Wir lauschen fasziniert und erschreckt Trumps TV-Horror-Reality-Show. Gefühlt jeden Tag treibt er uns mit seinen Nachrichten vor sich her. Mein Blick auf einige Presseberichte und Blogbeiträge der vergangenen Tage, kuratiert und kommentiert.

- Die verharmlosende Sprache deutscher Medien
- Schweigen über die Zustände im Iran
- Über jedes Stöckchen von Trump springen?
- ICE: Die Revolutionsgarden von Trump
- Auch wegen 1933: Kein Rückzug ins Private
- Wo bleibt Europa?
- Widerstand auch bei uns in Eberstadt notwendig
- Artikel geclippt: Vom Berg-Molch und „populären“ Politikerinnen
Die verharmlosende Sprache deutscher Medien
Nicht nur das: Viele Medien übernehmen noch den Trump- und MAGA-Sprech, ob es um den vermeintlichen „Kampf gegen Drogenkriminalität“ in Venezuela oder um „Gebietsansprüche“ in Bezug auf Grönland geht. Nein, es sind eben keine Gebietsansprüche, sondern es ist die Drohung und Erpressung, Grönland so oder so besetzen zu wollen – gegen den Willen der Bevölkerung und gegen jedes Völkerrecht. „Das ist das Problem mit der Trump-Berichterstattung: Die Sprache passt sich dem Wahnsinn an, statt ihn zu benennen„, so Lorenz Meyer.
Presse und Politik müssen Klartext sprechen, laut und vernehmlich:
Trump ist nicht Hitler, aber auch er will mehr als nur Grönland. Er streckt seine Finger nach Venezuela, Panama und Gaza, will Kanada zum 51. Staat der USA machen, und er betreibt den Zerfall der Europäischen Union.
Trump und Grönland: Der Widerstand muss klug, schnell und entschlossen sein. Konrad Schuller, FAZ, 17.1.2026
Schweigen über die Zustände im Iran
Über den Epstein-Skandal hören wir nichts mehr. Auch über den Iran wird kaum noch berichtet. Es wird ja nicht mehr demonstriert und Revolutionsgarden und Milizen erschießen ja zumindest öffentlich auf der Straße keine Menschen mehr. Dann schweigen die meisten Medien.
Weil der Eindruck entstanden war, die Proteste seien niedergeschlagen worden, nahm im Ausland das Interesse ab. Das wissen sie im Unterdrückungsapparat in Teheran: Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit ist flüchtig, Iran ist nur ein Thema von vielen.
Ralph Geiger in der SZ (Abo), zitiert nach Altpapier vom 19.1.2026
Das Internet ist abgeschaltet. Die Journalisten, die noch vor Ort sind, müssen vorsichtig agieren. Es scheint, das sich das Mullah-Regime erneut an der Macht hält – trotz wohl über 4.000 ermordeter Menschen.
Über jedes Stöckchen von Trump springen?
Zurück zu Trump: Sollen wir wirklich über jedes Stöckchen hüpfen, das er uns hinhält? Sollten wir uns besser raushalten und nicht mehr über ihn reden, schreiben oder an ihn denken? Für mich ist das keine Möglichkeit, auch wenn ich nur zu oft gefrustet bin und nur den Kopf schüttele. Meiner Ansicht nach ist es gerade jetzt wichtig, die demokratische Flagge hochzuhalten, das auch laut und vernehmbar. Als Deutsche sollten wir aus 1933 gelernt haben und dürfen unsere Demokratie nicht leichtfertig den Demokratiefeinden und rechtsradikalen Menschenfeinden überlassen. Das ist unsere verdammte Pflicht, finde ich.
Auch warne ich bei allem Unverständnis, dass es in den USA scheinbar so wenig, für mich deutlich zu wenig Widerstand gibt, davor, zu schnell in Antiamerikanismus nach dem Motto zu verfallen: „Die haben das schon immer gemacht.“ Ja, es gab und gibt das imperialistische US-Amerika, es gibt auch gerade jetzt noch viel zu viele Amerikanerinnen und Amerikaner, die weiterhin Trump unterstützen. Ungläubig frage ich mich, wie noch immer über 40 Prozent hinter Trump stehen können?
ICE: Die Revolutionsgarden von Trump
Die USA sind gespalten, waren sie wahrscheinlich immer. Besonders ins Auge sticht die ICE, Trumps Einwanderungspolizei. Martialisch, ein Machtinstrument des Präsidenten, verbreiten die Paramilitärs Angst statt rechtsstaatlich zu handeln. Eine Demokratie braucht keine Schlagtruppen zur politischen Durchsetzung. Das erinnert an die Mullahs im Iran mit ihren Revolutionsgarden und andere autoritäre Regime.
Doch es gibt (hoffentlich) weiterhin das humane, freundliche, demokratische Amerika, es gibt „den Mut ganz normaler Bürger„, wie es die taz formuliert, und ich hoffe sehr stark, dass die Vernunft wieder Oberhand gewinnt. Auch wenn ich nicht so optimistisch wie viele bezüglich der Midterms bin, da Trump und seine Ellisons und Musks in so hohem Maße die traditionellen und antisozialen Medien manipulieren und dominieren. Und Trump ist halt ein bewusst polarisierender „Showmaster“, der Politik als Reality Show, als „Great Television“ inszenieren weiß.
Trump kommt aus dem Reality-TV, das hat ihn gewaltig geprägt. Er weiß, dass es immer besser ist, gleich drei Säue statt einer durchs Dorf zu jagen. Dieses Spektakel beherrscht Trump perfekt. Damit überfordert er alle.
Politologe Stephan Bierling im Gespräch mit T-Online, 16.1.2026
Auch wegen 1933: Kein Rückzug ins Private
Auch warne ich vor der Aussage, dass die USA näher an einem „Weimar 1933“ sind als wir hier in Deutschland. „Ich mag das nicht glauben“, ist keine valide Aussage zum Thema. Zudem halte ich diesen Vergleich für unangemessen. In beiden Ländern stehen die demokratischen Werte und Grundfesten unter massivem Beschuss. Genau deshalb darf es keinen Rückzug ins Private geben mit dem Hinweis, dass es so schlimm nicht werde. Es ist in der deutschen Geschichte mindestens einmal sogar noch schlimmer gekommen.
Wie lange brauchen wir Europäerinnen und Europäer noch, um endlich in die Puschen zu kommen, politisch, militärisch, digital? Wir haben angesichts eines Trumps keine Wahl. We need to make Europe great again. Offizielle Pressemitteilungen und lauwarme Statements reichen angesichts des digitalen „Shit Production Systems“ von Trump nicht länger. Wenn jetzt EU-Abgeordnete ein europäisches soziales Netzwerk fordern, fange ich hysterisch an zu lachen. Wo wart ihr die vergangenen Jahre? Seid ihr etwa immer noch auf X? Ihr macht euch nur lächerlich.
Wo bleibt Europa?
Mir scheint, dass viele Politikerinnen und Politiker vor einer Stärkung Europas angesichts der rechtsnationalen Strömungen in ihren Ländern zurückweichen. Doch was ist die Alternative? Trumps oder Putins Wünschen gehorchen? Und ja, vielleicht muss es ein Kerneuropa geben, das vorangeht und Herrn Orbán sowie ähnliche Gesellen außen vor lässt, die immer wieder Fortschritte boykottieren. Mir fehlen – bei aller notwendigen Diplomatie – die wahrnehmbaren Führungspersönlichkeiten, die hier vorangehen. Es gab sie einmal nach dem Krieg in Europa.
Widerstand auch bei uns in Eberstadt notwendig
Dieser Text entsteht – zumindest in Teilen – am 21. Januar 2026 kurz bevor Trump in Davos einfällt und seine Obstrusitäten absondert. Er entsteht an einem Tag, an dem die AfD hier in meinem Heimatort in Darmstadt-Eberstadt ihren Neujahrsempfang im Ernst-Ludwig-Saal abhält. Der war wohl entgegen der Aussage im Artikel FR juristisch nicht zu verhindern.
Doch bleibt es wichtig, dass wir uns hier lokal vor Ort und global gegen Autokraten, Imperialisten, Rechtsradikale und Feinde unserer Demokratie stellen. Wir müssen, dürfen und sollen protestieren. Dabei ist es aber besonders wichtig, dass Demokratinnen und Demokraten bei aller notwendigen inhaltlichen Auseinandersetzung als demokratische Mitte zusammenstehen und sich nicht gegenseitig mit Dreck bewerfen oder in antidemokratische Ecken stellen. Die wirklichen Gegner sind die, die unsere freiheitliche Demokratie stürzen wollen. PUNKT!
Artikel geclippt: Vom Berg-Molch und „populären“ Politikerinnen




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