Nach Erfolgsmeldungen der vergangenen Jahre und Börsengang: Quo vadis Slack? Macht Microsoft jetzt Slack platt?

Das Thema Slack und Messenger im Unternehmen habe ich hier im Blog ja des öfteren behandelt. Hier einige ausgewählte Nachrichten und Artikel der vergangenen Wochen: Macht Microsoft Teams jetzt Slack platt, wie es einmal Facebook mit Snapchat gemacht hat, fragt auf recode. (Danke, Thomas Cloer für den Link auf Twitter). Die Microsoft-Argumentation und -Strategie ist klar und wird wie folgt zitiert.

Customers see Teams as a great deal because it’s part of Office 365, with deep integration into the other Office apps and services.

über Microsoft might crush Slack like Facebook crushed Snapchat – Vox

Und Du, lieber Kunde, hast ja eh einen Vertrag mit uns und bekommst Teams also quasi umsonst. Diese Argumentation kennen wir ja nur zu gut von Microsoft, auch beispielsweise beim Thema Dokumentenablage.

Der weltweite Markt für Arbeitsplatzsoftware wird laut Bericht auf 28 Milliarden Dollar geschätzt. Da sollte eigentlich Platz für viele Anbieter sein, aber es ist deutlich, dass Microsoft eine (ungesund) dominante Position einnimmt, dies es Best of breed-Anbietern wie Slack, Box oder Zoom, ja auch einer HCL die gerade die Collaboration-Produkte der IBM übernommen haben, schwer macht.

Intern bei Microsoft steht Slack auf dem Index und soll wie einige andere Tools nicht von Microsoft-Mitarbeitern benutzt werden. David Roe zitiert auf CMSwire eine interne Microsoft-Anweisung wie folgt:

Slack Free, Slack Standard and Slack Plus versions do not provide required controls to properly protect Microsoft Intellectual Property (IP). Existing users of these solutions should migrate chat history and files related to Microsoft business to Microsoft Teams, which offers the same features and integrated Office 365 apps, calling and meeting functionality…

über Why Microsoft Won’t Let Employees Use Slack

Im Beitrag argumentiert David, dass Slack eine typische Schatten-IT-Anwendung sei. Jeder könne mal schnell einen Kanal aufmachen. Daten könnten einfach hin und her kopiert werden. Na ja. Wichtiger ist für mich eine End-To-End-Verschlüsselung der Daten. Menschliche Böswilligkeit oder Naivität wird nie ganz auszuschließen sein. Doch ist die Diskussion rund um Datensicherheit und Slack natürlich für das Unternehmen bedenklich:

Slack speichere Benutzernamen, Passwörter, praktische jegliche Benutzertätigkeit auf den Servern der Slack-Plattform. Da die Daten eben nicht End-To-End-verschlüsselt seien, könnten Slack-Mitarbeiter, Behörden oder im schlimmsten Fall Hacker die Plattform knacken und Daten missbrauchen. Wasser auf die Mühlen von Microsoft.

David Roe zitiert in seinem oben schon zitierten Bericht Experten, die generell in Farge stellen, dass Slack, aber auch Microsoft Teams sicher genug für hoch sensible Daten seien. Ich muss da auch an meinen Freund Ulrich Kampffmeyer und unsere Veranstaltungen und Diskussionen rund um Compliance (damals mit Fokus E-Mail) denken. Die gesetzlichen Anforderungen sind angesichts der DSGVO und anderer Regularien seitdem sicher nicht geringer geworden.

Natürlich werden die Diskussionen rund um die Sicherheit von Slack bei aller verständlichen Aufregung hochgekocht und das durchaus auch interessenorientiert. Und so etwas tut weh, wie gerade auch der Video Conferencing-Dienst Zoom erfahren muss. Bedächtigere Marktbeobachter argumentieren, dass mit der Unternehmensversion von Slack Sicherheitsfunktionen die zusammen mit einer entsprechenden IT Policy den meisten Anforderungen genügen dürften. Bleibt natürlich immer noch die Herausforderungen in der freien Version von Slack, mit der Arbeitsgruppen in vielen Unternehmen nach dem Motto Bring your Own Application als Schatten-IT gestartet haben.

Der jetzige Gegenwind, den Slack aushalten werden muss, kommt nach einem von Presse und Analysten gefeierten Börsengang im Juni 2019. Slack wählte dabei die ungewöhnliche Form des Direct Listings, bei dem Aktien direkt an der Börse verfügbar gemacht wurden ohne die sonst meist übliche Involvierung von Investmentbanken. Dieser Erfolg ist, wie David Roe schreibt, umso außergewöhnlicher, da Slack angesichts der Konkurrenz von Microsoft und anderen noch profitabel werden will und muss. Dies kann auch zu ganz speziellen Herausforderungen führen, gerade wenn man als börsendotiertes Unternehmen dem Druck der Quartalsergebnisse massiv ausgesetzt ist.

Klar ist, dass Anbieter wie Slack sich Negativschlagzeilen deutlich weniger leisten können als eine Microsoft. Böse könnte man sagen, bei denen hat man sich schon an Security- oder Datenschutzprobleme gewöhnt. Ich verweise gerne auf meinen Artikel, wo einige Sicherheitsvorfälle der vergangenen Monate aufgelistet sind. Und natürlich traut man wohl generell Microsoft mehr, mir aus manchmal schwer nachvollziehbaren Gründen. Die alte Geschichte …

Breiter gesehen geht es um die altbekannte Diskussion im Collaboration-Markt um Best of Breed-Lösungen wie eben Slack, Box oder Zoom versus Plattform eines großen Anbieters. Und oft geht es auch um den Kampf IT-Abteilung versus Schatten-IT. Die einen wollen wenig Arbeit und Risiko haben, vermeintlich Sicherheit und Kontrolle, vor allem nichts falsch machen. Wie war der alte Spruch: Wenn man Microsoft, SAP und IBM einsetzt, kann man nicht gefeuert werden. Die anderen, meist Endanwender und Fachabteilungen, wollen schnell und unkompliziert coole Tools, die meist funktionale Vorteile haben.

Es wird interessant sein, wie sich insbesondere Slack in den kommenden Monaten behaupten wird. Microsoft hat Slack im Visier und wird die bekannte Marktmacht und die bekannten Mittel anwenden. Das ist auch für Slack eine Herausforderung – aber auch ein Kompliment.

Ich hoffe nur, die Party ist für Slack nicht bald vorbei.

Und in diesem Beitrag spare ich mir die durchaus berechtigte Diskussion, ob Tools wie Slack oder Microsoft Teams nun Unternehmen und Mitarbeiter produktiver gemacht haben. Hatte ich ja schon mal kurz hier angerissen.

Nachtrag vom 13. Juli 2019: Nach Erscheinen des Originalbeitrags am 11. Juli 2019 bin ich noch auf weitere Beiträge zu Slack und Microsoft Teams gestoßen, die ich hier gerne ergänzen möchte.

Microsoft haut auf die Kacke und postuliert, dass man unterdessen mehr Anwender wie Slack habe. Nach Microsoft-eigenen Aussagen habe man 13 Millionen tägliche Teams-User. Die letzten von Slack veröffentlichten Zahlen liegen bei 10 Millionen Anwendern. Die Meldung wird in vielen IT-Medien von heise online über t3n bis zu TechCrunch, The Verge oder ZDNet – um nur einige zu nennen – aufgegriffen, gute Aufmerksamkeit also vor der Microsoft Partnerkonferenz in wenigen Tagen.

Durch den Crisp Research Newsletter habe ich die Einschätzung des Analysten Maximilian Hille zu Slack etwas verspätet – der Beitrag stammt vom 1. Juli 2019 – wahrgenommen. Er steht noch unter dem Eindruck des erfolgreichen Slack-Börsengangs – und er hat einige zitierenswürdige Formulierungen parat:

Im Grunde ist Slack Teil eines Marktes, der schon ewige Jahre alt ist und eine gute Staubschicht auf den Schreibtischen der Wirtschaft hinterlassen hat. Collaboration und der digitale Arbeitsplatz haben schon einige Perioden durchlaufen, Anbieter und Paradigmen kommen und gehen sehen. …

Die Chat-Plattformen spielen dabei eine ganz besondere Rolle. Sie werden das WhatsApp der neuen Arbeitsgeneration und damit die Schaltzentrale der neuen digitalen Arbeitsplatzlandschaften, in denen alles zusammenläuft. Slack & Co. stehen als integrierte Lösung im Mittelpunkt …

Die Chat-Hubs befinden sich auf Erfolgskurs. … Das Marktpotenzial ist gerade in Deutschland noch riesig. Knapp 80 Prozent wollen auf Chat-based Collaboration setzen, nur ein Viertel ist bislang schon dabei.

über Was der erfolgreiche Slack-Börsengang für die Zukunft von New Work bedeutet

Starke Aussagen: Ich sage voraus, dass der Collaboration-Markt noch einige weitere Wandlungen durchlaufen mag. Ob die Messenger-Plattformen wirklich zur Schaltzentrale werden? Wir werden es sehen. Ich hatte die Hoffnung, dass es Enterprise Social Networks (mit einem aufgebohrtem Activity Stream, einer erweiterten Timeline, mit Messenger-ähnlichen Funktionen) werden würden. Das hat sich leider nicht bewahrheitet.

Und was wird mit dem deutschen Markt? Sind die noch nach Hille verbleibenden 80 Prozent, die noch in Messenger investieren wollen, eine gute Nachricht für Slack? Wohl eher für die Redmonder, da die IT-Abteilungen (und wohl auch die öffentlichen Entscheidungsträger) leider stark Microsoft-hörig sind und trotz immer wieder auftretender Datenschutzbedenken und einer dringend notwendigen höheren Unabhängigkeit Europas von der Dominanz US-amerikanischer IT Riesen auf Microsoft setzen.

Politiker wie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sondern in dieser Hinsicht auch leider nur verbale Luftblasen von einem europäischen IT-Airbus-Konzern ab. Dazu in einem anderen Beitrag mehr.

(Stefan Pfeiffer)

 

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