Homeoffice Allerlei: Unaufhaltsam? Größter Management-Fehler 2020? Unabsehbarer Veränderer von Manhattan und anderen Bürozentren?

Und wieder sind eine Reihe interessanter Studien und Artikel zum Thema Homeoffice und Remote Work erschienen. Salesforce hat 3.500 Personen weltweit befragt und ZDNet berichtet über die Studie unter der treffenden Überschrift „The future of work is hybrid: Work from home and the workplace“. Und diese Grafik unterstreicht die Überschrift:

Und hier noch die Ergebnisse, was Arbeitgeber tun können, damit sich Büroarbeiter, Angestellte im Handel und in der Fertigung sicherer bei ihrer Rückkehr an den Arbeitsplatz fühlen:

Die Ergebnisse kann man übrigens hier selber filtern, zum Beispiel nach Region.

Schließlich gibt es die Ergebnisse einer gemeinsam Befragung und Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V. (DGFP) zu virtueller Arbeitsformen in der Corona-Pandemie. 500 Unternehmen haben teilgenommen. Hier kann die Studie heruntergeladen werden.

Tenor: „Corona treibt die Digitalisierung“, wie die FAZ zur Studie titelt. Nun ja, aus meiner Sicht sind Homeoffice und die verstärkte Nutzung von Tools zur digitalen Zusammenarbeit und Kommunikation nur ein kleiner Ausschnitt von Digitalisierung. Digitalisierung geht deutlich über den Themenkomplex Remote Work und Homeoffice hinaus und kann, muss vielleicht sogar Kernprozesse der Unternehmen betreffen. Also wäre wohl die korrektere Überschrift, dass Corona Homeoffice und virtuelles Arbeiten in Deutschland voran gebracht hat.

Wird mehr Homeoffice bleiben? Hoffentlich

Es gibt auch kritischer Stimmen zur Studie, die die FAZ zitiert. Sie habe zu großen Fokus auf Dienstleistungsunternehmen und zeichnet demnach ein zu rosiges Bild bezüglich der Unternehmen, die Homeoffice einsetzen. Aber auch das ifo Institut geht davon aus, dass mehr Homeoffice bleiben wird. Knapp über die Hälfte (54 Prozent) der Unternehmen in Deutschland wollen Homeoffice demnach dauerhaft stärker etablieren.

„Das ›New Normal‹ oder auch das ›New Different‹ wird in einem deutlich höheren Maß von einem Nebeneinander virtueller und im Büro stattfindenden Arbeits- und Kooperationsformen gekennzeichnet sein,“ so Studienleiterin Josephine Hofmann laut IAO Pressemitteilung. Da sind wir dann wieder bei der neuen hybriden Arbeitswelt. Lesenswert ist auf jeden Fall das Kapitel 5 der Studie, da dort einige Hinweise gegeben werden, was wichtigsten Schritte für Unternehmen sein sollten, um das »New Normal« zu gestalten.

Sind heutige Büros wirklich so toll, lieber Thomas?

Der geschätzte Thomas Knüwer kritisiert den Trend zum Homeoffice als den größten Management-Fehler 2020. Erwartungsgemäß kann ich seiner Argumentation und Perspektive nur bedingt folgen. „Sobald wir aber ohne Hygienepläne arbeiten können, sollten Arbeitgeber ihre Mitarbeiter nicht ins Home Office drängen – sondern sie dort herausreißen, zusammenführen und die Gemeinschaft feiern, statt ihre Büros in anonyme Operationssäle zu verwenden.“, schreibt er. Schöne alte oder neue Welt der Gemeinsamkeit, des sozialen Treffpunkts, der Integration und Sozialisierung neuer Mitarbeiter und einer intakten Unternehmenskultur. Na ja, die Realität vieler deutscher Bürolandschaften sieht anders aus und schon heute gibt es genug Großraumbüros mit freier Wahl des Arbeitsplatzes.

Und um es nochmals klar zu schreiben: Ich bin ein Freund davon, ins Büro zu fahren, wenn ich dort Kolleginnen und Kollegen treffe, mit denen ich an Projekten zusammenarbeite oder aber auch nur auf einen Kaffee oder zum Mittagessensplausch treffen will. Und wenn wirklich gemeinsam produktiv gedacht wird, machen auch Meetings und Workshops im Büro Sinn. Keinen Sinn macht es dagegen für mich, wenn die Kolleginnen und Kollegen eh den ganzen Tag mit Kopfhörer in Telefon- und Videokonferenzen vor dem Bildschirm hocken oder man sich um die wenigen Quiet Rooms kloppen muss. Denn, lieber Thomas, die von Dir so rosa gemalten verspielten, individualisierbaren Büros „mit ungewöhnlichen Konferenzräumen, hochwertigen Kantinen, schönen Kaffeeecken und Fitnesstudios im Haus“ gibt es meiner Wahrnehmung nach nur in den wenigsten Unternehmen. Vielleicht erleben wir ja nach der Krise einen Trend, Büros genau dahin zu entwickeln, zu Treffpunkten der Zusammenarbeit und Kommunikation. Da simmer dabei, das wäre prima …

Gunnar Sohn hat am 17. August ein Gespräch mit Thomas, Winfried Felser und Dr. Josephine Hoffmann vom Forscherteam des Fraunhofer IAO zum besagten größten Management-Fehler geführt. Hab ich leider wegen paralleler Termine verpasst. Hier kann man den Talk aber „nachgucken“.

Wie der Trend zum Homeoffice Manhattan und andere Bürozentren massiv umkrempeln wird

Und noch ein geschätzter Beobachter der digitalen Szene und Digitalisierung in Deutschland, Sascha Lobo, hat sich auch zum Thema Homeoffice geäußert und das im letzten Podcast der Zeit-Serie Wird das was, die jetzt eingestellt wird. Überraschend in Zeiten, wo Podcasts boomen, aber das ist ein anderes Thema. Im Podcast gibt es eine Tour d’Horizon der Digitalisierung in Deutschland mit den Chancen und Verfehlungen. Er nimmt auch das Thema Veränderung der Arbeitswelt, Homeoffice und die potentielle Veränderung der Innenstädte ab ca 1:04 aufs Korn. Hörenswert, wie er den Einfluss von Homeoffice beschreibt, wie beispielsweise Manhattan sich ändern könnte, weil viele Banker nun von daheim arbeiten werden. Das reicht von weniger Bankern in die Fitnessstudios bis zu vielleicht fallenden Immobilienpreisen in den Zentren. First we take Manhattan, than we take …

Ich bin auf jeden Fall auf sein Kapitel zum Thema Corona gespannt, das er der Paperback-Version seines Buches „Realitätsschock“ neu hinzufügen will. Und ich hoffe, dass das neue Kapitel dann auch in die Hörbuchversion einfließen wird.

Und noch ein bisschen was aus meiner Twitter-Timeline zum Thema Homeoffice

(Stefan Pfeiffer)

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