Ich lebe in der Digitalstadt Darmstadt …

Würde ich nicht Thomas auch per Twitter folgen, ich hätte es verpasst. Ich lebe in der Digitalstadt Darmstadt. Was auch daran liegen mag, dass ich den lokalen Medien weder online noch auf Papier folge. Als jemand, der einmal sein Handwerk im Lokaljournalismus gelernt hat, sind lokale Meldungen oft nur schwer zu ertragen … Trotzdem erstaunlich, dass es so komplett an mir vorbeigegangen ist. Mein Versäumnis. Ich werde ein stärkeres Auge auf den Hashtag #Darmstadt, dem Twitter-Account der Digitalstadt folgen und auch entsprechende Gruppen online mehr verfolgen.

Den Titel und die Mittel – laut Bericht auf NGIN Mobility und Gruenderszene.de bis zu 20 Millionen € plus weitere 5 Millionen € vom Land – holte sich die Stadt wohl 2017, als sie einen vom Digitalverband Bitkom und dem Deutschen Städte und Gemeindebund ausgelobten Wettbewerb gewann. Auf der Webseite werden die Ziele definiert:

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt wird ein nachhaltiges Programm für den Aufbau der Digitalen Stadt aufsetzen und dabei eine nutzerorientierte Vorgehensweise verfolgen – im Sinne von, was wünschen sich die Bürgerinnen und Bürger.

über Bitkom-Wettbewerb – Digitalstadt Darmstadt

Darmstadt soll zu einer „digitalen Modellstadt“ machen. Nun kann man sicher fragen, warum denn gerade Darmstadt? Die Stadt ist – auch wenn es viel zu wenig bekannt ist – ein Technologiezentrum mit vielen auch namhaften Firmen von der Software AG, Eumetsat, ESOC bis zur Telekom. Auch ich bin damals vor mehr als 20 Jahren hier wegen eines Jobs in der IT-Branche gelandet. Die TU Darmstadt ist rege und aktiv und hat ja auch mit meinem Arbeitgeber IBM eine Kooperation im Bereich Cyber Security geschlossen.

Der von Thomas gezwitscherte Beitrag stellt im Schwerpunkt die Bemühungen in der Digitalisierung und Optimierung des Strassenverkehrs dar, ein Problem auch in Darmstadt, das allen 95.000 Pendlern, den 30.000 „Durchpendlern“ und rund 160.000 Einwohnern nur zu bekannt ist. Eine verkehrsabhängige Steuerung soll die 165 Ampeln der Stadt (kommen mir deutlich mehr vor) mit Hilfe von 350 Kameras (nach denen werde ich jetzt mal aktiv schauen) so schalten, dass der Verkehr fliesst. [Zum Thema Verkehrsfluss: Sorry, aber muss sein: Gemerkt habe ich davon noch nichts, aber jetzt gilt erhöhte Aufmerksamkeit.]

Überlagert wird das Thema Verkehrssteuerung sicherlich derzeit durch Diesel-Fahrverbot und Emissionsschutz, obwohl hier natürlich ein logischer Zusammenhang besteht. Auch Darmstadt ist auf der berühmten Liste … Deshalb denkt man wohl über Umweltsensoren, die besonders belastete Zonen identifiziert und eine App für Pendler nach, die alternative Anfahrtsmöglichkeiten mit Öffentlichen oder auch Leihrad vorschlägt.

Neben der Verkehrssteuerung, die hoffentlich bald auch wahrnehmbar was bringt, sind über 30 weitere Projekte – eine Übersicht gibt es hier – geplant. Wer sich dafür interessiert – und es sind aus meiner Sicht einige sehr interessante Themen –  wie der Sensor in der Mülltonne, der erkennt, ob voll oder nicht voll – darunter – , kann auf der Webseite nachschauen, um dann weiter nachzufragen:

Startseite_-_dabei_digitalstadt-darmstadt_de.png
Man kann sich auf https://dabei.digitalstadt-darmstadt.de registrieren, um online mitzureden. Habe ich getan. Mal schauen, was passiert.

Und natürlich dauert die Realisierung der Projekte länger als man denkt, was auch Simone Schlosser, eine der drei Geschäftsführer der Digitalstadt Darmstadt GmbH, im Bericht auf NGIN Mobility zugestehen muss – und was natürlich die Opposition besonders bemängelt. Der Bericht zitiert die ehemalige Bundeswirtschaftsministerin und Darmstädter SPD-Vorsitzende Brigitte Zypries

„Angedachte Vorhaben nach über einem Jahr noch immer als Erfolg zu verkaufen, so wie es die Digitalstadt tut, ist in meinen Augen definitiv zu wenig.“

über Darmstadt will den Straßenverkehr digitalisieren – doch es gibt Probleme | Gruenderszene

Offiziell hat das Projekt wohl Anfang 2018 begonnen. Die Verträge in der Digitalstadt Darmstadt GmbH laufen, so der Bericht, bis 31. Dezember 2019 aus. Wie es danach weitergeht, sei offen. Die Uhr tickt. Zeit genauer hinzuschauen. Für mich sichtbar sind die digitalen Verbesserungen bisher nicht. Vielleicht für andere „Heiner“? Diese Sichtbarkeit sollte, ja muss aber sein, um das Thema Digitalisierung real vor Ort und in den Köpfen voran zu bringen.

Mir ist auch klar geworden, dass es Zeit ist, selbst intensiver darüber nachzudenken, was man als Bürger gerne als Service hätte und wo man glaubt, dass Digitalisierung Sinn macht. Hier findet man beispielsweise die Dienstleistungen, die die Stadt online anbietet.

Online_Dienste__Darmstadt

Sieht aus meiner Warte noch ein bisschen dünn aus, aber wie gesagt: Oft reden wir „Besserwisser“ am Stammtisch über bessere Verwaltung, bessere Dienstleistungen und Services.  Einiges liegt sicher nicht in der Macht der „digitalen Heiner“ – wie beispielsweise das Thema Gesundheitsakte, das ich hier ja auch behandelt habe -, aber es sollte genug Bereiche gerade beim Thema Gesundheit und der Betreuung von Älteren und Kranken geben, die lokal angegangen und verbessert werden können. Wir müssen sie als Bürger selbst benennen, ja fordern. Themen wie Umwelt, Gesundheit, Betreuung von Alten und Kranken und viele andere Themen bieten sicherlich genug Potential.

Kann man sich für digitale Themen in Darmstadt engagieren und seinen Senf dazu geben? Ich habe mich mal auf der Webseite registriert, um online mitzureden. Mal schauen, welche Möglichkeiten zur Beteiligung dem interessierten „Digitalbürger“ geboten werden.

Noch einige Rand- und Schlussbemerkungen:

  • Ich war positiv erstaunt über das Veranstaltungsangebot der Digitalstadt, von Frau Professor(in) bis IoT. Wer sich für das Themenspektrum interessiert, sollte mal reinschauen.
  • Ich habe über das oben nieder Geschriebene gelernt, dass …
    • es einen lokalen Chaos Computer Club gibt,
    • es ein flächendeckendes Lorawan-Netz gibt über das sich auch Sensordaten unter geringem Energieaufwand senden lassen,
    • eine Grünwellen-Vorhersage getestet wird,
    • Darmstadt über ein eigenes Lichtwellennetz verfügt,
    • Darmstadt neben der TU und zwei weitere Hochschulen, drei Fraunhofer Institute, die Weltraumorganisation ESA und vieles mehr an technologie-affinen Instututionen hat und noch einiges mehr, was mir nicht gegenwärtig war:

Portrait_–_Digitalstadt_Darmstadt.png

(Stefan Pfeiffer)

Ein Kommentar zu „Ich lebe in der Digitalstadt Darmstadt …

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