Elon holt die Nazis zurück – China und die deutsche Autoindustrie – Communities sind nicht am Ende – im #DigitaleNaiv’en Wochenrückblick #56

Natürlich waren Elon Musk und Twitter, das Fediverse und Mastodon auch diese Woche wieder Thema. Ich bin gespannt, was kommende Woche geschieht, sollte Musk wirklich eine Generalamnestie für alle gesperrten Twitter-Konten durchführen und dann noch mehr Hetze und Shit auf Twitter verbreitet werden:

Die Nazis kommen wieder, unter anderem. Wer in den letzten Jahren etwa wegen Hass und Hetze von der Plattform geschmissen wurde, darf zurück. Nicht mit neu angelegten Accounts ohne Follower*innen, sondern mit der alten Reichweite. Fachleute halten das für eine Katastrophe.

Twitter-Amnestie: Elon Musk holt die Rechtsextremen zurück

Vielleicht überlegen sich dann noch einige Journalisten, Influencer, Verlage und öffentliche Institutionen, ob es nicht Alternativen zu Twitter gibt. Und es wird auch spannend sein, ob es eine neue Welle – ist es dann eigentlich die 5. Welle? – von Zuwanderinnen und Zuwanderern nach Mastodon geben wird.

Ich bin gespannt und würde mir wünschen, dass noch mehr Institutionen aus Bund, Ländern, Kommunen, Stiftungen, Forschung oder Kunst ins Fediverse kommen. Ja, es ist Bewegung drinnen, aber aus meiner Sicht noch viel zu wenig. Toll wäre es, wenn ARD und ZDF wie von Leonhard Dobusch schon länger angeregt, ihre Mediatheken mit dem Fediverse verheiraten würden. All das könnte dazu beitragen, dass ein föderiertes, unabhängiges Netz von Instanzen mehr an Bedeutung gewinnt. Das wäre mal ein deutliches Zeichen.

Das Thema Elektroauto hat mich dann die Woche ebenfalls beschäftigt. Das Handelsblatt bemängelt, dass es an bezahlbaren Elektroautos deutscher und europäischer Hersteller fehle. Die werden jetzt von chinesischen Autobauern in Europa angeboten. Laut PwC wird Europa schon 2025 mehr Autos einführen als exportieren und die Mehrzahl könnte aus China kommen.

Der Brüller Nummer 2 war dann ein Bericht heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung – noch nicht online – über den Start der Autoproduktion von BMW und Mercedes in China. So wird laut Bericht der BMW iX3 für den gesamten Weltmarkt in China gebaut und eben nach Europa exportiert. So viel zum Thema Made in Germany. Die deutsche Autoindustrie verliert offensichtlich massiv an Bedeutung und ich sehe schon wieder die Forderungen nach massiver Unterstützung und Subventionen vor mir.

Ohne E-Mail leben? Communities sind nicht am Ende

Gefreut habe ich mich, meinen alten „Kumpel“ Luis Suarez auf Mastodon wieder getroffen zu haben. Ihn kennen ich schon eine gefühlte Ewigkeit aus meinen IBM- und Lotus-Zeiten als denjenigen, der ein Leben außerhalb des E-Mail-Posteingangs postuliert hat. Ich glaube, wir haben uns erstmals vor vielen Jahren in Orlando auf einer Lotusphere getroffen, wo ich Luis interviewen durfte, Lars Basche hat damals gefilmt. Sollte ich das Video wieder finden, werde ich es hier verlinken.

Doch zurück zum Thema, das mich im Job und im Blog schon mehr als 10 Jahre beschäftigt. Statt auf E-Mail hat Luis auf andere Technologien wie beispielsweise Enterprise Social Networks gesetzt, um besser zu kommunizieren und zusammen zu arbeiten. So ganz erfolgreich waren Luis mit unseren Bemühungen nicht unbedingt. Auch heute noch dominiert E-Mail und (mindestens) ein weiterer Posteingang ist hinzugekommen: der von Microsoft Teams oder Slack.

Aber, lieber Ulrich Kampffmeyer, ich glaube aber nicht, dass die Zeit von Communities auf sozialen Plattformen am Ende ist. Das Fediverse könnte zum Leuchtturm werden, wie eben solche Communities entstehen und lebendig werden können, diesmal aber getrieben in einer dezentralen Infrastruktur und (hoffentlich) primär interessengetrieben ohne kommerzielle, an Gewinnmaximierung orientierte Betreiber. Ich bin und bleibe halt optimistisch, digitalnaiv halt.

Noch zwei Lesezeichen: Sprachassistenten und Christian Drosten

Noch zwei Lesezeichen. Amazon entlässt und das auch in seiner Abteilung für Alexa, den Sprachassistenten. Offensichtlich hat Alexa nicht die Umsätze gebracht, die man sich erhofft hat. Das nimmt die Computerwoche zum Anlass, alle drei großen Sprachassistenten kritisch zu bewerten. Weder Alexa noch Siri und auch nicht der Google Assistant hätten die Erwartungen erfüllt.

Und ja, ich weiß, wir alle können das Thema Corona nicht mehr hören. Doch ich bin weiterhin dankbar, dass es Wissenschaftler wie Christian Drosten gibt, der so viel Hass über sich hat ergehen lassen. Hier sein Interview auf Zeit Online. Danke, Johnny Häusler, für die Nachricht auf Mastodon.

Bild von Fábio Almeida de Oliveira Adônes auf Pixabay

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2 Kommentare zu „Elon holt die Nazis zurück – China und die deutsche Autoindustrie – Communities sind nicht am Ende – im #DigitaleNaiv’en Wochenrückblick #56“

  1. Lieber Stefan,
    wie ich Dir bereits auf Mastodon schrieb, halte ich die Gruppen und Communities auf den (Un)Social-Media-Plattformen für „outdated“. Gruppen und Communities werden seit Jahren mit Spam, Werbung, Event-Ankündigungen usw. geflutet. Fachliche Diskussion mit echten Diskussions-Threads habe ich seit Jahren nicht mehr erlebt. Ein paar Beispiele zum „Sterben“ der Communities: Auf XING habe ich seit fast 19 Jahren mehrere Communities betreut – zusammen rund 35.000 Mitglieder. XING schaltet nun die Gruppen im Januar 2023 ab. FGür viele Engagierte, die sogar ihr Geschäftsmodell auf Gruppen und Gruppen-Event-Funktionen aufgebaut haben, ist dies sehr bitter. Es sind aber relativ wenige, die wirklich fachliche aktive Gruppen haben. Von Google+ müssen wir erst gar nicht mehr sprechen. Auf Facebook dümpeln Gruppen vor sich hin. Auch hier finden sich hauptsächlich nur noch Ankündigungen. Sieht man sich Linkedin an, so fehlt dort eine vernünftige Gruppen-Funktionalität. Auch bei „Twitter-Ersatz-Plattformen“ wie eben Mastodon gibt es keine Community-Funktionen. Von Twitter haben wir uns mit unseren zwei Firmen-Accounts „PROJECTCONSULT_“ und „IIM_Information“ sowie meinem privaten Account „DrUKff“ ganz nach der Übernahme durch Elon abgemeldet. Für „Marketiers“ ist das natürlich ein Reichweitenverlust, den ich aber als Rentier gut verkraften kann 😉
    Was ist aus den Diskussionen geworden? Sie sind nicht weg, sondern haben sich verlagert, z.B. auf die Diskussionsspalten von Fachzeitschriften oder wissenschaftliche Communities für dedizierte Themen. Social Media wird dieses wichtige Instrument des Informationsaustausches nicht mehr ausbauen können, da der Aufwand für Aufbau und Pflege für Moderatoren sehr hoch ist. Diese Zeit ist meines Erachtens vorbei.
    Und natürlich muss man noch die Publikationsstrategien der Gruppen-Protagonisten in Erwägung ziehen. Wir haben uns schon immer auf unsere eigene Webseite, meinen Blog und unsere Wissensdatenbank konzentriert. Auf Social Media landeten dann nur kurze Beiträge mit Links auf die ausführlichen Beiträge auf unserer eigenen Plattform. So gesehen waren FB, LN, X, Tw, Pint und andere nur „Sekundär-Veröffentlichungs-Channels“. Nur bei eigenen Plattformen kann man Konsistenz und Verfügbarkeit längerfristig sichern (wie haben alle Inhalte unserer Webseiten seit 1997 immer noch online im freien Zugriff für alle Interessierten).
    Daher – Konzentration auf eigene Inhalte auf eigenen Webseiten und „Tschüss“ allen Social-Media-Plattformen (was Du, lieber Stefan, als Marketier auch für einen Arbeitgeber schlecht machen kannst).
    Schöne Grüße,
    Uli

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