplätze. Sollte man nicht so ganz vergessen … als Politiker, Gründer, Geschäftsinhaber und Konsument. Und das persönliche Verhalten – wo ich kaufe – trägt auch zum Erhalt oder auch Aufbau dieser Arbeitsplätze bei.

Nun schnell mal der ernste Anstrich für den Beitrag. Deshalb zitiere ich eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung PwC. Die haben in ihrer „Global Consumer Insights Survey 2018“ über 22.000 Verbraucher in 27 Ländern befragt hat, darunter 1.000 deutsche Konsumenten. Und siehe da:

Der Laden um die Ecke gewinnt wieder an Bedeutung. Der Anteil der deutschen Verbraucher, die mindestens einmal pro Woche im stationären Handel einkaufen, liegt bei knapp 60 Prozent – und damit deutlich höher als noch vor drei Jahren (46 Prozent) und als im europäischen Durchschnitt (43 Prozent). Trotz aller digitalen Vernetzung kaufen auch jüngere Konsumenten häufig und gern im stationären Geschäft ein. In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen erledigen 61 Prozent der Konsumenten mindestens einmal pro Woche ihre Einkäufe in einem Laden vor Ort.

über Von A wie Amazon bis Z wie Zustellung: Was sich Kunden wünschen – PwC

Sicher noch ausbaufähig, klingt das ja mal nicht schlecht. Aber natürlich gibt es auch Kritik. Läden seien oft nicht ansprechend, das Personal unzureichend geschult.

Ganz so optimistisch wie PwC ist der HDE, der Handelsverband Deutschland übrigens nicht. Da überwiegt die Einschätzung, dass kleine und mittlere Betriebe stagnieren.

PK_Chart2018

Trotzdem: Vielleicht ist ein Bewusstseinswandel im Gange. Hoffentlich.

Zurück zum Auslöser dieses Postings. Ich habe einen Beitrag von Tina kommentiert. Tina lebt in „meinem“ Dorf, dort, wo ich aufgewachsen bin. Hier unser Austausch:

Tina_Volk-Post_-_Tina_Volk-Post_hat_ein_Foto_geteilt_

Klar. Nicht überall gibt es noch einen lokalen Metzger. Und der ist auch in der Regel teurer und nicht jeder will oder kann sich alles leisten. Der Preis spielt natürlich eine Rolle. Aber ernsthaft: Kann man wirklich ein Steak für 99 Cent „produzieren“? Man kann wohl, aber mit welchen „Nebenwirkungen“ (Massentierhaltung, Hormone im Futter und im Fleisch und so weiter)?

Klar. Nicht alle Produkte und Dienstleistungen können und sollten online oder in der Vorratspackung „en masse“ bei überquellendem Einkaufswagen im Supermarkt gekauft oder bestellt werden, auch wenn es komfortabel ist – ich musste Amazon ja die Tage hier im Blog loben – und in vielen Orten die oben beschriebene Infrastruktur einfach nicht mehr da ist.

Klar. Auch bei uns in Ewerschtt nimmt die Zahle der Geschäfte ab. Der Schlecker um die Ecke musste zu machen. Der Metzger 100 Meter entfernt hat geschlossen. Ebenso zu ist die Filiale des Bäckers mit meinem Lieblingsbrot. Ja sogar mein Döner-Laden ist dicht. Da ist jetzt eine „Sportsbar“ drin. Aber: Noch haben wir hier viele lokale Geschäfte und ich kaufe bewusst dort ein, damit sie weiter existieren.

[Randnotiz: Erstaunlich finde ich, wie viele Räume für Gewerbe und Einzelhandel immer noch gebaut werden. Die „alten“ Geschäfte stehen meist weiter leer. Trotzdem wird neu gebaut. So viele Buddigggen, Tattoo- und Nagelstudios kann man ja auch nicht gründen.]

Das heisst nicht, dass auch mal eine Bestellung beim Online-Händler aufgegeben wird. Das eine schließt da andere nicht aus. Das Bewusstsein und Handeln, wie wichtig eine funktionierende Infrastruktur ist – denken wir mal insbesondere auch an Ärzte, aber das ist schon wieder eine eigene Geschichte -, ist meiner Ansicht nach extrem wichtig und ein ernstes Thema. Also, Ernst und Erna und nicht nur ihr: Kauft (auch) lokal. Oft ist es gar nicht teurer. Meistens ist die Qualität oder die Dienstleistung besser.

(Stefan Pfeiffer)

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