Reingehört in Handelblatt Disrupt mit TK-Chef Jens Baas: Es ändert sich im Gesundheitswesen so wenig, weil zu viele Leute zu gut mit dem alten System leben

Eine neue Hörempfehlung: der Handelsblatt Disrupt Podcast mit dem Chef der Techniker Krankenkasse Dr. Jens Baas im Gespräch mit Sebastian Matthes vom Handelsblatt. Jens Baas kenne ich aus dem IBM Livestudio. Dort hat er sich 2018 auf der Cebit mit dem damaligen IBM Deutschland-Chef Matthias Hartmann über die elektronische Gesundheitsakte unterhalten, bei der IBM unterstützen durfte. Es geht um die Digitalisierung und den Stand des Gesundheitswesens und der Krankenkassen. Für mich klare, deutliche Aussagen, vom Thema – natürlich – zweite Welle bis hin zu den Gründen, warum es im Gesundheitswesen so langsam mit der Digitalisierung voran geht.

Eine Aussage: Es ändert sich so wenig, weil zu viele Leute zu gut mit dem alten System leben, von den Ärzten über die Kassen bis zu Patientenverbänden und der Pharmaindustrie. Immer wird – oft erfolgreich – versucht, die eigenen Interessen zu schützen. Und gar mancher, der Datenschutz schreit, meint – so Baas – in Wirklichkeit Schutz der eigenen Interessen und damit einhergehend Angst vor Transparenz. Jens Baas bringt viele praktische Beispiele, wirkliche Augenöffner.

Mich beschäftigt das Thema ja schon geraume Zeit und ich möchte als Patient die Möglichkeit, die Chance haben, meine Daten, meine Patientenakte für meine Ärzte frei geben können. Es ist und bleibt für mich unfassbar, dass noch immer viele Informationen per Fax oder auf DVDs ausgetauscht werden, wie ich es selbst erleben musste. Heute noch – so Baas – verbringen viele Ärzte einen großen Teil ihrer Zeit damit, Befunden hinterher zu telefonieren.

Und ja, das Thema Datenschutz muss immer wieder kritisch beleuchtet werden. Gerade hat ja der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber davor gewarnt, dass dass Version 1.1. der elektronischen Patientenakte (ePA), die zum 1.1.2021 eingeführt werden soll, nicht DSGVO-konform sei. Erst mit der für Januar 2022 geplanten Version 2.0 der ePA hätten die Versicherten die volle Hoheit über ihre Daten. Hier kommt es derzeit zu Auseinandersetzungen, deren Ergebnis noch nicht abzusehen ist. Doch stellt sich mir die Frage, ob man nicht hier ein Jahr Überbrückungszeit mit einem zum 11.2022 garantierten Datenschutz akzeptieren könnte, ja sollte?

Baas fordert in dem Podcast eine offene Diskussion, wer Patientendaten wann und wofür nutzen kann. Erst wenn der Patient seine Daten explizit frei gibt, erst dann dürften sie in vereinbartem Umfang genutzt werden. Hier sind wir wieder an dem von mir angesprochenen Punkt. Ich möchte über meine Patientendaten bestimmen, aber ich möchte vor allem überhaupt einmal die Möglichkeit haben, basierend auf meiner bewussten Entscheidung meine Patientendaten und -befunde mit meinen Ärzten vollumfänglich teilen können.

Das Gespräch mit Jens Baas dauert bis ca. 34:41. Eine halbe Stunde, die sich lohnt.

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— Haben Sie Fragen, Kritik oder Anregungen? Dann treten Sie unserer Handelsblatt Disrupt LinkedIn-Gruppe bei und schreiben Sie uns unter: https://www.linkedin.com/groups/8836249/. Sie können Sebastian Matthes auch bei Twitter (@smatthes) oder per Mail (matthes@handelsblatt.com) kontaktieren.
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Unten eingeblendet eine Infografik von der Techniker Krankenkasse, was im quasi „Vorgänger“ einer elektronischen Patientenakte, TK-Safe, der mit Unterstützung der IBM entwickelten elektronischen Gesundheitsakte an Informationen hinterlegt werden kann:

Grafik aus der Presse-Mediathek der TK – Alle Rechte liegen bei der TK

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