Kriegt die SPD beim Thema Digitalisierung die Kurve, @EskenSaskia?

Ich gebe zu, ich habe traditionell Sympathie für die SPD. Ich komme aus einem ehemals sozialdemokratisch geprägtem Dorf in Mittelhessen. Als ich aufgewachsen bin, habe ich so halb die Ostpolitik eines Willy Brandt mitbekommen. Einen Helmut Schmidt fand ich gut, auch wenn ich mit dem damaligen NATO Doppelbeschluss nicht einverstanden war. Und im meine Studium habe ich spätestens gelernt, dass die SPD die letzte demokratische Bastion gegen die Nazis war, die „Nein“  zum Ermächtigungsgesetz sagte. Gestern jährte sich der Tag, an dem die SPD verboten wurde, wie ich per Zufall in dem Tweet der Friedrich Ebert-Stiftung las:

Es gibt genug Gründe vor den Verdiensten der SPD den Hut zu ziehen.

Es gibt genug Gründe, in den letzten Jahren, fast Jahrzehnten an der SPD und ihren Politikern zu verzweifeln. Wenn ich mir die vier CDs zum Känguru von Marc-Uwe Kling im Auto oder in der Bahn anhöre, zucke ich immer wieder zusammen, wenn er über den letzten SPD Wähler herzieht. Ich fühle mich irgendwie persönlich getroffen. Der Kling oder das Känguru kennen mich wohl. Und nein, seinen Song zu den Sozialdemokraten zitiere ich hier besser nicht. Dafür aber bitte die Not-To-Do-Liste aus einem seiner Tweets. Man beachte Punkt 37, aktueller denn je:

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Hier im Blog habe ich mich öfters zur Partei und ihrer fehlenden Strategie zur Digitalisierung geäußert. Angelehnt an Sascha Lobo forderte ich im Januar 2018, dass die SPD die jetzigen Herausforderungen endlich als Chance begreifen solle, sich zu differenzieren und konstruktive Vorschläge für die Gestaltung der digitalen Gesellschaft zu machen. Zur Hessenwahl habe ich nochmals im Oktober nachlegt. Die/den Visionär der SPD zum Thema Digitalisierung und Arbeit höre und sehe ich nicht.

Während der Think at IBM habe ich dann Saskia Esken kennengelernt, die zweimal bei uns im Studio, einmal mit zwei anderen Frauen zum Thema Künstliche Intelligenz und Ethik, ein zweites Mal zum Thema Open Source in und für die öffentliche Verwaltung. Sympathisch die Frau, mit klugen, fundierten Ansichten, auch wenn ich natürlich nicht in allem mit ihr einer Meinung bin.

Am 2. Juni hat sie dann auf ihrer Webseite einen Artikel zum notwendigen Neubeginn der SPD geschrieben und hier möchte ich insbesondere den Absatz über die „an den bürgerlichen Freiheitsrechten orientierte Gestaltung des digitalen Wandels“ hervorheben. Da steht vieles drin, was Sinn macht, von der Verteidigung der Privatsphäre bis zur notwendigen Unabhängigkeit des Staates und seiner eigenen Infrastruktur von digitalen Monopolisten. Ich hoffe, dass ihre Stimme bei der notwendigen Neuorientierung der SPD gehört wird und dass man endlich das Thema Digitalisierung und Gestaltung der Arbeitswelt als ein originäres sozialdemokratisches Thema begreift. Und ich hoffe, dass man nicht wieder in Klassenkampfrhetorik des letzten Jahrtausends verfällt.

In der Demontage der eigenen Partei und ihrer Spitzenkandidaten ist sie ja gut, die SPD. Allein die Hoffnung stirbt zuletzt. Und die Känguru-Chroniken sind ja abgeschlossen. Neue böse Kommentare muss ich mir dort zumindest nicht mehr anhören. Die mache ich dann selbst hier im Blog. Versprochen.

(Stefan Pfeiffer)

 

 

 

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