Weg von Reiserennmaschinen: Wann gibt es bezahlbare E-Autos mit genügend Reichweite?

Jeden Samstag kaufe ich nach den Croissants auch die Frankfurter Allgemeine (sonst lese ich sie nur digital) und regelmäßig springen mir riesige, manchmal sogar doppelseitige Anzeigen von BMW oder Audi entgegen, in denen die deutschen „Premium-Hersteller“ ihre riesigen E-Auto-Kisten bewerben. Mercedes ist ja da auch nicht besser. Im Luxussegment scheint man Geld verdienen zu wollen und zu können und es ist wohl nach Ansicht der Auto-Marketers eine Image-Frage: „Jede Epoche braucht eine Ikone“. Und das sollen diese Wagen sein?

Oder wie drückt es Stefan Bratzel vom Chef des Center of Automotive Management in der Wirtschaftswoche* aus:

„Statt beim Umstieg auf die E-Mobilität und der Konzeption neuer Fahrzeuge auf Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit und Effizienz zu setzen, verharren die Hersteller im alten Bleifußdenken einer vergangenen Zeit.“

Übermotorisierte E-Autos: Autobauer produzieren an Kunden vorbei

Von der Reiserennmaschine zum vernünftig gepreisten E-Auto

Hier prallen mein Weltbild und Anforderungsprofil und die Vorstellungen besagter Hersteller frontal aufeinander – ohne Airbag. Jahrelang habe ich große Diesel gefahren, Reiserennmaschinen, wie sie Don Dahlmann und Richard Gutjahr mal in einem Podcast genannt haben. Ich will und brauche diese großen Wagen nicht mehr und ich brauche auch keine 200 km/h mehr. Ein E-Auto in der Größe des Golf oder T-Roc genügt mir. Der Wagen sollte mich problemlos auch bei kalten Temperaturen hin und zurück zu meinen Eltern bringen können, also einen garantierte Reichweite von rund 300 Kilometern leisten. Nix Reichweitenangst pragmatischer Ansatz. Und ich möchte auch keine exorbitanten Beträge für einen solchen Wagen ausgeben.

Und in dieser Kategorie sieht es – so nehme ich es zumindest wahr – noch dünne aus. Beim VW ID.3, den ich vor einigen Monaten schon einmal Probe gefahren bin, scheint es in der Verarbeitung, der Bedienung und Software Probleme zu geben. Das alte Markenversprechen, dass ein VW immer ein Stückchen besser als ein Opel oder ein Franzose ist, wird derzeit nicht mehr eingehalten. Das soll sich wieder ändern. Dafür steigen dann aber auch wieder die Preise und das kräftig.

Ab 43.995 Euro startet der VW ID.3. Wir haben in der Redaktion in diesem Jahr häufig über die ins Absurde gestiegenen Preise für Elektroautos diskutiert.

Volkswagen steht damit keineswegs alleine da. Ein Kia Niro EV kostet mindestens 47.590 Euro, ein in etwa mit dem ID.3 vergleichbarer Renault Megane E-Tech EV60 beginnt bei 44.400 Euro.

VW ID.3 Facelift: Mehr Qualität versprochen, drastisch gestiegener Preis | heise Autos

Korrekterweise fragt die heise-Redaktion auch:

Wer soll das bezahlen? Vom Versprechen, den ID.3 ab knapp 30.000 Euro anzubieten, hat sich Volkswagen weit entfernt.

VW ID.3 Facelift: Mehr Qualität versprochen, drastisch gestiegener Preis | heise Autos

Wann gibt es bezahlbare E-Autos mit genügend Reichweite?

Noch habe ich einige Monate Zeit, bevor das Leasing meines Dienstwagens ausläuft. Angesichts der Lieferzeiten für E-Autos muss man sich aber wohl rechtzeitig Gedanken machen, wenn man den Umstieg endlich angehen will. Tesla und Autos „Made in China“ kommen für mich nicht in Frage, also heißt es sich weiter umschauen. Vielleicht tut sich was bei Opel und Peugeot, die den Astra Elektro und eine ähnlichen Franzosen anbieten wollen. Es wird auf jeden Fall Zeit für vernünftigere, finanzierbare E-Autos.

Es werden also spannende Monate und nicht nur wir stellen uns natürlich die Frage, wie viel Geld wir für ein E-Auto ausgeben wollen und können. Und manche werden sich dann doch wieder für den Verbrenner entscheiden, befürchte ich. Zum Abschluss noch eine Leseempfehlung: Frank Hamm und seine Frau gehen einen hybriden Kompromissweg. Hier sein Beitrag, warum sie sich für einen Ford Kuga Hybrd entschieden haben.

* Danke Thomas Cloer für den Hinweis auf Mastodon:

Bild von Michael Schwarzenberger auf Pixabay

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