Artikel, Blogbeiträge und Kommentare, die ich in den vergangenen Tagen erwähnens- und lesenswert fand, einmal mehr hier im Blog kuratiert.

- USA-Besucher und warum die WM ein Super-Deal für Trump ist
- Die heile Welt von gestern kommt nicht zurück
- Die Baby Boomer, eine Generation von Schmarotzern?
- Auch der Kanzler fordert Social-Media-Verbot, aber …
- Aus der Blogosphäre
USA-Besucher und warum die WM ein Super-Deal für Trump ist
Noch am Mittwoch haben wir mit Freunden zusammen gesessen, und für alle ist die USA momentan kein Land, in das man reisen will. Trumps wirre Politik, die Gewaltorgien des ICE und die Ankündigungen, dass künftig verschiedene Daten wie die Social-Media-Aktivitäten der letzten 5 Jahre, die genutzten E-Mail-Adressen, die Wohnorte der letzten Jahre und eventuell sogar DNA-Daten im ESTA-Antrag bei der Einreise in die USA offengelegt werden müssen, tragen zu dieser Haltung bei.
Im ersten Jahr unter Trump sanken die Besucherzahlen in den USA um 4,2 Prozent, was einem Verlust von elf Millionen Touristen und 50 Milliarden Dollar entspricht. Kein Kompliment für den brillanten Deal Maker, aber Rettung naht: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA. Sie wird ihm wahrscheinlich aus der Patsche helfen. Das Interesse an der Fußball-WM ist – so T-Online – groß, mit 500 Millionen Ticketanfragen, hauptsächlich aus den Gastgeberländern und … Deutschland. So viel zum Thema Haltung.
Zu einem Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft im Trump-Land habe ich mich ja schon geäußert. Dazu werden es die Infantino-Freunde nicht kommen lassen. Watzke und Konsorten lehnen das ja auch ab, weil die armen Sportler ja nichts dafür können (und man nebenbei seine Geschäfte als DFB machen will). Auch das haben wir am Mittwoch sehr kontrovers diskutiert. Ich habe da eine sehr strikte Haltung, auch wenn der Vergleich mit der Olympiade 1936 in Berlin vielleicht etwas überzogen ist.
Die heile Welt von gestern kommt nicht zurück
Christian Stöcker bringt es in seiner Spiegel-Kolumne einmal mehr auf den Punkt: Regierende, Politikerinnen und Politiker generell sollten nicht weiter den Eindruck, besser die Illusion vermitteln, als gäbe es ein erstrebenswertes Gestern, zu dem man nur zurückkehren müsse, damit alles wieder gut wird. Zurück in eine vermeintlich heile Welt, die in Wirklichkeit keine war. Wir müssen nur wieder härter arbeiten. Dann wird das alles wieder gut.
Mumpitz. Der Status quo von gestern ist überholt. Permanente, beschleunigte Veränderung ist unausweichlich, wie in den Jahrzehnten zuvor. Und ja, Menschen mögen keinen Change. Aber Sauerland-Nostalgie hilft nicht weiter. Wir müssen uns ernsthaften Themen stellen, vom Einfluss und den Bedrohungen durch künstliche Intelligenz – dem Schwerpunkt des Beitrags von Stöcker – bis zur Klimakrise, die einige so vehement leugnen.
Und denken wir auch an die Rattenfänger, die mit plumpen Parolen Stimmung machen. Zurück zur D-Mark. Oder an das, was Herr Trump in den USA als nostalgische heile, weiße Welt verkauft. All das wird nicht funktionieren, auch wenn sie es suggerieren. Wir werden uns der Gegenwart und ihren Herausforderungen stellen müssen, so wie es Generationen vor uns getan haben.
Die Baby Boomer, eine Generation von Schmarotzern?
Da fühle ich mich schon auf den Schlips getreten, wenn man mich Baby Boomer als Schmarotzer bezeichnet. Wir haben ja auch gearbeitet. Nicht wahr? Florian Harms hat im T-Online Tagesanbruch vom 17.2.2026 die Baby Boomer aufs Korn genommen. Unsere Generation habe so lange auf der Sonnenseite gestanden und sträube sich nun gegen notwendige Reformen, gegen Anpassung und Verzicht. Reformen, die den Status quo antasten, werden als Angriff empfunden. Um ja nichts zu verlieren oder abgeben zu müssen, wählten wir Boomer Politiker und Parteien, die den Status quo sichern statt Zukunft zu gestalten. Da sind wir wieder bei der gerade diskutierten heilen Welt von gestern.
Harms zitiert einen ausführlichen Leserbrief, und da steht es: „Wir lästern über die Jungen, dabei sind wir die erste Schmarotzergeneration.“ Das Problem ist nicht nur politisch, sondern generationenübergreifend: Zwischen denen, die „im Gestern verhaftet bleiben wollen“, und jenen, die die Zukunft tragen müssen, klafft eine wachsende Kluft. Ob die Boomer wirklich die Bremser sind oder eher symptomatisch für ein ganzes System – lässt Harms offen.
Und wie stehe ich zum Vorwurf der Schmarotzergeneration? Wir Baby Boomer hatten und haben noch ein gutes Leben, materiell, vor allem in Frieden. Wir konnten reisen und die Welt kennen lernen. Haben wir schmarotzt? Nein, das sehe ich eher nicht so. Wir haben schon unser Leben lang gearbeitet. Aber wir haben immer gerne mehr genommen und uns an dieses mehr gewöhnt. Und jetzt sind viele von uns Baby Boomern nicht bereit für „etwas weniger“, auf das ein oder andere Privileg oder einen Besitzstand zu verzichten. Stattdessen fallen einige von uns auf die Nepper, Schlepper und Bauernfänger herein, die „alles wird gut“ versprechen und immer andere Schuldige finden, die Migranten, die Ausländern, die Links-Grün-Versifften. Wie man diese Kuh oder besser Kuhherde vom Eis kriegt – ich weiß es nicht. Das Thema bleibt auch für mich offen.
Auch der Kanzler fordert Social-Media-Verbot, aber …
Vor geraumer Zeit haben Lars und ich bei #9vor9 über ein Social-Media-Verbot gesprochen. Unterdessen kocht die Diskussion bei uns in Deutschland weiter hoch. Der Kanzler kann es sich vorstellen. Die SPD macht entsprechende Vorschläge, die aber nicht genau gelesen werden. Der Schleswig-Holsteinische Ministerpräsident Günther war schon länger dafür. Und vielleicht bewahrheitet sich noch die Prophezeiung von Nostradamus Lars, der ein entsprechendes Verbot noch in dieser Legislaturperiode vorhergesagt hat.
In Australien funktioniert es doch auch, oder?
Wir haben ja ein leuchtendes Vorbild: In Australien funktioniert doch alles. Zumindest gibt es entsprechende Berichte. Doch es gibt auch andere Aussagen – Im FAZ Frühdenker vom 19.2.2026 wird von Gesprächen berichtet, die die FAZ-Journalisten mit rund zehn australischen Familien mit Kindern zwischen 13 und 16 Jahren geführt haben. Fast alle Kids haben weiterhin Konten in den eigentlich gesperrten Plattformen. Den Angaben der Kinder nach sind auch ihre Freunde weiterhin dort präsent.
Ich habe den Eindruck, dass genau so etwas auch uns passieren könnte. Verbote sind dazu da, umgangen zu werden. Und meist finden sich Wege. Deshalb wird ein Social-Media-Verbot wahrscheinlich nichts bringen, außer dem populistischen Hinweis an das Wahlvolk, dass man doch etwas getan habe.
Das eigentliche Problem sind die Algorithmen, die Tech-Bros und Trump mit seinen Genossen
Doch des Pudels Kern ist nicht ein Verbot. Das Problem sind die Plattformen, deren Logik und Algorithmen dafür sorgen, dass den Kids Fake News, Hass, pornographische und andere fragwürdige Inhalte zugespielt werden. Dort muss angesetzt werden. Dort muss endlich konsequent reguliert werden. Steht übrigens auch in dem SPD-Papier, aber so weit wird meist nicht gelesen. Stattdessen wird das Paper medial „Social-Media-Verbot für U14“ verkürzt. Dabei geht’s der SPD wohl eher um algorithmusfreie, altersgestufte Nutzung und Plattformverantwortung statt pauschale Verbote. Ein Mindestalter ist symbolisch, echten Schutz bringen transparente Systeme & Medienkompetenz. Lesenswert dazu die Beiträge von Thomas Gigold und Eva-Maria Weiß.
Daran traut sich die Politik aber noch nicht wirklich heran, denn dann bekommt man es mit Trump und seinen Gesellen und den mächtigen Tech-Bros wie Zuckerberg oder Musk zu tun, die alle Hebel in Bewegung setzen, dass sie nicht reguliert werden. Doch genau dort liegt nicht die komplette Lösung, aber die Möglichkeit, einer sehr großen Entschärfung des Problems.
Social-Media-Verbot für Über-40-Jährige!
Im Übrigen schließe ich mich den Jugendlichen an, die ein Social-Media-Verbot für Über-40-Jährige fordern. Laut Bericht des Postillion begründen sie die Forderung damit, dass ältere Leute „viel zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen und auf jeden KI-Scheiß reinfallen“. So ist es.
Aus der Blogosphäre
Diskussion auf Social Media? Nahezu unmöglich
Zum Abschluss noch lesenswerten Blog-Beiträge geschätzter Kollegen. Christian Buggisch schreibt darüber, wie Social Media unterdessen gehapert wurde, eine Diskussion nicht mehr möglich ist:
Politische, öffentlich ausgetragene, ausgewogene Diskussionen in sozialen Medien sind heute weitgehend unmöglich. Es besteht jederzeit die Gefahr, dass solche Debatten von gut organisierten Aktivisten gekapert und durch massenhaftes, systematisches Framing thematisch beherrscht werden. Als einzelner dagegen anzudiskutieren ist sinn- und wirkungslos.
Der KI-Fehler des ZDF & die Diskreditierungskampagne
Horst Schulte könnte ich fast in jeder Kuratiert.-Folge zitieren und hier tue ich es mit seinem Beitrag über den KI-Fehler des ZDF heute Journals, der von gewissen Kreisen dann gleich der Moderatorin Dunja Hayali persönlich angekreidet wird. Dass NIUS, Springer und andere auf Hayali einprügeln, ist leider nicht neu. Dabei war sie für das Fake-Bild gar nicht verantwortlich. Aber man kann halt sie und die Öffentlich-Rechtlichen so schön diskreditieren.
Fehler sind passiert. Fehler wurden aufgedeckt. Fehler dürfen sich nicht wiederholen. Gut ist es. Alles andere ist Empörung und Skandalisierung und hat mit Journalismus sowieso nichts zu tun.
Die Sache mit der Toleranz … nicht nur in der Tech-Szene
Eigentlich gehört dieser Beitrag des bekannten Security-Experten Mike Kuketz thematisch doch nicht hierher. Mike schreibt darüber, wie gerade in der Tech-Szene das Symptom besteht, dass technische Präferenzen zu einer Weltanschauung werden. Wer das nicht genau so macht, hat keine Ahnung. Manche Fediverse-Enthusiasten verhalten sich manchmal genau so.
Genau so ist es. Eine Diskussion, ein Kompromiss oder ein pragmatischer Plan ist oft nicht möglich. Alles muss sofort Open Source sein. Alles muss sofort dezentral sein. Da gibt es kein Wenn und Aber.
Es braucht Augenmaß, Kontext und vor allem: den Willen, andere mitzunehmen statt sie zu belehren. Fortschritt entsteht selten durch Maximalforderungen, sondern durch realistische Schritte, die im Alltag funktionieren – und durch eine Kommunikation, die erklärt, statt zu urteilen.
Das Toleranzproblem der Tech-Szene: Menschen mitnehmen statt belehren – Mike Kuketz
Mike trifft den Nagel auf den Kopf. Und das nicht nur für die Tech-Szene. Und genau deshalb habe ich seinen Beitrag hier aufgenommen.


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